Wall Street
Dow landet nach Achterbahnfahrt deutlich im Plus

Nach extremen Berg- und Talfahrten in der abgelaufenen Woche sind die US-Aktienmärkte mit Gewinnen aus dem Handel gegangen. Die Börsen trotzten damit einer drastisch eingetrübten Konsumstimmung in den USA.
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New YorkDas Verbrauchervertrauen fiel im August auf den tiefsten Stand seit 1980. Händler konzentrierten sich stärker auf ermutigende Einzelhandelsumsätze im Juli. Portfolio-Manager John Carey von Pioneer Investments machte Hoffung auf weitere Kursgewinne: „Zu einem gewissen Zeitpunkt schauen sich die Anleger um und stellen fest, dass eine Menge Aktien einen sehr attraktiven Preis aufweisen.“ Hinzu kam die Trendwende in Europa, wo die Börsen durchweg Aufschläge verzeichneten. Das Verbot bestimmter spekulativer Geschäfte in mehreren EU-Staaten beruhigte die Märkte.

In New York schloss der Dow-Jones-Index der Standardwerte mit einem Plus von 1,1 Prozent auf 11.269 Punkte. Im Handelsverlauf pendelte der Leitindex bei niedrigen Umsätzen zwischen 11.142 und 11.346 Stellen. Der breiter gefasste S&P-500 stieg um 0,5 Prozent auf 1178 Zähler. Der Index der Technologiebörse Nasdaq verbesserte sich um 0,6 Prozent auf 2507 Punkte. Auf Wochensicht lagen die Indizes trotz der Gewinne am Donnerstag und Freitag noch deutlich im Minus. Der Dow gab inoffiziellen Daten zufolge um 1,5 Prozent nach, der S&P 1,7 Prozent und die Nasdaq 1,0 Prozent.

Der Dax in Frankfurt ging mit Aufschlägen von knapp 3,5 Prozent auf 5997 Zählern ins Wochenende. Die europäischen Börsen erholten sich nach dem Auf und Ab der vergangenen Tage. Spaniens Ibex und Italiens FTSE MIB stiegen mehr als vier Prozent. Der französische CAC 40, Portugals PSI 20 sowie der britische FTSE 100 gewannen mehr als drei Prozent. Das Leerverkaufsverbot mehrerer EU-Staaten gab den Börsen Auftrieb.

Auch an der Wall Street ging Hoffen über Bangen. Vor allem Schwergewichte gehörten zu den Gewinnern. Die Boeing verteuerten sich um 4,9 Prozent. IMB-Aktien rückten 0,9 Prozent vor. Gefragt waren auch die Anteilsscheine des Baumaschinenkonzerns Caterpillar. Sie stiegen um mehr als 2,9 Prozent. Der US-Konzern bekräftigte seine Ziele fürs laufende Jahr.

Nach anfänglichen Gewinnen verloren die Aktien von Nvidia wegen einer negativen Einschätzung eines Wertpapierhauses knapp vier Prozent. Die Experten von Evercore Partners zeigten sich enttäuscht über das Wachstum der Tegra-Prozessoren. Ansonsten zahlt sich für Nvidia jedoch die Expansion in den lukrativen Smartphone-Markt aus. Der Gewinn des Chipherstellers sprang im zweiten Quartal in die Höhe.

Die Anteilsscheine der Warenhauskette J.C. Penney verbilligten sich um ein Prozent. Der Konzern hat im vergangenen Quartal seinen Gewinn stabil gehalten. Der Ausblick aufs laufende Quartal enttäuschte jedoch Analysten.

An der New Yorker Wall Street wechselten rund 1,2 Milliarden Aktien den Besitzer. 1945 Werte legten zu, 1091 gaben nach und 82 blieben unverändert. An der Nasdaq schlossen bei Umsätzen von 2,23 Milliarden Aktien 1320 Papiere im Plus, 1239 im Minus und 95 unverändert.

Agentur
Reuters 
Thomson Reuters Deutschland GmbH / Nachrichtenagentur

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  • QE for Dummies (3)

    Zum Wirtschaftswachstum und Anlagemöglichkeiten: Schon mal drüber nachgedacht was passiert wenn die zwei grössten Wirtschaftsblöcke nach langjährigem Nullwachstum plötzlich die Neuverschuldung um mehrere Prozentpunkte drosseln?

    Der double dip ist so gut wie sicher. Der Einbruch ist weniger drastisch als in der Liquiditätskrise als gar nichts mehr ging, wird aber länger dauern, da es sich um strukturelle Kriesen handelt die tiefgreifende Reformen verlangen die nur langsam Wirkung zeigen. Die Beseitung des Liquiditätsengpasses war im Vergleich dazu ein Kinderspiel. Der finanzielle Handlungspielraum der westlichen Welt ist bereits ausgeschöpft.

    Der Stresstest der politischen Handlungsfähigkeit steht bevor und vieles wird vom Ergebnis abhängen. Weiteres QE führt zu noch höherer Inflation in EU und USA, die aber dazu beiträgt die Schuldenlast zu verringern und die weltweiten wirtschaftlichen Verwerfungen schneller zu entzerren, insbesondere wenn China endlich partnerschaftlich mitspielt.

    Die Börsen werden weiter fallen, Bonds bringen negativen Realzins und sind keine Alternative. Gold und Schweizer Fränkli sind stark limitiert und somit hochspekulativ. Haltet Euer Geld zusammen bis Ihr glaubt, dass die Entwicklung eingepreist ist und geht dann in Aktiva die die Inflationsentwicklung mitmachen. Play it safe.

