Vermögensverwalter Vanguard: Führungswechsel bei der Nummer zwei weltweit

Vermögensverwalter Vanguard
Führungswechsel bei der Nummer zwei weltweit

Die zweitgrößte Anlagefirma der Welt bekommt einen neuen Chef. Tim Buckley soll die Erfolgsstory von Vanguard fortschreiben. Die Voraussetzungen dafür sind gut – und die Pläne für Europa bereits griffbereit.
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FrankfurtSelten erregen Führungswechsel in der Branche der Vermögensverwalter große Aufmerksamkeit. Hier schon, denn es dreht sich um die Nummer zwei der Welt. Beim US-Haus Vanguard gibt Frederick William McNabb den Chefsessel an Tim Buckley ab.

Unter dem heute 60-jährigen McNabb konnte Vanguard das verwaltete Vermögen mehr als verdreifachen und betreut heute 4,4 Billionen Dollar. Davor liegt nur noch Blackrock. Der 48-jährige Buckley war bislang Chef der Anlagestrategie. Seinen Posten wiederum übernimmt der bisherige Anleiheleiter, Greg Davis.

Vanguard verwaltet den Großteil der Gelder in Indexfonds, sowohl in traditionellen ohne Listing wie auch in börsengehandelten Varianten als „Exchange Traded Funds“, kurz ETFs. In dem Bereich sammelte Vanguard im vergangenen Jahr eine Rekordsumme von 323 Milliarden Dollar ein.

In den ersten sechs Monaten dieses Jahres legten die Investoren netto 194 Milliarden Dollar an – auch das ist Rekord. Zum Vergleich: Die Nettokäufe sind um zwei Drittel höher als beim weltgrößten Verwalter Blackrock und nach Angaben des Analysehauses Morningstar gar zehn Mal höher als beim Konkurrenten Fidelity. Vor allem der große Heimatmarkt USA ist hart umkämpft. Bei den Indexfonds liegt Vanguard klar vorne. Die Gesellschaft mit Sitz im wenig bekannten Valley Forge im Bundesstaat Pennsylvania hat einen Marktanteil von knapp 50 Prozent.

Der bemerkenswerte Erfolg hat mehrere Gründe. John Bogle gründete die Firma 1975 – er gilt als Erfinder des Indexfonds. Mit 88 Jahren ist er immer noch bei Vanguard aktiv und genießt höchstes Ansehen in der Finanzbranche. Der Kerngedanke von Bogle gilt auch heute und ist verantwortlich sowohl für den Absatzerfolg als auch die hohe Reputation der Gesellschaft. Bogle wollte einfache Anlageinstrumente für längere Zeiträume anbieten, zu geringen Kosten und Gebühren. Dieser Gedanke gewann über die Zeit immer stärkere Zugkraft, unter anderem in der betrieblichen Altersvorsorge in den USA.

Die Gesellschaft ist im Besitz ihrer Investoren. Auch das unterscheidet sie von anderen Anlagehäusern. Kosteneinsparungen werden in Form geringerer Gebühren an die Fondsanleger weitergegeben. Heute liegt die durchschnittliche Gebührenbelastung bei den Vanguard-Fonds bei lediglich 0,12 Prozent. Konkurrenten erreichen ein Vielfaches. Und künftig will Vanguard auch in Europa das Geschäft stärker ausbauen.

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