Zinserhöhung und Handelsstop
Marktkrise in Russland spitzt sich zu

Russland rutscht immer tiefer in die Krise. Um die Kapitalflucht ausländischer Investoren zu stoppen, hat die Zentralbank die Leitzinsen deutlich angehoben. An der Börse wurde der Handel nach einer weiteren Verkaufswelle bis auf weiteres ausgesetzt. Wie gering das Vertrauen in den russischen Staat ist, zeigen drastisch steigende Prämien für Kreditausfallversicherungen.

HB MOSKAU. Am russischen Kapitalmarkt hat sich die Situation weiter verschärft. Der Handel an den russischen Börsen ist nach hohen Verlusten erneut ausgesetzt worden. An der in Rubel handelnden Moscow Interbank Currency Exchange (Micex) waren die Geschäfte bereits von Dienstag bis Donnerstag suspendiert worden. An der in Dollar rechnenden RTS wurde der Handel am Mittwoch zunächst für eine Stunde und später auf unbestimmte Zeit gestoppt. Zuvor hatte der RTS-Leitindex 12,5 Prozent nachgegeben.

Noch deutlicher ließ sich das schwindende Vertrauen der Märkte in die wirtschaftliche Stabilität Russlands am Markt für Credit Default Swaps (CDS) ablesen. Die Preise für die Derivate, mit denen sich Investoren gegen einen Zahlungsausfall in Russland absichern können, sind zuletzt drastisch gestiegen. Für Ausfallversicherungen auf russische Staatsanleihen mussten Investoren zuletzt 7,87 Prozent der versicherten Summe als Prämie zahlen. Zum Vergleich: Die CDS-Prämien für deutsche Staatsanleihen liegen am Markt zurzeit bei weniger als 0,5 Prozent, auch andere Schwellenländer wie Brasilien oder China genießen mit Prämien von 3 bzw. 1,6 Prozent deutlich mehr Vertrauen.

Russland leidet unter einem Belastungsmix aus internationaler Finanzkrise, fallenden Ölpreisen und drastischen Kapitalabflüssen. Begonnen hat die Krise in Moskau bereits Ende August mit dem Einmarsch russischer Truppen in Georgien. Seither ziehen sich ausländische Investoren aus Russland zurück. Der große Kapitalbedarf von Großanlegern, die Anlagen liquidieren müssen, um Kunden oder Banken bedienen zu können, hat die Mittelabflüsse stark beschleunigt. In den vergangenen drei Monaten haben Anleger 83 Mrd. Dollar aus Russland abgezogen. Allein im Oktober erreichten die Abflüsse mit 50 Mrd. Dollar einen Rekordwert.

Ein Grund für die Abkehr ausländischer Investoren liegt auch im Preisverfall am Ölmarkt. Der drastische Anstieg der Ölpreise in den vergangenen Jahren war der wesentliche Wohlstandstreiber in Russland. Großkonzerne wie Gazprom oder Rosneft machten glänzende Geschäfte mit dem teuren Rohstoff. Und auch der russische Staat profitierte über ein dickes Plus in der Leistungsbilanz und kräftig steigende Devisenreserven.

Mittlerweile kostet ein Barrel Öl allerdings nicht mehr 140 Dollar wie noch vor einigen Monaten, sondern weniger als 60 Dollar. Und in Moskau macht man sich wenig Hoffnung, dass der Preistrend bald wieder dreht: Der russische Finanzminister Alexei Kudrin rechnet für 2009 mit einem durchschnittlichen Ölpreis von 50 Dollar je Barrel, teilte die russische Nachrichtenagentur Interfax mit. Das sind fast 50 Prozent weniger, als die russische Regierung in ihrem Haushaltswurf für 2009 vorgesehen hat. Dieser basiert noch auf einem durchschnittlichen Preis von 95 Dollar je Barrel. Der stellvertretende russische Finanzminister Dimitri Pankin hatte Ende Oktober erklärt, dass bei einem Ölpreis von 60 Dollar ein ausgeglichener Haushalt erzielt werden könne.

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