Wall Street-Ausblick
Anleger auf der Jagd nach Filetstücken

Die Nervosität an der New Yorker Börse dürfte auch kommende Woche hoch bleiben. Doch zum Quartalsende wollen viele ihre Portfolios aufpolieren - und greifen bei erfolgreichen oder zu unrecht abgestraften Titeln zu.
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New YorkAn der Wall Street dürften sich die Anleger in der neuen Woche die Rosinen herauspicken. Die Nervosität am New Yorker Aktienmarkt bleibt zwar wegen der Atomkatastrophe in Japan und den Unruhen in Nordafrika und Nahost hoch. Doch zum Quartalsende wollen viele Fonds-Manager ihre Portfolios ordentlich aufpolieren und sich mit erfolgreichen Titeln schmücken. Fündig werden dürften sie dabei vor allem im Industrie- und Energiesektor: Bei Titeln wie dem Baggerhersteller Caterpillar setzen sie darauf, dass die Konzerne kräftig von der Wirtschaftserholung in den USA und anderen Teilen der Welt profitieren. Energiefirmen wie Chevron nützt der hohe Ölpreis, obwohl dieser insgesamt eher als Konjunkturbremse gefürchtet wird.

„Viele Anleger haben den zuletzt radikalen Ausverkauf von Aktien als Gelegenheit genutzt, bei ungerechtfertigt abgestraften Titeln zuzugreifen“, sagte Michael Strauss, Chefökonom bei Commonfund. Diese Strategie hatte schon in der vergangenen Woche den US-Börsen ein Comeback ermöglicht: Der Dow-Jones-Index der Standardwerte und die Technologiebörse Nasdaq legten die beste Handelswoche seit Juli hin. Der breiter gefasste S&P 500 schlug sich immerhin so gut wie seit Anfang Februar nicht mehr. Im Wochenvergleich legte der Dow 3,1 Prozent, der S&P um 2,7 Prozent und der Nasdaq um 3,8 Prozent zu.

Der jüngste Aufschwung am Aktienmarkt wird laut Analysten auch von den Erwartungen an die nächste Bilanzsaison getragen, die in der zweiten April-Woche eingeläutet wird. Vom hohen Ölpreis profitieren den Experten zufolge nicht nur Branchengrößen wie Chevron, Exxon und ConocoPhilips, sondern auch Werte wie Marathon Oil, El Paso Corp und Valero Energy. Der Ölpreis schwankt derzeit um rund 115 Dollar je Barrel und liegt damit knapp unter seinem Zweieinhalb-Jahres-Hoch. Im Blick haben die Anleger bei der Entwicklung der Kosten für den wichtigen Rohstoff vor allem den Militäreinsatz des Westens im Ölland Libyen und die eskalierenden Konflikte in anderen Ländern der arabischen Welt, darunter Jemen und Bahrain.

Solche geopolitischen Entwicklungen haben den Konjunkturdaten zuletzt auf dem Börsenparkett oft die Schau gestohlen. Auch in der kommenden Woche dürften Krisen und Konflikte abermals im Mittelpunkt des Interesses stehen. Einen Konjunkturtermin haben sich die Anleger aber trotzdem rot im Kalender angestrichen: Am Freitag legt die US-Regierung den immer mit großer Aufmerksamkeit verfolgten Arbeitsmarktbericht vor. Es wird mit einer weiteren Entspannung der Lage auf dem Arbeitsmarkt gerechnet, der trotz erster Besserungszeichen im Februar bisher noch als Sorgenkind der Wirtschaftserholung gilt.

Agentur
Reuters 
Thomson Reuters Deutschland GmbH / Nachrichtenagentur

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