Wall Street
Europa beschert US-Börsen deutliche Verluste

Schlechte Nachrichten aus Europa belasten heute die US-Börsen. Mit Enttäuschung reagierte die Wall Street auf das Treffen von Merkel und Sarkozy. Einziger Lichtblick heute: Fitch bestätigt AAA-Rating der USA.
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New YorkDas schwache Wachstum in Deutschland und die Schuldenkrise in der Euro-Zone bereiten den Börsianern in den USA erneut große Sorgen. Die Wall Street verbuchte am Dienstag deutliche Verluste, weil die deutsche Wirtschaft im Frühjahr nur noch um 0,1 Prozent zulegte und Bundeskanzlerin Angela Merkel und Frankreichs Präsident Nicolas Sarkozy den Verkauf von Euro-Bonds erneut ablehnten.

Stattdessen wollen sie die Schuldenkrise mit einer engeren Verzahnung der Wirtschaftspolitik sowie nationalen Schuldenbremsen in den Griff bekommen. Investoren äußerten sich skeptisch zu den Erfolgsaussichten dieses Vorgehens. „Am Markt gab es Hoffnungen, dass sie sich auf Euro-Bonds zubewegen würden“, sagte Phil Flynn von PFG Best in Chicago. „Jetzt bewegen wir uns auf mehr Unsicherheit zu.“

Zudem nährte das schwache Wachstum in Deutschland Befürchtungen, dass die Weltwirtschaft erneut in eine Rezession abgleiten könnte. „Die Investoren setzen auf ein starkes Deutschland, dass Europa aus seinem finanziellen Chaos herausführen kann“, erklärte Nicholas Colas von der ConvergEx Group in New York.

Für etwas Unterstützung sorgte immerhin die Rating-Agentur Fitch, die den USA im Unterschied zu ihrer Rivalin Standard & Poor's eine Top-Bonität bescheinigte. Zudem stieg die US-Industrieproduktion im Juli so stark wie seit einem halben Jahr nicht mehr. Der Dow-Jones-Index der Standardwerte schloss 0,7 Prozent schwächer auf 11.406 Punkten, nachdem er im Handelsverlauf zwischen 11.292 und 11.488 Zählern geschwankt hatte. Der breiter gefasste S&P-500 gab 1,0 Prozent auf 1192 Zähler nach. Der Index der Technologiebörse Nasdaq büßte 1,2 Prozent auf 2523 Punkte ein. In Frankfurt ging der Dax mit einem Abschlag von 0,5 Prozent bei 5994 Punkten aus dem Handel.

Von den Sorgen über die Schuldenkrise waren wie üblich am härtesten die Finanzwerte betroffen. Der S&P-Index für diese Branche fiel um knapp zwei Prozent. Gute Geschäftszahlen aus dem Einzelhandel verschafften einigen Werten aus dieser Branche trotz des schwachen Gesamtmarktes deutliche Kursgewinne.

Vor Börseneröffnung hatte die Baumarktkette Home Depot Inc besser als erwartete Quartalsergebnisse veröffentlicht und ihre Gewinnerwartungen angehoben. Die Aktie legte um mehr als fünf Prozent zu. Der US-Einzelhändler Wal-Mart steigerte im zweiten Quartal Gewinn und Umsatz und hob ebenfalls seine Gewinnprognose für das Gesamtjahr an. Die Anteilsscheine des Unternehmens stiegen deshalb um knapp vier Prozent.

An der New York Stock Exchange wechselten rund 1,13 Milliarden Aktien den Besitzer. 768 Werte legten zu, 2263 gaben nach und 73 blieben unverändert. An der Nasdaq schlossen bei Umsätzen von 2,07 Milliarden Aktien 556 im Plus, 1984 im Minus und 77 unverändert.

Das Streben der Anleger nach sicheren Anlagen hat am Dienstag den US-Staatsanleihen kräftige Gewinne beschert. Die Investoren zeigten sich enttäuscht über den Ausgang des Treffens zwischen Bundeskanzlerin Angela Merkel und Frankreichs Präsident Nicolas Sarkozy, da sie eine Emission von Euro-Bonds und eine Aufstockung des Euro-Rettungsschirms ablehnten. Dies bedeute weitere Unsicherheit für die Finanzmärkte und belaste die Aktienkurse, erklärten Analysten.

Das zehnjährige Papier kletterte daher um 22/32 auf 99-2/32 und rentierte auf diesem Niveau mit 2,23 Prozent. Die dreißigjährige Anleihe gewann sogar 1-27/32 auf 101-14/32 und warf dabei eine Rendite von 3,67 Prozent ab.

Agentur
Reuters 
Thomson Reuters Deutschland GmbH / Nachrichtenagentur

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