Wall Street
Dreifacher Rekord ohne Sektkorkenknallen

Dow Jones, S&P 500 und Nasdaq schließen am selben Tag auf Rekordniveau. Das ist zuletzt am 31. Dezember 1999 passiert. Und wahrscheinlich war selten solch ein krachender Börsenrekord von so schlechter Stimmung begleitet.

New YorkDer Dow Jones erreichte 18.613,52 Punkte. Der S&P 500 beendete den Handel mit 2.185,79 Punkten. Der Nasdaq Composite schloss mit 5.228,40 Punkten. Damit haben die drei wichtigsten Börsenbarometer den Handel leicht über ihren bisherigen Höchstständen und den Vortageswerten beendet.

Dass sie es am selben Tag schaffen, geschah zuletzt zum Ende des Jahres 1999. Und trotzdem kommt an der Wall Street so recht keine Feierlaune auf.

Der Dow umfasst die wichtigsten US-Aktien. Die Art seiner Zusammensetzung ist allerdings umstritten, sie ist mehr der Tradition als klaren Bedingungen verpflichtet. Der S&P 500, der mit 500 Aktien den Markt in seiner Breite abbildet, ist daher für die Profis der wichtigste Aktienindex der USA und damit wohl auch der Welt.

Beide Indizes bewegen sich aber mit ähnlichen Mustern. Sie hatten im Jahr 2007, vor der Finanzkrise, Höchststände erreichten, stürzten in der Krise ab, haben aber 2013 den alten Rekord durchbrochen und sich seitdem, wenn auch mit einigen Rückschlägen, weiter aufwärts bewegt.

Die Nasdaq wiederum ist eine eigene Börse, an der Tech-Werte gehandelt werden. Sie spiegelt daher die Branche mit der dramatischen Entwicklung wider. Zur Jahrtausendwende hatten die Kurse dort ein ähnliches Niveau wie heute erreicht, doch mit dem Platzen der Tech-Blase stürzten sie bis auf einen Tiefpunkt von rund 1200 Punkten ab. Mitte 2015 hatte sie dann aber diesen alten Rekord gebrochen, und jetzt ist der Index noch höher hinaus gewachsen.

Die heutige Börsenhausse startete schon im Jahr 2009 und ist inzwischen eine der längsten der Geschichte. Investoren sprechen manchmal auch von auch von der „meistgehassten Hausse“ der Geschichte. Denn sie war immer wieder von Skepsis begleitet. In den vergangenen Jahren war sie etwa vor allem von den niedrigen Zinsen der US-Notenbank (Fed) getragen.

Die Angst vor dem Absturz

Dazu kam, dass viele Unternehmen eigene Aktien zurückgekauft haben, statt das Geld in Form von Dividenden auszuschütten oder in Sachinvestitionen zu stecken. Beides gibt den Anlegern den Eindruck, dass die Börse künstlich aufgeblasen ist und eher von Tricks als von echten Gewinnen lebt.

Weil die Fed sich so schwer tut, die Zinsen zu erhöhen, und weil auch Europa auf der Suche nach Rendite Geld in die USA fließen lässt, hält die Hausse aber immer weiter an. Das gefürchtete und immer wieder beschworene Platzen der Blase findet nicht statt. Wer auf Nummer sicher geht, wird mit Minizinsen abgespeist und für seine Vorsicht nicht belohnt.

Die Börse steckt in der eigentümlichen Situation, dass schwaches Wachstum zu niedrigen Zinsen und damit zu hohen Aktien-Kursen führt – was der Intuition zuwiderläuft. So reist beim Höhenflug der Aktien nun stets die Angst mit, aber auch das ist eigentlich ein gutes Zeichen. Denn der Absturz kommt meist dann, wenn ihn niemand fürchtet. Das ist der Unterschied zum Ende des Jahres 1999: Damals waren alle euphorisch.

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