Wall Street
Konjunkturdaten verursachen Dreimonatstief

Die Erholungsphase ist vorbei: Steigende Verbraucherpreise und schlechte Industriedaten drücken bis zum Schluss die Stimmung an den US-Börsen. Moody's sorgt auch bei amerikanischen Banken für fallende Kurse.
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Düsseldorf/New YorkEine ganze Reihe negativer Konjunkturnachrichten hat den Dow-Jones-Index am Mittwoch auf den tiefsten Stand seit fast drei Monaten gedrückt. Händler erklärten die Verluste an der Wall Street sowohl mit der weiterhin schwelenden Schuldenkrise in Europa als auch mit vielen enttäuschenden Wirtschaftsmeldungen aus den USA.

Der Leitindex Dow Jones Industrial fiel um 1,48 Prozent auf 11 897,27 Punkte und stoppte damit seinen jüngsten Erholungsversuch jäh. Am Dienstag hatte er noch um 1,03 Prozent zugelegt und mit dem Sprung über die psychologisch wichtige Marke von 12 000 Punkten Hoffnungen auf ein Ende der sechswöchigen Verlustserie genährt.

Der breit gefasste S&P-500-Index sank zur Wochenmitte um 1,74 Prozent auf 1265,42 Punkte. An der Technologiebörse Nasdaq ging es für den Composite Index um 1,76 Prozent auf 2631,46 Punkte nach unten und der Nasdaq 100 verlor 1,84 Prozent auf 2209,01 Punkte.

Pessimistische Konjunkturdaten

Die Verbraucherpreise in USA stiegen im Mai so stark wie seit über zweieinhalb Jahren nicht mehr. Die Lebenshaltungskosten erhöhten sich um 3,6 Prozent im Vergleich zum Vorjahresmonat. Das ist der stärkste Anstieg seit Oktober 2008. Analysten hatten lediglich mit einer Inflationsrate von 3,4 Prozent gerechnet. Im Vergleich zum Vormonat legten die Preise um 0,2 Prozent zu.
Die Industrie im US-Bundesstaat New York verlor im Juni überraschend stark an Fahrt. Der Index für das Verarbeitende Gewerbe brach auf minus 7,79 Punkte von plus 11,88 Zählern im Mai ein. Das Barometer rutschte damit erstmals seit November 2010 in den negativen Bereich. Analysten hatten dagegen mit einem Anstieg auf plus 12,50 Punkte gerechnet. Die Daten gelten als Frühindikator für die gesamte Industrie in den USA.

Moody's belastet US-Banken
Die Schuldenkrise in Griechenland setzte der Wall Street erneut zu. Ministerpräsident Giorgos Papandreou kündigte an, am Donnerstag sein Kabinett umzubilden. Die konservative Opposition beharrt darauf, über das mit der EU und dem Internationalen Währungsfonds vereinbarte Hilfspaket neu zu verhandeln.

Zudem drohte die Ratingagentur Moody's mitten in der Hängepartie über eine Beteiligung der privaten Gläubiger an weiteren Milliardenhilfen für Griechenland drei französischen Großbanken mit schlechteren Bonitätsnoten. Auch US-Banken sind in Griechenland-Bonds engagiert. Anleger verkauften ihre Bankenpapiere. Der S&P-Index für Finanztitel gab 2,2 Prozent nach. Die Aktien der Citigroup büßten zwei Prozent ein und die der Bank of America 2,8 Prozent. Die Titel von Wells Fargo verloren 1,7 Prozent.

Online-Radio als Börsengewinner

Ein Hinweis auf eine Konjunkturabkühlung gab auch der Autobauer Ford. Das Unternehmen erwartet wegen steigender Rohstoffkosten im Jahresverlauf einen leichten Gewinnrückgang. Die Aktie gab um 2,1 Prozent nach.

Ebenfalls deutlich im Minus notierten die Aktien von Pfizer, die um 1,85 Prozent auf 20,20 Dollar sanken. In den USA und in Europa ist ein neuer Streit um möglicherweise tödliche Risiken des Atemsprays Spiriva aus dem Hause des Pharmakonzerns entbrannt.

Zu den wenigen Gewinnern gehörte der Börsendebütant Pandora. Am ersten Handelstag schlossen die Anteilsscheine des Online-Radios mit einem Preis von 17,42 Dollar und damit einem Plus von 8,9 Prozent. Der Ausgabepreis hatte bei 16 Dollar gelegen.

An der New York Stock Exchange wechselten rund 1,07 Milliarden Aktien den Besitzer. 478 Werte legten zu, 2556 gaben nach und 87 blieben unverändert. An der Nasdaq schlossen bei Umsätzen von 1,99 Milliarden Aktien 542 im Plus, 2064 im Minus und 95 unverändert.

Agentur
Reuters 
Thomson Reuters Deutschland GmbH / Nachrichtenagentur
dpa 
dpa Deutsche Presse-Agentur GmbH / Nachrichtenagentur

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