Weltgrößter Aktienmarkt in New York muss Übernahmeplan vor Gericht verteidigen
Amerikanische Börsenfusion stößt auf Widerstand

Die New Yorker Börse stößt bei der Übernahme der elektronischen Handelsplattform Archipelaog auf Widerstand aus den eigenen Reihen. Eine Klage ehemaliger Makler zwingt den weltgrößten Aktienmarkt nun, seine Fusionspläne vor Gericht zu verteidigen.

tmo/HB NEW YORK. Das Verfassungsgericht des US-Bundesstaats New York hat eine Klage der ehemaligen Börsenhändler William Higgins und William Caldwell zugelassen. Anträge der New York Stock Exchange (Nyse) und ihrer Beraterbank Goldman Sachs auf Niederschlagung des Verfahrens wies der zuständige Richter Charles Ramos ab. Damit geht der Fall vor eine Laienjury.

Die beiden einstigen Nyse-Händler kritisieren, das geplante Umtauschverhältnis der Fusion benachteilige Nyse-Eigner. Sie protestieren auch gegen vermeintliche Interessenkonflikte von Nyse-Chef John Thain und Goldman Sachs. Thain arbeitete als Vizechef von Goldman Sachs, bevor er vor 20 Monaten an die Spitze der New Yorker Börse kam. Goldman beriet bei der Fusion sowohl die Nyse als auch Archipelago. Die Bank ist außerdem an Archipelago beteiligt und zählt über eine Tochterfirma zu den Nyse-Eignern.

„Letztlich ist es noch zu früh, um festzustellen, ob die Klage begründet ist“, schreibt Richter Charles Ramos in seinem 53-seitigen Urteil. Aber: „Die Kläger haben Zweifel an der Unabhängigkeit des Nyse-Aufsichtsrats geweckt.“ Das reiche, um das Verfahren fortzuführen.

Die Klage gefährdet die Fusionsstrategie von Nyse-Chef Thain, der damit mehrere Probleme lösen will. So erhält die Nyse mit Archipelago Zugriff auf ein erprobtes elektronisches Handelssystem. Bislang setzt die Nyse als eine der letzten Börsen weltweit auf den antiquierten Parketthandel. Obwohl die Nyse gut 80 Prozent des Aktienhandels mit den dort notierten US-Konzernen abwickelt, verliert sie seit Jahren Marktanteile an Online-Rivalen. Zudem übernimmt die Nyse die Börsennotierung von Archipelago und wird so zur Aktiengesellschaft. Bislang agiert die Nyse als privates, nicht gewinnorientiertes Unternehmen, das den Mitgliedern gehört.

Die Kläger wollen einen besseren Übernahmepreis für die Nyse-Eigner erkämpfen. Die Zulassung der Klage „gibt uns grünes Licht, um schnell und aggressiv bessere Bedingungen zu erzwingen“, sagte Klägeranwalt Stephen Lowey von der Kanzlei Lowey Dannenberg, Bemporad & Selinger.

Nachverhandlungen dürften jedoch schwierig werden. Denn die Archipelago-Eigner haben erklärt, dass sie einen niedrigen Anteil nicht akzeptieren. Platzt die Fusion, muss Thain einen neuen Zukunftsplan entwickeln. Viele Nyse-Händler teilen offenbar nicht die Kritik der Kläger Higgins und Caldwell. „Auf dem Parkett sind die Leute sehr positiv für die Fusion gestimmt“, sagte Ted Weisberg, Gründerchef der Nyse-Maklerfirma Seaport Securities, dem Handelsblatt. Ein ehemaliger Händler, Edward Reiss, stieß aus Ärger über die Klage sogar per Anrufbeantworter eine Todesdrohung für Kläger Higgins aus.

Der Preis für eine Mitgliedschaft in der New Yorker Börse stieg seit Ankündigung der Archipelago-Fusion um mehr als das Doppelte auf zuletzt 2,9 Mill. Dollar. Ein Nyse-Sprecher lehnte einen Kommentar ab. Goldman-Sprecher Lucas van Praag sagte: „Wir nehmen grundsätzlich nicht zu laufenden Verfahren Stellung.“

Selbst Kritiker bestreiten die Logik der Fusion nicht. Sie stören sich jedoch an der Machtverteilung unter den ungleichen Partnern. Laut dem am 20. April verkündeten Fusionsplan erhalten die Eigner der um ein Vielfaches größeren New Yorker Börse 70 Prozent des fusionierten Unternehmens, während die Aktionäre der nur neun Jahre alten Online-Börse Archipelago 30 Prozent kontrollieren. Laut einer von Mitkläger Higgins beauftragten Studie ist die Nyse mindestens 5,9 Mrd. Dollar wert, und sie sollte 88 Prozent des fusionierten Unternehmens erhalten.

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