"Zyklus hat sich gedreht"
Stahlwerte bremsen deutschen Aktienmarkt

Eine leichte Entspannung beim Ölpreis und die anhaltende Euro-Schwäche haben am Dienstag dem Deutschen Aktienindex (Dax) zu Kursgewinnen verholfen. Spekulationen um eine Abschwächung der Stahlkonjunktur lasteten jedoch auf den Titeln dieser Branche und bremsten den Aufstieg des Börsenbarometers, das den Xetra-Handel 0,5 % im Plus bei 4608,11 Punkten beendete.

HB FRANKFURT. "Der Stahlzyklus hat sich gedreht, vermutlich geht es jetzt in Richtung Talsohle, und so eine Stimmung schadet den Aktien", sagte Analyst Abri du Plessis von Gryphon Asset Managers. "Den Investoren geht langsam auf, dass der Weg nach unten so heftig wie der Weg nach oben sein kann."

Die Aktien von Thyssen-Krupp setzten sich mit einem Minus von 1,5 % auf 14,70 Euro an die Spitze der Dax-Verlierer. Im M-Dax verbilligten sich die Papier von Salzgitter um 3,7 % auf 20,57 Euro.

Für eine leichte Aufhellung der Stimmung am Aktienmarkt sorgte dagegen der unerwartet starke Anstieg des Konjunkturindex des Zentrums für Europäische Wirtschaftsforschung (ZEW). Dieser spiegelt die Erwartungen von Analysten und institutionellen Anlegern für die wirtschaftlichen Aussichten der kommenden sechs Monate wider.

Außerdem gab die überraschend deutliche Zinssenkung der schwedischen Reichsbank um 50 Basispunkte Spekulationen auf eine Lockerung der Geldpolitik durch die Europäische Zentralbank (EZB) neuen Auftrieb. Angesichts der schwachen europäischen Konjunktur war in den vergangenen Wochen wiederholt über einen derartigen Schritt diskutiert worden.

Auf der Gewinnerseite standen die Autowerte. Dabei waren im Branchenvergleich die Aktien von BMW mit einem Plus von 1,7 % auf 37 Euro am gefragtesten. Die Papiere des Zulieferers Continental verteuerten sich um 3,3 % auf 60,17 Euro.

"Der schwächelnde Euro und der leichte Ölpreis-Rückgang helfen den Autobauern", sagte ein Händler. Der Euro kostete 1,2133 Dollar und lag damit rund einen US-Cent unter dem Niveau des Vortageshandels in Europa. Ein fallender Euro verbilligt Exporte in den wichtigen Absatzmarkt USA.

Der Terminkontrakt auf die führende US-Ölsorte Crude Light gab nach und pendelte um die Marke von 59 Dollar je Barrel (159 Liter). Einige Börsianer warnten jedoch vor übertriebenem Optimismus. Die Gefahr eines Anstiegs auf mehr als 60 Dollar sei keineswegs gebannt. Anleger fürchten, dass eine weitere Verteuerung dieses wichtigen Rohstoffs die fragile europäische Konjunktur abwürgen könnte.

Gefragt waren zudem die Papiere von Bayer, die zeitweise um zwei Prozent auf ein Drei-Jahres-Hoch von 28,79 Euro kletterten. Händler machten vor allem charttechnische Faktoren hierfür verantwortlich. Außerdem hätten die Titel Nachholbedarf, nachdem eine Reihe von Analysten ihre Gewinnschätzungen in den letzten Wochen angehoben hatten. Bayer wird am 10. August Quartalszahlen vorlegen.

Die Aktien des Börsendebütanten Frimag stiegen auf dem Frankfurter Parkett um 3,7 % auf 6,74 Euro. Die Papiere der Immobiliengesellschaft waren am oberen Ende der Preisspanne zu 6,50 Euro ausgegeben worden. Die Titel werden im Freiverkehr der Frankfurter Börse gehandelt.

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