Wochenvorschau
US-Börse sucht nach neuer Orientierung

Monatelang waren die Schuldenprobleme der Europäer das alles beherrschende Thema an der Wall Street. Jetzt werden nach dem Durchbruch in der Euro-Krise die Karten neu gemischt - nur die Ruhe vor dem nächsten Sturm?
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New YorkDurch die weitreichenden Beschlüsse des Euro-Gipfels vergangene Woche dürfte an dieser Front nun zumindest vorerst wieder einigermaßen Ruhe herrschen. Die Investoren werden in der neuen Woche nach frischen Impulsen Ausschau halten, wohin die Reise gehen soll. Eine klare Richtung ist nicht abzusehen, da die Interessen auseinanderfallen: Die einen dürften nach aufreibenden Wochen auf eine Atempause setzen und Gewinne mitnehmen, nachdem der marktbreite S&P-500-Index im Oktober bereits mehr als 13 Prozent zugelegt hat und damit auf seinen besten Monat seit fast 40 Jahren zusteuert. Die anderen jedoch, die durch die jüngste Kursrally auf dem falschen Fuß erwischt wurden, könnten sich genötigt sehen, nun erst recht in den Markt einzusteigen, um ihre Rückstände aufzuholen.

„Für den Moment ist das große Risiko in Europa weg“, lautet das Zwischenfazit von Marktstratege Nicholas Colas von ConvergEx Group. Das Umfeld sei nun deutlich besser einzuschätzen: „Es gibt positives Potenzial bei den Aktienbewertungen und keinen Rückfall in die Rezession.“ Ermutigende Wirtschaftsdaten haben zuletzt den Konjunkturpessimisten etwas Wind aus den Segeln genommen. Im dritten Quartal wuchs das US-Bruttoinlandsprodukt stärker als in den beiden vorangegangenen Vierteljahren. Einen weiteren wichtigen Gesundheitscheck für die weltgrößte Volkswirtschaft liefert am Freitag der Jobbericht der Regierung für Oktober. Der Arbeitsmarkt gilt derzeit als die große Achillesferse der USA.

Manche Börsianer erwarten daher, dass die Notenbank Fed eine weitere Runde milliardenschwerer Konjunkturspritzen ankündigen wird. Neue Anleihenkäufe der Fed könnten den Aktienmärkten Auftrieb geben, sagt Robert Francello, Chefhändler beim Hedgefonds Apex Capital. Wahrscheinlich würden vor allem Rohstoffwerte davon profitieren, erwartet er. Hoffnung machen auch die Ergebnisse der laufenden Berichtssaison. Rund sieben von zehn Unternehmen, die ihre Quartalszahlen vorgelegt haben, konnten die Markterwartungen übertreffen. In der neuen Woche stehen unter anderem noch die Zwischenbilanzen der S&P-500-Konzerne Loews , Pfizer und Kellog an.

Das Zünglein an der Waage könnten in den kommenden Monaten die Hedgefonds sein. Sie haben nach Daten der Marktforscher von Hedge Fund Research in diesem Jahr im Schnitt bislang Verluste von acht Prozent eingefahren und wollen deshalb weitere Kursgewinne an den Börsen nicht verpassen. Diese Aufholjagd könnte zum Zünder für eine Jahresendrally werden. Dass es dazu kommen wird, sagen etwa die Analysten von JP Morgan voraus. Sie sehen ein „star kes Fundament“ für eine Börsen-Hausse in den verbleibenden Wochen 2011.

Agentur
Reuters 
Thomson Reuters Deutschland GmbH / Nachrichtenagentur

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  • Diese Performace ist im Interesse der Banken und von diesen auch initiiert, die damit ihre Eigenkapitalquote erhöhen können, da die Assets dabei anerkannt werden sollen.

  • Stell dich nie gegen einen fahrenden Zug. The trend is your friend seit 3 1/2 Wochen / Anfang Oktober. Ich bin mal gespannt, wann die dämlichen Fonds-Manager Knalltüten nach dem Short-Squeeze Performance-Druck mit der Benchmark für die Xmas-Rally bekommen.

    Aber das sind ja auch solche " Genies ", die im Frühjahr bis zum Sommer 2009 den Markt von 6500 bis 9000 - respektive im DAX von 3600 bis 5000 - erstmal " analysieren " mussten, um dann einzusteigen....

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