Wall-Street-Ausblick: Haushaltsstreit schürt Ängste der US-Börsen

Wall-Street-Ausblick
Haushaltsstreit schürt Ängste der US-Börsen

Fallen die US-Märkte über die „Fiskalklippe“? In der kommenden Woche wird die Frage, ob sich Demokraten und Republikaner im Haushaltsstreit einigen, bang beäugt. Allerdings melden sich auch Optimisten zu Wort.
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New YorkAn der Wall Street gibt es derzeit nur ein bestimmendes Thema: das "fiscal cliff". Das dürfte sich auch in der neuen Woche kaum ändern. Anleger warten nervös auf neue Wasserstandsmeldungen, die ihnen helfen, die Chancen einer Einigung im Haushaltsstreit einzuschätzen. Die Ausgangssituation ist klar: Sollte Demokraten und Republikanern keine Lösung gelingen, drohen sie zum Jahreswechsel die gefürchtete "Fiskalklippe" hinunterzustürzen. Denn ohne Konsens käme es dann zu automatischen Ausgabensenkungen und Steuererhöhungen, die die weltgrößte Volkswirtschaft in die Rezession stürzen könnten. Seit der Wiederwahl von Präsident Barack Obama stehen die US-Börsen ganz im Bann dieses Problems, was mächtig auf die Kurse drückte. Das Marktbarometer S&P-500 notiert nur noch rund acht Prozent über seinem Niveau vom Jahresbeginn. Vor der Wahl waren es noch 17 Prozent gewesen.

Am Freitag herrschte dann Erleichterung. Bis dahin schien der Haushaltsstreit festgefahren. Nach einem Treffen mit Obama und dessen Demokraten im Weißen Haus erklärten sich die Republikaner unter Bedingungen auch zu Gesprächen über höhere Steuern bereit. Prompt zogen die Indizes in New York wieder an. Insgesamt blieb es aber noch bei merklichen Verlusten in der vergangenen Woche.

Marktexperten geben zu bedenken, dass die Investoren zuletzt wohl von überzogenen Ängsten getrieben worden seien. "Es scheint nicht sinnvoll, dass man am Tag nach der Wahl aufwacht und dann plötzlich merkt: Wir haben eine Fiskalklippe", sagt Hedgefondsmanager Krishna Kumar von Goose Hollow Alpha Advisors. Börsenprofis verweisen darauf, dass Obama inzwischen bessere Karten habe, Druck auf die Republikaner auszuüben. Denn die wollten nachher nicht als die Schuldigen dastehen, die die Wirtschaft über die Klippe gestoßen hätten. Zwar dürfte es in den kommenden Wochen im Takt der weiteren Verhandlungen noch deutliche Kursschwankungen geben. Aber es gelte nun, einen etwas längeren Atem zu haben und die Gunst der Stunde zu erkennen, mahnt etwa Marktstratege Brian Reynolds von Rosenblatt Securities.

"Je tiefer der Markt geht, desto stärker will ich Aktien haben", argumentiert er. Sobald die Klippe überwunden sei, könne es wie beim Bungee-Springen rasant nach oben gehen. Reynolds verweist auf die Börsenentwicklung bei den - ebenfalls durch einen wichtigen Fristablauf aufgeheizten - Haushaltsverhandlungen im vergangenen Jahr. Damals verlor der S&P-500 binnen weniger Wochen im Juli und August fast 19 Prozent. Als dann eine Zwischeneinigung erzielt und damit das Problem wegen des beginnenden Wahlkampfes bis Ende dieses Jahres aufgeschoben wurde, schoss der Index zwischen Oktober und März um 31 Prozent nach oben. Diese Rally, so deutet Reynolds an, will er auch diesmal nicht verpassen.

Ähnlich sieht es Portfoliomanager Brad Lipsig von UBS Financial Services in New York. "Die Debatte über die Lösung der Haushaltsprobleme könnte produktiver sein als allgemein wahrgenommen", sagt er. Große Schritte zur Bewältigung der Schwierigkeiten werden seiner Ansicht nach womöglich eine Initialzündung auslösen. "Das könnte dem Markt klarwerden, und nach einer Zeit des Händeringens könnte er seine Sorgen hinter sich lassen und neuen Optimismus spüren."

 

Kommentare zu " Wall-Street-Ausblick: Haushaltsstreit schürt Ängste der US-Börsen"

Alle Kommentare
  • das sind doch 2 Paar Schuhe, man kann doch die Wirtschaftskraft der USA nicht mit den darbenden Staaten wie Griechenland, Portugal und selbst Spanien oder Italien nicht vergleichen. Austeritaet ist die einzige Möglichkeit unproduktiven, mit politischen Wasserköpfen versehenen Staaten auf die Beine zu helfen. Wichtig sind dabei vor allem auch Einschnitte in die "nicht produzierenden Beamtenriegen". Wenn Griechenland alleine bereits von der Troika die Entlassung von 125000 Beamten angeraten hat, dann sagt das schon alles. Leider hoert man davon in den aktuellen Schlagzeilen nichts.
    Wenn jeder 4. Job vom Staat bestens honoriert wird, dann sinkt die durchschnittliche Produktivität der Bürger selbstverständlich. Die Papierburgen schaffen leider keinen Wohlstand!

  • Es ist alles so vorhersagbar: natürlich wird man sich noch rechtzeitig einigen, denn beide Seiten wissen was auf dem Spiel steht. Und natürlich wird, zumindest kurzfristig, an den Weltbörsen gejubelt werden, denn irgendwo muss das ganze Geld, das in die Märkte gepumpt wurde ja hin.

  • Europa: 500 Millionen Einwohner = 8 Billionen Schulden
    USA : 350 Millionen Einwohner = 16 Billionen Schulden

    Europa versucht wenigstens zu sparen!
    Wer steht da wohl besser da???????????
    Aber Europa ist ja an allem immer Schuld!
    Hahha

    http://www.usdebtclock.org/

  • Wir haben eine Beliebigkeit im Wirtschaftsjournalismus, der haarstraeubend ist. Die Austeritaet, welche in Europa als Rettung verkauft wird, wird in den USA als Fiskalklippe zum Untergang hochstilisiert. Einfach nur noch laecherlich, diese Berichterstattung.

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