Wall-Street-Ausblick
Risiken wachen, Investoren werden nervöser

Von den Aufständen in der arabischen Welt bis hin zur Schuldenkrise in Europa: Weltweit wachsen die Risiken, die die US-Investoren bei der Auswahl ihrer Anlagen einkalkulieren müssen - von Entspannung keine Spur.
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New YorkIn der kommenden Woche dürfte die Nervosität in New York noch einmal steigen, wenn Daten aus der Industrie und vom Arbeitsmarkt wie prognostiziert auf ein langsameres Wachstum der US-Wirtschaft hindeuten sollten. Diese zunehmende Ungewissheit lässt Investoren in die Defensive fallen - und sie immer anspruchsvoller werden. Große US-Banken gingen zuletzt davon aus, dass die Aktionäre ihre Maßstäbe bei den Bilanzen künftig deutlich nach oben schrauben und ihr Geld stärker zusammenhalten werden. Die wachsenden Risiken drohen die Wall Street auszubremsen.

"Die Bilanzen werden immer noch positive Überraschungen liefern", sagt Jonathan Golub, Aktienstratege bei UBS in New York. "Doch die Anleger sind immer weniger gewillt, der Nachhaltigkeit dieser Gewinne Glauben zu schenken." Der jüngste Rückgang der Rohstoffpreise und die Flucht der Anleger in defensive - also krisensichere - Branchen zeuge von diesem Trend. Eine Reihe schwacher Konjunkturdaten dürfte den Anlegern in der kommenden Woche weiter die Laune verderben, sagte Golub.

Zwar bleibt die Wall Street am Montag wegen des Feiertags "Memorial Day" geschlossen. Am Dienstag können sich die Anleger aber schon darauf vorbereiten, dass ihre Gelassenheit am Mittwoch einem ersten wichtigen Belastungstest unterzogen wird. Dann nämlich wird der ISM-Einkaufsmanager-Index der Industrie für Mai veröffentlicht.

Experten gehen davon aus, dass das an den Finanzmärkten viel beachtete Konjunkturbarometer auf 58 Punkte gesunken ist von 60,4 im April. Damit hätte die US-Industrie weiter an Fahrt verloren. Ab Werten von 50 Punkten wird Wachstum signalisiert. Ein Wert unter 60 zeige aber, dass die Phase größten Wachstums erst einmal vorbei sei, sagte Michael Sheldon von RDM Financial.

"Die Investoren könnten also gezwungen sein, ihre Erwartungen anzupassen." Lange Zeit zum Verarbeiten dieser Nachricht hat die Wall Street nicht, denn kurz darauf muss sie ihren Blick auf den weiter kriselnden Jobmarkt richten. Nach den Erstanträgen auf Arbeitslosenhilfe am Donnerstag folgt am Freitag der Arbeitsmarktbericht. Die US-Wirtschaft dürfte den Prognosen zufolge im Mai weniger als 200.000 neue Jobs geschaffen haben, was die Konjunktursorgen nur wenig lindern dürfte.

In der vergangenen Woche hatten der der Dow ein Minus von 0,6 Prozent und der S&P-500 sowie die Nasdaq von je 0,2 Prozent hinnehmen müssen. Erst zum Wochenschluss hatten wieder anziehende Rohstoffpreise den US-Börsen Auftrieb verliehen und den Indizes am Freitag ein Plus beschert.

Agentur
Reuters 
Thomson Reuters Deutschland GmbH / Nachrichtenagentur

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