Wall-Street-Ausblick
„Der Markt hasst Unsicherheit“

Bislang sind die Anleger in den USA cool geblieben. Für sie ist der Konflikt in der Ukraine weit weg. Doch auch an den US-Börsen könnte es bald ungemütlich werden. Ein Experte hält den Aktienmarkt für überteuert.
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DüsseldorfDer S&P 500 hat gerade noch einmal die Kurve gekriegt. Nach zunächst deutlichen Verlusten konnte sich der Aktienindex bis zum Ende der vergangenen Woche wieder erholen. Unter dem Strich stand auf Wochensicht sogar ein kleines Plus zu Buche.

Die US-Börsen halten sich derzeit besser als die europäischen Indizes – in Frankfurt war der Dax in der abgelaufenen Woche um mehr als zwei Prozent gefallen. Grund war die Sorge der Anleger, dass der sich der Konflikt im Osten der Ukraine zu einem Wirtschaftskrieg zwischen dem Westen und Russland ausweiten könnte. Aufgrund enger Verflechtungen mit Russland dürfte Europa darunter sehr viel stärker leiden, speziell Deutschland.

Doch auch die US-Anleger können sich nicht zu sicher sein. Die USA könnten sich erneut in einen Krieg im Irak hineinziehen lassen. Das US-Militär flog am Freitag erstmals Luftangriffe auf die Islamisten, die ersten im Irak seit Abzug der Truppen Ende 2011. Präsident Barack Obama hatte begrenzte Luftangriffe genehmigt, um US-Bürger in der kurdischen Stadt Erbil und im übrigen Land zu schützen.

Zusätzlich belastet werden könnten die Märkte durch steigende Ölpreise infolge des Irak-Konflikts. Wenn es zu einer militärischen Auseinandersetzung zwischen der sunnitischen Extremistengruppe Islamischer Staat (IS) und den USA komme, steige die Furcht vor Angebotsausfällen des zweitgrößten Ölproduzenten der Opec, sagt ein Börsianer. Das treibe die Preise in die Höhe und habe langfristig negative Auswirkungen auf die Weltwirtschaft. „Der Markt hasst Unsicherheit“, sagte Investmentstratege Malcolm Polley von Stewart Capital Advisors.

Die Unsicherheit trifft auf einen US-Aktienmarkts, der ohnehin schon seinen Zenit erreicht haben könnte. Investoren sollten die Entwicklung genau im Auge behalten, sagt Giordano Lombardo, Chef-Anlagestratege von Pioneer Investments.

Der Experte hält die Märkte für überteuert und verweist zur Begründung unter anderem auf den „Tobin Quotienten“, das Verhältnis zwischen dem Marktwert und den Wiederbeschaffungskosten der Vermögenswerte des Unternehmens. Der „Tobin Quotient“ liege deutlich über dem historischen Durchschnitt und zeige damit an, dass der US-Aktienmarkt überbewertet zu sei. Eine Korrektur hätte vermutlich auch Auswirkungen auf andere Aktienmärkte, so Lombardo.

Bei den Konjunkturdaten richtet sich die Aufmerksamkeit der Investoren in der kommenden Woche auf die Einzelhandelsumsätze in den USA am Mittwoch. Analysten sagen für Juli ein Plus von 0,3 Prozent voraus nach 0,2 Prozent im Vormonat.

Die Bilanzsaison ist in den USA so gut wie gelaufen. Für Mittwoch hat sich der Netzwerk-Ausrüster Cisco angekündigt. Am Tag darauf folgt der weltgrößte Einzelhändler Wal-Mart.

Bei den Einzelwerten bleiben die Aktien der kanadischen Pharmafirma Tekmira Pharmaceuticals im Fokus. Die in den USA gehandelten Papiere sprangen in der vergangenen Woche um 45 Prozent in die Höhe, nachdem die US-Gesundheitsbehörde FDA den Weg freigemacht hatte, um einzelne Infizierte mit dem noch nicht zugelassenen Ebola-Medikament von Tekmira zu behandeln.

Auch bei der Pharmafirma BioCryst hoffen die Anleger darauf, dass ein experimentelles Medikamente im Kampf gegen die Seuche Ebola eingesetzt werden kann. BioCryst stiegen um über acht Prozent. Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) rechnet mit einer Verschärfung der Epidemie in Westafrika.

Agentur
Reuters 
Thomson Reuters Deutschland GmbH / Nachrichtenagentur
Jörg Hackhausen
Jörg Hackhausen
Handelsblatt Online / Reporter

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