    Die Welt ist nicht in der Schuldenkrise und wird nicht untergehen (des einen Schulden sind des anderen Guthaben). Unsere Produktivität, Technologie, usw. war nie so gut wie heute. Die schnelle Globalisierung hat aber zu Spannungen geführt denen das System nicht gewachsen ist.

    Ach ja, ich bin eingefleischter Kapitalist, hätte aber nichts dagegen die banker und trader vor einer Wand stehen zu sehen. Verbundene Augen sind optional. Wird Zeit für eine weltweite Börsenumsatzsteuer die das Schachern unterbindet und das Anlegen wieder in den Vordergrund stellt.

    Sorry für den langen post. Ab zum Mittagessen (andere Zeitzone).

  • QE for Dummies (2)

    So leid des mir tut, die Reps haben in einem Recht: Handouts an die ärmsten Bevölkerungsschichten kosten zu viel und bringen zu wenig. Das Geld verpufft, was bleibt sind die Schulden. Um wirtschaftlich effizient zu sein, müssen Stimulus-Programme einen Multiplier-Effekt haben. Die Abwrackprämie war genial, 20k Umsatz für 2k Subvention die über die MWst gleich wieder reinkommt. Damit kann man hebeln. Setzt aber eine funktionierende Mittelschicht voraus die ordentlich was zuschiesst solange der Deal gut genug ist. Funktioniert daher auch nur zeitlich begrenzt, ist aber trotzdem der richtige Ansatz.

    Euroland hat ähnliche Probleme. Als Ganzes gesehen stehen wir wirtschaftlich besser da, sind aber politisch noch weniger handlungsfähig als USA. Da es bereits brennt, läuft auch hier QE3, 4 und 5 auf vollen Touren. Dabei wissen wir längst, dass wir in keiner Liquiditätskrise sind. Die betroffenen Länder müssen über stukturelle Reformen zum Haushaltsausgleich finden. Dafür braucht man Zeit, aber die haben wir nicht. Und bisher wollte auch keiner was ändern.

    Wie sagte mir bereits im Jahr 1993 mein Economics 101 teach (101 bezeichnet den niedrigsten Grundkurs!!!) zum Thema feste Wechselkurse in Europa: Es wird nicht funktionieren. Je grösser das Wirtschaftssystem, umso unterschiedlicher sind die regionalen Entwicklungen. Dies führt zu Spannungen, die durch Ausgleichsbewegungen kompensiert werden müssen. In den USA führt das zu regelrechter Völkerwanderung, aber wir sind daran gewöhnt und sprechen alle die gleiche Sprache. It is not gonna work, period. – So einfach ist es. Er konnte sich nur nicht vorstellen, dass irgendjemand freiwillig (???) dauerhaften Transferzahlungen zustimmen würde.

    Ob Ihrs mögt oder nicht, falls der Euro bleibt werden auch Transferzahlungen bleiben.

  • Quantitative Easing for Dummies (1)

    Mit der Erhöhung des Schuldenlimits hat QE3 de facto bereits begonnen. In Schritt 1 legt die US Regierung neu T-Bonds auf und jubelt sie unters Volk. In Schritt 2 kauft die Fed die Wischer auf und recycelt sie auf der Herrentoilette .

    Die Rechnung ist einfach:

    Trotz 11% Neuverschuldung kommt USA nur auf reales Wirtschaftswachstum vom 1% (bei 3,6% Inflation). Die Kürzung der Staatsausgaben um 3% bringt den Schritt in die Rezession. Die Schockwelle an den Aktienmärkten verunsichert und garantiert, dass es soweit kommt. Wartet auf die Zahlen vom 3. und 4. Quartal. Die USA ist quadruple-A (denkt an die Druckerpresse), das aktuelle Problem der Aktienmärkte liegt im Wachstum und den zukünftigen Gewinnen.

    Die Fed hat bereits angekündigt, die Zinsen bis 2013 auf praktisch null zu belassen um die Wirtschaft anzukurbeln. Dies ist KEINE gute Nachricht und wurde in dieser Form wohl noch nie vorausgesagt. Das Tal der Tränen ist möglicherweise einfach soooooo breit.

    Die Schuldenquote liegt bei 100% des PIB und soll nicht weiter wachsen. Bei künftiger Neuverschuldung von 8% und Nullwachstum ergibt sich ein Inflationspotential von 8% pro Jahr (inflation USA 1980: 13.58%). Die von den Reps abgelehnte Steuererhöhung kommt also in Form einer Inflationssteuer, was durchaus gewollt und für die Amis sehr praktisch ist. Der Unterschied liegt darin, wer die Zeche zahlt. Eine Steuererhöhung belastet nur intern, bei Inflationssteuer zahlen auch die ausländischen Gläubiger. Ausserdem kommen die vielen Häuslebauer damit schneller aus der Schuldenfalle.

    Der Dollar wird zumindest gegenüber dem Währungskorb weiter fallen. Die Preisspirale ist aber auch für USA sehr riskant, weshalb wohl nicht alles auf die Inflationskarte gesetzt wird. Solange die Reps einen Steuererhöhung blockieren, wird daher die Schuldenquote weiterhin ansteigen. Auf den grünen Lappen stehts: In God we trust.

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