Wall-Street-Ausblick: US-Quartalsbilanzen können nicht entzücken

Wall-Street-Ausblick
US-Quartalsbilanzen können nicht entzücken

Die Zwischenergebnisse der amerikanischen Wirtschaft haben die Anleger enttäuscht. Mit deutlichen Kurssprüngen in der kommenden Woche ist daher nicht zu rechnen. Und doch könnte die Lage schlimmer sein.
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New YorkMäßige Unternehmenszahlen und die Hängepartie um das zweite Rettungspaket für Griechenland haben die New Yorker Anleger bislang nicht positiv gestimmt, aber auch nicht verschreckt: Nach noch nicht einmal zwei Monaten im neuen Jahr hat der S&P-500-Index bereits acht Prozent zugelegt und den Stand übertroffen, den ihm Analysten erst für Ende des Jahres zugetraut haben. Die Gelassenheit der Investoren könnte in der kommenden Woche jedoch dahin sein. Bereits am Freitag kam Nervosität auf.

Wegen eines Feiertags bleibt die Wall Street am Montag geschlossen. Auf die bevorstehende und lang erwartete Entscheidung zu Griechenland können US-Anleger also erst mit Verzögerung reagieren. Zudem läuft die Berichtssaison aus. „Die Bilanzen waren dieses Mal durch die Bank enttäuschender als sonst. Da ist auch nächste Woche kein Feuerwerk zu erwarten“, sagte Aktienstratege Robbert Van Batenburg von Louis Capital.

Mehr als vier Fünftel der im S&P notierten Konzerne haben bereits ihre Ergebnisse veröffentlicht. Zwar haben 64 Prozent die Erwartungen der Wall Street übertroffen. Daten von Thomson Reuters zufolge lag der Durchschnitt in den vergangenen vier Quartalen aber bei 70 Prozent. Firmen wie Wal-Mart, Home Depot, Kraft und Dell am Dienstag oder Hewlett-Packard am Mittwoch sowie der staatlich gestützte Versicherer AIG am Donnerstag werden diese Quote auch bei guten Berichten wohl schwerlich noch nach oben treiben können.

Von daher richtet sich die Aufmerksamkeit doch wieder auf Griechenland und die US-Wirtschaft, von der zuletzt positive Signale kamen. Weitere Aufschlüsse bieten die wöchentlichen Daten zum Arbeitsmarkt am Donnerstag sowie der Eigenheimabsatz für Januar und das Verbrauchervertrauen der Universität Michigan für Februar am Freitag.

Das Hauptaugenmerk dürfte aber trotz des US-Feiertages auf dem Treffen der Eurogruppe am Montag liegen. Dann soll das geplante zweite Hilfspaket für das Mittelmeerland über 130 Milliarden Euro auf den Weg gebracht werden. Zuletzt wuchs die Zuversicht, dass die noch nicht vollständig geklärten Fragen bis dahin vom Tisch sind.

Aber auch technische Faktoren spielen in der neuen Woche eine Rolle. Dow-Jones-Index und die Technologiebörse Nasdaq kratzen an neuen Höchstwerten. Der Dow steht kurz davor, die psychologisch wichtige Marke von 13.000 Punkte zu erreichen, die Nasdaq 3000 Punkte. Sollte der S&P-500, der am Freitag bei 1361 Zählern aus dem Handel gegangen ist, die Marke von 1370 Punkten durchbrechen, hätte er den höchsten Stand seit Juni 2008 erklommen. Im September des selben Jahres war Lehman Brothers zusammengebrochen und hatte die weltweite Finanzkrise ausgelöst.

Während einige Marktstrategen nur von kurzfristigen Entwicklungen sprechen, sehen andere nachhaltige Aufwärtstendenzen. Wenn der S&P auf 1370 oder 1380 Punkte klettert, stünden reale Faktoren dahinter, sagte Analyst Stephen Massocca von Wedbush Morgan. „Noch schaue ich mir das an, aber wenn es passiert, springe ich auf.“

Agentur
Reuters 
Thomson Reuters Deutschland GmbH / Nachrichtenagentur

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  • Auszug aus „Zeit“ vom 19.02.2012.
    Wir stehen heute in Deutschland einer weit größeren Bedrohung als der Euro-Krise gegenüber. Die ungerechte und ungleichmäßige Verteilung von Besitz und Wohlstand hat dazu geführt, dass die politische Macht in den Händen einiger weniger konzentriert ist. Banken haben zum Beispiel viel zu großen Einfluss auf die Politik. Das ist eine Gefahr für unsere freiheitliche demokratische Grundordnung – mächtiger, konkreter und gegenwärtiger als alle anderen Gefahren.
    Ändert sich nichts, bedeutet diese Krise das Ende unserer Demokratie.
    ... der Sommer 2012 wird sehr sehr heiß ...

  • „erkennbare Aufwärtstendenzen“ ergeben sich z.B. nach dem 21.12.2011, als das Casino wieder mal mit 489 Milliarden Steuergelder geflutet wurde. Von Okt. 2008 – Okt. 2010 erhielten die Hütchenspieler schon mal 4589 Milliarden Euro vom Steuerzahler, doch schon wieder sind die ganzen Steuermilliarden und –billionen im Eigenhandel und an der Börse verzockt.
    Ende Februar gibt es schon wieder den nächsten Nachschlag so zwischen 1000 und 2000 Milliarden Euro.
    Es könnte aber auch viel mehr sein.

    +++ Credit Suisse: EZB muss Banken bis zu 10 Billionen Dollar leihen +++
    Um den Euro zu retten könnte die EZB gezwungen sein, bei ihrer nächsten Kreditvergabe im Februar bis zu 10 Billionen Dollar in den Markt zu pumpen. Es wäre der teuerste Ankauf von Zeit in der Geschichte.
    http://www.deutsche-mittelstands-nachrichten.de/2012/01/36340/#comment-46535

    In Schulen und Kindergärten werden die Heizungen heruntergedreht, die Gebäude verkommen, oder werden gleich ganz geschlossen, Strassen werden zu Schweizer Käse, Maut für Bundesstraßen wird geplant, Sozialleistungen werden unberechtigt gekürzt und erst Jahre später ausbezahlt – weil kein Geld da ist ... unserem altem Bundespräsidenten, der vor lauter Schadensbegrenzung für Straftaten gar nicht mehr zum Arbeiten kam, wird mit Sicherheit sein Ruhesold von 200.000.-€ p.a. erhalten ...
    Mal sehen, wie lange sich die stupid Steuerzahler das alles noch gefallen lassen. Eines ist sicher: Der Sommer 2012 wird sehr sehr heiß ...

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