Wochenausblick
Aktienmärkte im Bann der Libyen-Krise

Die Sorge um Libyen hat den Ölpreis auf Rekordstände getrieben und weltweit die Aktienmärkte belastet. Gleichzeitig steigt die Inflationsgefahr. Anleger sind gespannt, wie die EZB am Donnerstag darauf reagiert. Bayer und Adidas legen Zahlen vor.
  • 1

FrankfurtFirmenbilanzen, Konjunkturdaten, EZB-Ratssitzung – all die üblichen Termine dürften für die Aktienmärkte in der kommenden Woche angesichts des rasant steigenden Ölpreises in den Hintergrund treten. Die Furcht vor einem neuen Preis-Schock und einer daraus folgenden Abkühlung der Weltwirtschaft hat bereits in der abgelaufenen Woche zu heftigen Kursverwerfungen geführt. So verlor der Dax bis Freitagmittag auf Wochensicht 3,5 Prozent.

„Die Bewertungen der Aktien erscheinen zwar nach wie moderat“, urteilt Kapitalmarktanalyst Dennis Nacken von Allianz Global Investors. Auch Konjunkturdaten und die Bilanzen der Unternehmen hätten zuletzt größtenteils positiv überrascht. „Diese Aspekte scheinen derzeit aber kurzfristig von den politischen Risiken verdrängt zu werden.“ Die Kämpfe zwischen Anhängern und Gegnern von Machthaber Muammar Gaddafi in Libyen hielten die Aktienmärkte zuletzt deshalb in Atem, weil dadurch Lieferengpässe bei Erdöl befürchtet wurden. Der Preis für die Öl-Sorte Brent verteuerte sich in der abgelaufenen Woche fast auf 120 Dollar pro Fass, dem höchsten Stand seit September 2008. Rund um den Globus rutschten die Aktienkurse daraufhin ab.

Angesichts von zuletzt starken Wirtschaftsdaten in Deutschland halten die Analysten der Landesbank Berlin die Furcht vor einer Eintrübung der Konjunktur aktuell aber noch für übertrieben. Gleichwohl sei Wachsamkeit geboten.

EZB-Zinsentscheid am Donnerstag
Seinen Schatten wirft der hohe Ölpreis auch auf die EZB-Sitzung am Donnerstag. Durch die höheren Energiekosten wird mit einer weiter steigenden Inflation gerechnet – viele Analysten erwarten deshalb, dass die Notenbank mit ihrer Entscheidung für eine Zinsanhebung nicht mehr allzu lange warten wird. Die meisten Experten rechnen mit einem ersten Zinsschritt im Herbst. „Es ist nachvollziehbar, dass das Thema Inflation auf der Agenda der EZB steht, denn es würde ihre Glaubwürdigkeit bei der Inflationsbekämpfung stärken und signalisieren, dass sie Gewehr bei Fuß steht“, sagte Allianz-Fachmann Nacken. Den Markt würde es zwar nicht unvorbereitet treffen, wenn die Notenbank den Ton verschärfe. Kurzfristige Kursschwankungen seien aber möglich.

US-Arbeitsmarktdaten am Freitag
Daneben hoffen die Anleger darauf, dass die bevorstehenden Konjunkturdaten auf einen anhaltenden Aufwärtstrend der US-Wirtschaft hinweisen. Einer der wichtigsten Termine des Monats steht am Freitag an, wenn in den USA Arbeitsmarktdaten für Februar vorgelegt werden. „Wir erwarten, dass 150.000 neue Stellen in den USA geschaffen wurden“, schreibt Postbank-Analyst Thilo Heidrich. Die Arbeitslosenquote, die im Dezember und Januar wegen des schlechten Wetters verzerrt wurde, dürfte dagegen leicht von neun auf 9,1 Prozent gestiegen sein. Am Montag stehen zudem Daten zu den privaten Konsumausgaben in den USA an, am Dienstag folgt der ISM-Index für das Verarbeitende Gewerbe.

Bayer und Adidas legen Zahlen vor

Die Bilanzsaison, in der bereits zahlreiche Dax-Schwergewichte ihre Zahlen vorgelegt haben, geht mit den Veröffentlichung der Ergebnisse von Bayer (Montag) und Adidas (Mittwoch) in eine neue Runde. Die Senderkette ProSiebenSat.1, deren Aktien im MDax gelistet sind, äußert sich am Donnerstag zur Bilanz 2010. Am selben Tag überprüft die Deutsche Börse routinemäßig ihre Aktienindizes. Analysten räumen dem Motorenhersteller Deutz die größten Chancen ein, in den MDax aufzusteigen. Verabschieden müsste sich nach Einschätzung der Experten der Agrarhändler BayWa.
Aufschlüsse über Entwicklungen und Innovationen in der Pkw-Branche erhoffen sich Investoren vom Autosalon in Genf, der in der neuen Woche seine Tore öffnet.

Agentur
Reuters 
Thomson Reuters Deutschland GmbH / Nachrichtenagentur

Kommentare zu " Wochenausblick: Aktienmärkte im Bann der Libyen-Krise"

Alle Kommentare

Dieser Beitrag kann nicht mehr kommentiert werden. Sie können wochentags von 8 bis 18 Uhr kommentieren, wenn Sie angemeldeter Handelsblatt-Online-Leser sind. Die Inhalte sind bis zu sieben Tage nach Erscheinen kommentierbar.

  • Wieder mal dumme Propaganda.
    Libyen treibt weder den Ölpreis hoch noch hat es starken Einfluss auf den Aktienmarkt !
    Das Fiat-Money und die Investoren treiben den Ölpreis hoch.
    Die Zockerbande auf den Aktienmärkten sind unberechenbar. Ob gute oder schlechte Nachrichten - ist doch fast egal.
    Ist eh alles manipuliert seit vielen Jahren.....

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%