Zeitweise höchstes Niveau seit Juli 2002
Dax gibt Gewinne wieder ab

Im Sog einer schwächeren Wall Street haben die deutschen Aktien einer Teil der Gewinne der vergangenen Tage wieder eingebüßt. Der Markt ist zwischen Optimisten und Pessimisten hin- und hergerissen.

HB FRANKFURT. Der Deutsche Aktienindex (Dax) schloss mit 4353,15 Punkten 0,4 Prozent im Minus. Größter Dax-Verlierer waren die Aktien der HVB, was Händler vor allem auf Unsicherheit vor der Bilanzvorlage in der nächsten Woche zurückführten. Zu den Gewinnern zählten dagegen die Aktien der Deutschen Börse, deren Rivale im Übernahmekampf um die Londoner Börse (LSE), die Euronext, ein eigenes Angebot vorlegte, dabei aber keine Preisvorstellung nannte.

Der Dax änderte im Handelsverlauf mehrfach seine Richtung. „Wir sind zwischen Optimisten und Pessimisten hin- und hergerissen“, sagte ein Händler. Nach der überraschenden Entlassung der Hewlett-Packard-Chefin (HP) Carly Fiorina trauten einige vor allem dem Dow-Jones-Index, in dem die HP-Aktien notiert sind, hohe Gewinne zu. Mit 4387 Punkten notierte der Dax zeitweise auf dem höchsten Niveau seit Juli 2002. Im Verlauf überwog an der Weltleitbörse in New York aber doch die Enttäuschung über den Zwischenbericht des weltgrößten Netzwerkausrüsters Cisco das Kursplus bei HP von in der Spitze zehn Prozent. Cisco hatte im Berichtsquartal die Umsatz-Prognosen verfehlt und für das laufende Quartal gewarnt, die Umsatz-Erwartungen nicht erfüllen zu können. „Viele zweifeln auch hier, dass die Unternehmen die hohen Ziele, die sie sich selbst gesetzt haben, erreichen können“, sagte ein Händler.

Schering kann hohe Erwartungen nicht ganz erfüllen

Schwächer als der Gesamtmarkt tendierten die Aktien der deutschen Banken, eine der wenigen Konstanten an diesem Handelstag. Unter Druck gerieten vor allem die Titel der HVB, die angesichts von Gerüchten über eine angeblich anstehende Kapitalerhöhung 3,3 Prozent auf 16,74 Euro an Wert verloren. Aussagen aus Unternehmenskreisen, wonach das Institut trotz der zuletzt deutlich geschwächten Kapitalausstattung keine Kapitalerhöhung plant, halfen der Aktie nur wenig. Händler erklärten, vor der für den 24. Februar anstehenden Bilanzpressekonferenz verabschiedeten sich vorsichtige Investoren aus der Aktie.

Mehr als der Dax verloren zudem Schering, die Händlern zufolge unter einem zurückhaltenden Ausblick und einer mit Enttäuschung aufgenommenen Dividendenanhebung litten. Davon profitierten wiederum Altana, die mit einem Plus von 2,4 Prozent die Dax-Gewinnerliste anführten. „Wer sich aus Schering verabschiedet, geht in Altana, dem anderen reinen Pharma-Konzern im Dax“, sagte ein Händler.

Auf der Gewinnerliste ganz oben standen zudem die Aktien der Deutschen Börse, die 1,4 Prozent auf 49,56 Euro zulegten. Händler sagten, einige Investoren hofften weiter, dass eine mögliche Übernahme der Londoner Börse nicht so teuer wie zuletzt befürchtet wird. Die Frankfurter hatten vor kurzem der LSE bei einer Übernahme 530 Pence je Aktie in Aussicht gestellt, was von der LSE-Führung aber als zu niedrig abgelehnt wurde. Zeitweise waren an den Märkten auch Preise bis zu 600 Pence je LSE-Aktie geboten worden. Einige Experten warnten davor, den vorläufigen Verzicht der Euronext auf die Bekanntgabe eines Übernahmepreises als Bluff zu werten. „Die wollen abwarten und sich nicht festlegen“, hieß es.

Solarworld profitieren von China-Phantasie

Im TecDax kletterten die Aktien von Solarworld um 8,8 Prozent auf 78,50 Euro, nachdem das Unternehmen einen Lizenzvertrag mit dem chinesischen Solarproduzenten Suntech Power abgeschlossen hatte. „Solarworld gelingt es damit, in einen interessanten Markt vorzustoßen“, sagte Analyst Patrick Hummel von der LBBW.

Zu den Gewinnern an der Börse zählten zudem nach dem Rücktritt von Geschäftsführer Gerd Niebaum die Aktien des Fußball-Bundesligisten Borussia Dortmund, die zum Handelsschluss noch 3,7 Prozent höher bei 2,75 Euro standen. Fans der Borussia und Investoren hatten seit längerem den Rücktritt Niebaums gefordert, dem sie die Schuld an der Misere des Vereins geben. Niebaum habe mit seinem Abschied nun den Weg für einen echten Sanierer und möglicherweise auch einen Investor freigemacht, hieß es.

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