Wall Street
Dow rutscht unter 12.000 Punkte

Selbst unerwartet gute Konjunkturdaten können den Fall der US-Indizes nicht stoppen. Die Märkte sorgen sich um eine Ausweitung der europäischen Schuldenkrise. Die größten Verluste verbuchen Tech-Werte.
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New YorkNeue Sorgen über italienische Banken haben am Freitag an der Wall Street die Furcht vor einer Eskalation der Schuldenkrise geschürt und die Kurse ins Minus gedrückt. „Die Nachrichten aus Europa bestimmen die Richtung des Marktes“, sagte Joe Saluzzi von Themis Trading. In Mailand gaben die Titel der Banken Intesa Sanpaolo und Unicredit deutlich nach, weil sich bei Anlegern Zweifel an ihrer Kapitalausstattung regten - die Titel waren zeitweise sogar vom Handel ausgesetzt.

Der Dow Jones Industrial setzte seine negative Tendenz der vergangenen beiden Handelstage fort und schloss 0,96 Prozent tiefer bei 11.934,58 Punkten. Damit fiel der Leitindex wieder unter die Marke von 12.000 Punkten zurück und büßte im Wochenvergleich 0,58 Prozent ein. Der breiter gefasste S&P-500-Index verlor am Freitag 1,17 Prozent auf 1268,44 Punkte. Die Technologiewerte an der Nasdaq waren zusätzlich von durchwachsenen Zahlen von Oracle belastet. Der Composite Index verlor 1,26 Prozent auf 2652,89 Punkte und der Auswahlindex Nasdaq 100 sackte um 1,68 Prozent auf 2217,06 Punkte ab. Die Werte sind damit in sieben der letzten acht Wochen rückläufig gewesen.

Vor allem Technologie-Werte standen auf dem Verkaufszettel, nachdem mehrere Unternehmen der Branche unerwartet schlechte Geschäftszahlen präsentiert hatten. Die Verluste hielten sich aber dank guter US-Konjunkturdaten in Grenzen: Die Industrie erhielt im Mai unerwartet viele Aufträge, was die Ängste vor einer Abkühlung der US-Konjunktur dämpfte.

Anleger zogen sich mehrheitlich vor dem Wochenende weiter aus dem Aktienmarkt zurück. In der kommenden Woche steht im griechischen Parlament die wegweisende Abstimmung über die geplanten Sparmaßnahmen auf der Agenda. Zusätzliche Finanzhilfen für Athen hängen davon ab.

Die Anleger äußerten die Furcht, dass das griechische Parlament den mit EU und IWF vereinbarten Sparkurs angesichts des öffentlichen Widerstands ablehnen könnte. Diese Sorgen belasteten auch den Euro. „Wir haben den Euro-Kurs genau im Blick - er gibt uns Aufschluss darüber, was dort drüben passiert“, sagte Saluzzi. „Alle wissen, dass sie Griechenland helfen müssen - aber Griechenland hilft sich selber nicht“, fügte Keith Springer von Springer Financial Advisors hinzu.

Lediglich neue Konjunkturdaten lieferten inmitten dieses Pessimismus einen Lichtblick: Die Bestellungen für langlebige Güter wie Maschinen und Fahrzeuge stiegen in den USA um 1,9 Prozent im Vergleich zum Vormonat. Analysten hatten lediglich mit einem Plus von 1,5 Prozent gerechnet.

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Oracle belastet Tech-Sektor

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  • Die Schuldenproblematik ist aber nicht nur ein europäisches Problem,
    die Problematik der Ungleichverteilung und dem daraus resultierendem Zwang zur Kreditfinanzierung ist ein globales, systemimmanentes Phänomen.

    was früher Lohnkosten waren, sind heute Kapitalkosten;
    was früher für Millionen die Nachfrage finanzierte
    erhöht heute die Sparquote einiger weniger...
    ... und muß erst umständlich über diverse Finanzprodukte seinen Weg als kreditfinanzierte Nachfrage in den Wirtschaftskreislauf finden.

    das Resultat ist bekannt: Überschuldung.
    Über die Ursache wird gerne geschwiegen: die Ungleichverteilung.

  • die US-Konjunktur hängt an der US-Staatsverschuldung wie der Junkie an der Nadel - wenn die Reps aus wahltaktischen Gründen nun zu Austeritätsprogrammen zwingen (weitere Schuldenaufnahme oder eine Besteuerung der Reichen werden von den Reps ja abgelehnt),
    dann geht es mit der US-Konjunktur erstmal abwärts.

    ... um Dolchstosslegenden (wäre nur gleich gespart worden...) vorzubeugen, muß es vielleicht diese harte Tour sein.

    Eine nachhaltige, positive Entwicklung sehe ich jedenfalls weder jenseits noch diesseits des Atlantik.
    Hüben wie drüben: die Gesellschaft zerbricht; die Mittelschicht wird abgebaut; tiefe Gräben fressen sich ins Land.

  • Die schuldenkrise wird sowieso eskalieren, die frage ist nur welches Land als nächstes dran ist und wann. Die Iren kommen ohne Schuldenerlass nicht hoch, die italiener geraten in die Schußlinie.

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