Erfolg von Barack Obama im US-Vorwahlkampf
Presseschau: Sieg ohne Besiegte

Die internationale Wirtschaftspresse gratuliert Barack Obama zum Sieg über Hillary Clinton - zeigt sich aber irritiert wegen der ausbleibenden Kapitulationserklärung durch die Senatorin. Als nächstes müsse Obama die Selbstbespiegelung der Demokraten aufheben und im Wettbewerb mit John McCain die Arbeiterklasse auf seine Seite ziehen. Fundstück: Obama sprengt Excel.
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Nachdem Barack Obama infolge der letzten beiden Vorwahlen in South Dakota und Montana bereits 2156 Delegiertenstimmen hinter sich bringen und laut CNN somit die notwendige Schwelle von 2118 Stimmen passieren konnte, widmet sich das » Wall Street Journal dem "außergewöhnlichen historischen Moment" - gemeint ist jedoch nicht die Tatsache, dass erstmals ein Schwarzer als Präsidentschaftskandidat antritt, sondern die Demokraten einen Mann aufgestellt hätten, der wenig politische Erfahrung besitze und für die meisten Amerikaner noch ein Unbekannter sei. Dies sei auf Obamas "große Anziehungskraft" und sein Talent, vom Rednerpult aus eine Verbindung zum Publikum aufzubauen, zurückzuführen. Außerdem habe Obama das Bedürfnis der Wähler zum "Wandel" herausgestellt. "Der junge Senator ist als Supernova in unserer Politik explodiert, eher ein Phänomen als ein konventioneller Kandidat. (...) Jetzt muss er ein schwierigeres Publikum überzeugen. Die Präsidentschaft muss man sich verdienen, und die Amerikaner haben ein Recht, mehr über den talentierten Mann, den am wenigsten getesteten und unerfahrensten Parteikandidaten der Moderne, zu erfahren."

Der » Stern hinterfragt in einer Reportage die Strategie von Hillary Clinton, die - statt zu kapitulieren - ihre Anhänger gestern noch einem belehrt habe, dass sie die meisten Stimmen in der Geschichte amerikanischer Vorwahlen erhalten habe. "Den Sieg bringt ihr das nicht. Sie kann nichts mehr machen, außer die Entscheidung der Partei zum Wahlausgang in Michigan anfechten, was unklug wäre, oder auf einen Skandal im Obama-Lager hoffen, was sie nicht ernsthaft hoffen kann." Bei Hillary Clinton wirke selbst ihre größte Niederlage wie der Auftakt zum nächsten Sieg. "Niederlagen kommen bei ihr im Leben nicht vor. Sie verliert nicht. Sie hat die Nominierung nicht verloren. Sie ist schon wieder auf dem Sprung in den nächsten Kampf. Aber man weiß bei ihr an diesem Abend nicht genau, was der Kampf wirklich soll."

» The New Republic ist ebenfalls irritiert angesichts der gestrigen Rede von Hillary Clinton, die Obama zwar gratuliert habe, sich aber noch nicht geschlagen geben wolle. "Unglaublich. Sie rechtfertigt ihren fortgesetzten Wahlkampf indem sie sagt, dass sie sie ihn beendet habe. Sie räumt nicht ein, dass Obama die Mehrheit der Delegierten auf seiner Seite hat, ganz zu schweigen davon, dass er gewonnen hat." Die Folgen dieser Strategie seien unklar. "Ich denke, dass jeder aus ihrem Wahlkampfteam, der sich noch für die Partei interessiert, jetzt die moralische Pflicht hat, öffentlich zurückzutreten und Obama zu unterstützen", schlägt das Magazin vor.

Auch » The American Prospect zeigt sich verwundert über die Rede von Clinton. Statt ihre Anhänger zu animieren, Obama zu unterstützen, habe Clinton sie aufgestachelt, mit dem Argument, dass die fast 18 Millionen Menschen, die für sie gestimmt hätten, "unsichtbar" gemacht worden seien. "Wer soll denn der böse Kerl sein, der dahinter steckt, der ängstliche Howard Dean etwa?", fragt TAP mit Blick auf den Vorsitzenden der Demokratischen Partei. "Clinton bietet noch mehr kämpferische Rhetorik an. Aber der Kampf sollte vorbei sein." Hillary habe in dieser Nacht über die Hälfte der Partei-Anhänger verloren und fast das gesamte demokratische Establishment.

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