Wall-Street-Ausblick
US-Anleger blicken gebannt nach Europa

Die griechische Schuldenkrise hält auch die internationalen Börsen in Atem. An der Wall Street wachsen die Bedenken, dass Europa die finanzpolitische Lage Griechenlands in den Griff bekommt.
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New YorkNicht nur in Europa, sondern auch in den USA dürfte die griechische Schuldenkrise an den Märkten erneut das wichtigste Thema der kommenden Woche werden. Nach den Kursverlusten der vergangenen Wochen an den US-Börsen macht sich abgesehen davon an der Wall Street eine abwartende Stimmung breit. Verstärkt wird diese durch das Auslaufen des als „QE 2“ bekannten Fed-Programms zum Ankauf von Staatsanleihen Ende am des Monats. Investoren warten daher bereits mit Spannung, was der Chef der US-Notenbank Ben Bernanke nach der zweitägigen Fed-Sitzung am Mittwoch zu sagen haben wird. 

Die meisten Wirtschaftswissenschaftler zeigen sich skeptisch, dass Griechenland jemals in der Lage sein wird, seinen Schuldenberg von inzwischen 340 Milliarden Euro abzutragen. Auch am Anleihemarkt herrscht weiter Nervosität über eine möglicherweise bevorstehende Zahlungsunfähigkeit des Landes. 

Die Investoren am Aktienmarkt scheinen dagegen zuversichtlich zu sein, dass die EU Griechenland ohne größere Verwerfungen am Mark wird retten können. Auch Bob Doll von Blackrock teilt diese Auffassung. „Wir werden Heftpflaster finden und wir werden uns durch diese Kredit-Probleme durchwurschteln“, sagt er. „Es könnte ziemlich düstere Konsequenzen nach sich ziehen, diesem Weg nicht zu folgen.“ Er rechne deswegen damit, dass die beteiligten Parteien eingreifen werden. 

In den USA selbst ist der Markt von einer Serie schlechter Konjunkturdaten gebeutelt worden. Seit Ende April hat der S&P 500 sieben Prozent verloren, der Nasdaq fast neun Prozent - nahe an dem Wert, der an der Wall Street als „Korrektur“ bezeichnet wird. Einige Investoren warten unter diesen Umständen auf den Sommer. Es herrsche eine große Unsicherheit am Markt, sagte David Joy von Ameriprise Financial. „Ich glaube, vor dem Labor Day wird es wieder Gelegenheiten zum Einstieg geben“, erklärte er unter Hinweis auf dem US-Feiertag am 5. September. 

Für einige Experten geht die Unruhe am Markt jedoch auch darauf zurück, dass Ende des Monats die Notenpresse wieder abgeschaltet werden soll: Dann läuft das zweite „Quantitative Easing“-Programm aus - kurz „QE 2“ genannt - mit dem die Fed jeden Monat Milliarden in die amerikanische Wirtschaft gepumpt hat. „Wonach Investoren eigentlich suchen ist nicht ein QE 3, sondern ein QE 2,5“, sagt King Lip von Baker Avenue Asset Management. Es würde bei den Anlegern gut ankommen, wenn die Fed die Zinsen der aufgekauften Bonds reinvestiere.

Der Dow-Jones-Index der Standardwerte gewann am Freitag 0,4 Prozent auf 12.004 Punkte. Der breiter gefasste S&P stieg um 0,3 Prozent auf 1271 Zähler. Der Index der Technologiebörse Nasdaq verlor 0,3 Prozent auf 2616 Stellen. Nach sechs Wochen mit Verlusten konnten damit Dow und S&P mit einem Zuwachs aus der Woche gehen: Beim Dow betrug er 0,4 Prozent. Beim S&P stand ein hauchdünnes Plus von 0,04 Prozent. Der Nasdaq dagegen fiel dagegen um ein Prozent.

Agentur
Reuters 
Thomson Reuters Deutschland GmbH / Nachrichtenagentur

Kommentare zu " Wall-Street-Ausblick: US-Anleger blicken gebannt nach Europa"

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  • so ein blödsinn ron777

  • Amerika schaut zu Recht mit Nervosität auf den alten Kontinent, denn hier bahnt sich gerade ein Währung-Crash an. Europas überforderten Politikern wird am Ende des Tages nichts Intelligenteres einfallen, als ebenfalls die Notenpressen anzuschmeißen. S.O.S. - Rettungsboote bereithalten!

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