Wallstreet-Vorschau
Börse nach Facebook-Desaster im Abwärtstrend

Der Börsengang von Facebook enttäuscht, die Schuldenkrise schwelt weiter, die US-Konjunktur schwächelt: An der Wall Street suchen die Börsianer händeringend nach Anlagemöglichkeiten. Aber keiner will ein Risiko eingehen.
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New YorkNach der schwächsten Handelswoche dieses Jahres und dem enttäuschenden Debüt von Facebook muss die Wall Street sich erst einmal erholen. Die Hoffnung auf eine technische Kurserholung ist unter Börsenexperten relativ schwach. „Der Markt ist extrem überverkauft“, sagt Larry McMillan, Präsident des Options-Analysehauses McMillan Analysis. „Trotzdem stehen alle großen Indizes weiter auf Verkaufen.“ Er geht zwar weiterhin davon aus, dass es auf kurze Sicht zu einer kräftigen Kursrally kommt. Aber diese werde wohl nur kurzlebig sein, der allgemeine Trend weise nach unten.

Haupt-Stimmungstöter ist unverändert die europäische Schuldenkrise. Börsianer fürchten eine Eskalation durch einen Austritt Griechenlands aus der Euro-Zone. Außerdem bereitet ihnen der spanische Bankensektor große Sorgen. Mit dem Thema Schuldenkrise beschäftigten sich am Wochenende die Staats- und Regierungschefs der acht etablierten Wirtschaftsmächte auf dem G8-Gipfel. Bundeskanzlerin Angela Merkel sah sich auf dem Treffen mit etlichen Forderungen konfrontiert, ihren Sparkurs durch kräftige Wachstumsimpulse zu ergänzen.

Da sich in den USA die Berichtssaison dem Ende zuneigt, fehlen an der Börse die Impulse, um die Probleme Europas in den Hintergrund zu drängen. Auch jüngste US-Wirtschaftsdaten lieferten eher den Konjunkturpessimisten neue Nahrung. In der neuen Woche stehen am Dienstag und Mittwoch Zahlen zum Immobilienmarkt an. Am Donnerstag folgen die Statistiken zu den wöchentlichen Erstanträgen auf Arbeitslosenhilfe sowie den langlebigen Gütern, am Freitag eine Erhebung zum Konsumklima.

Obwohl rund um den Globus viele Investoren auf ihrem Geld sitzen und händeringend nach Anlagemöglichkeiten suchen, trauen sich nur wenige aus der Deckung. „Wir hörten immer wieder den Refrain, dass die Welt mit Geld überflutet ist und die Märkte höher gehen müssen. Dann hieß es plötzlich, dass keiner ein Risiko eingehen will“, sagt Derivatespezialist Peter Cecchini von Cantor Fitzgerald & Co. „Alles in einer Woche.“ Der S&P-500-Index verlor vergangene Woche 4,3 Prozent, der stärkste Rückgang im laufenden Jahr. Im Mai ging es bislang um 7,3 Prozent nach unten.

Das seit langem herbeigefieberte Glanzlicht sollte die Erstemission (IPO) von Facebook werden, eine der größten in den USA aller Zeiten. Doch der Marktstart wurde am Freitag zum Flop. Die Aktien des weltgrößten sozialen Netzwerkes im Internet schlossen nur 23 Cent über dem Ausgabepreis von 38 Dollar. Technikpannen bei den Orders von Kleinanlegern schreckten manche Investoren ab. Doch das muss nicht heißen, dass Facebook auf längere Sicht keine Erfolgsgeschichte am Aktienmarkt wird. Investmentstratege Randy Warren von Warren Financial Service verwies darauf, dass das Unternehmen in der jungen Branche der sozialen Netzwerke bisher beste Karten hat. „Ja, der IPO war enttäuschend, aber Facebook ist hier klar der Gewinner, und andere sind es nicht“, führt Warren aus.

Agentur
Reuters 
Thomson Reuters Deutschland GmbH / Nachrichtenagentur

Kommentare zu " Wallstreet-Vorschau: Börse nach Facebook-Desaster im Abwärtstrend"

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  • Facebook ist Müll, zeigt aber, das "Es" sogar ein stupides Multiplikatorverfahren kennt: KGV - kann gerne verschwinden...

  • Nach Verkündung der Quartalzahlen von HP - glaube am 23. Mai nach Börsenschluss gibts jedenfalls mal wieder ein Blutbad an der Wallstreet. Der Chart erinnert ja schon sehr an das, was im August 2011 bei HP abging. Minus 25 % an einem Tag dürfte nicht überaschen, wenn Griechenlandpanik dazu kommt eher - 40%! Facebook wird sicher auch weiter abgrützen, denn der große Reibach ist gemacht. Wenn man sich HP anschaut ist ein KGV von 5 für einen Tech-Wert immer noch zu teuer, also für Facebook vielleicht ein KGV bei 7 würde Sinn machen, wenn die Blase geplatzt ist. Aktuell sind wir ja bei einem KGV von gut 100, was ein Wachstum über Jahrzehnte impliziert, doch 900 Millionen sind ja schon registriert, und das sind schon sehr viele für eine Plattform. Also sollten neue Geschäftsfelder erobert werden, denn ein Börsendebüt mit ner Milliardenklage ist wirklich kein gutes Omen.

  • Naja, er könnte noch als größter Voyeur aller Zeiten in die Netz-Geschichte eingehen.
    Eine Sammelklage in ungefähr der Höhe des Börsengangs wurden von tausenden Nutzern wegen Verletzung der Privatspähre eingereicht.

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