Vorschau
An der Wall Street regiert die Angst

Nach einer turbulenten Handelswoche mit panikartigen Zügen sind viele Investoren verunsichert: War das erst der Anfang einer weiteren Talfahrt? Wird die US-Notenbank am Dienstag an der Zinsschraube drehen?
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New YorkWie entwickelt sich die Reise an den US-Börsen in der kommenden Woche? „In einem Wort: unbeständig", sagte Citigroup-Stratege Jamie Searle. Neben den Sorgen vor einer Ausweitung der Schuldenkrise in Europa befürchten die Anleger, dass die US-Wirtschaft in die Rezession zurückfallen könnte und damit auch die Weltwirtschaft mitreißt. Zudem verloren die USA erstmals ihre Spitzenbonitätsnote bei einer führenden Ratingagentur. Standard & Poor's zog die Konsequenzen aus dem langwierigen Schuldenstreit und setzte die langfristige Kreditwürdigkeit der weltgrößten Volkswirtschaft herab. Viele Analysten haben bereits ihre Prognose für die Jahresendwerte der US-Indizes gesenkt.

„Die langfristig drohenden Auswirkungen sind wirklich beängstigend“, sagt Jack Ablin von der Harris Private Bank in Chicago. Auf der anderen Seite sehen manche Experten die dramatischen Verluste der letzten Tage als Chance, günstig in Aktien einzusteigen. Anleger würden sich wieder beruhigen und die Situation mit kühlen Kopf betrachten, prognostiziert Thomas Villalta von Jones Villalta Asset Management. Nachdem die abgelaufene Woche der Wall Street die stärksten Verluste seit mehr als zwei Jahren einbrockte, rechnet Villalta mit einer Besserung.

Am Dienstagabend um 20.15 Uhr (MESZ) werden sich die Blicke der Anleger nach Washington richten, wo die US-Notenbank über ihren weiteren geldpolitischen Kurs entscheidet. Zwar rechnet niemand damit, dass Fed-Chef Ben Bernanke an der Zinsschraube dreht - der Leitzins liegt längst bei fast null Prozent. Doch angesichts der sehr mauen Wirtschaftsentwicklung und vor allem der weiter stark angespannten Lage auf dem US-Arbeitsmarkt, wurden zuletzt die Rufe nach einer dritten Runde von Staatsanleihenkäufen zuletzt immer lauter.

Angesichts der immensen US-Verschuldung rechnen Experten aber nicht damit, dass die Fed erneut aktiv wird, um der Wirtschaft mehr Leben einzuhauchen. „Es wird mit Sicherheit keinen finanziellen Stimulus geben“, sagte Paul Mendelssohn von Windham Financial Services mit Blick auf die klamme Haushaltslage. „Es gibt soviel Uneinigkeit in Washington, dass Bernanke zweimal nachdenken wird, bevor er irgendetwas macht.“ Das Hickhack um die Anhebung der Schuldenobergrenze hatte das politische Leben der Hauptstadt wochenlang dominiert und Zweifel an der Kompromissfähigkeit von Republikanern und Demokraten geschürt.

Agentur
Reuters 
Thomson Reuters Deutschland GmbH / Nachrichtenagentur

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  • @Silvercoin82

    Bereits vor drei Wochen wurde in einschlägigen Medien vor der jetzigen Panik an den Aktienmärkten gesprochen (Michael Snyder, The Economic Collapse, 19.07.2011). Ich habe mich an den Rat gehalten und mich auch schon seit April darauf vorbereitet. Und ich bin kein Profi, aber weiß zumindest, welchen man genau zuhören sollte. :-)

  • Die Welt sollte die Krise nutzen, die Staatsschulden in Ordnung zu bringen. Dies funktioniert langfristig über Steuererhöhungen und Sparhaushalte, kurzfristig jedoch durch das Drucken von Geld und die damit verbundene Inflation und Entwertung der Schulden. Diesen Weg ist die USA bereits diverse Male gegangen - Europa sollte nun mitziehen. Die angespannte politisch-soziale Lage in weiten Teilen der Welt (jetzt gerade Armutsrandale in London) zeigt uns, dass die Schere zwischen den Superreichen und den normalen Bürgern überspreizt ist. Es wird knallen, wenn es so weiter geht. Inflation könnte die Extreme wieder ein Stück zusammenführen.

  • @Penner Hochmut kommt vor dem Fall

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