Frauen-Offensive
Überreaktion der Gleichberechtigung

Nicht alle Medien bejubeln den Schritt von Telekom-Chef René Obermann, zwei weibliche Vorstandsmitglieder zu installieren. Es mangele generell an Frauen, die für solche Top-Aufgaben in Frage kommen, lautet der Tenor.
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Das Manager Magazin kommentiert die vom Handelsblatt exklusiv vermeldete Frauen-Offensive von Telekom-Chef René Obermann, der zwei weibliche Vorstände installiert hat. Das Vorpreschen der Telekom werde gewaltige Auswirkungen auf Deutschlands Chefetagen haben, meint das Wirtschaftsblatt.

„Die Ära des Macho-Managements geht ihrem Ende zu. Künftig muss sich jedes Unternehmen der Dax-Liga, das nicht mindestens eine weibliche Topmanagerin vorweisen kann, kritische Fragen gefallen lassen.“ Doch Obermanns Maßnahme habe einen Schönheitsfehler: Die Benennung der Vorstandsfrau Marion Schick habe Widerstand bei den Arbeitnehmervertretern hervorgerufen, die anstelle des CDU-Mitglieds lieber eine eigene Kandidatin platziert hätten. Doch vom schwierigen Start für die Arbeitsdirektorin werde in einigen Jahren vermutlich keiner mehr reden.

Für die Süddeutsche Zeitung ist zwar der Wille, Frauen in Führungsfunktionen zu bringen, in den Konzernen angekommen, doch es mangele an den Frauen, die für Top-Aufgaben in Frage kämen. Als Beleg verweist das Blatt auf den Wechsel von Christine Hohmann-Dennhardt, einer ehemaligen SPD-Politikerin und Verfassungsrichterin, in den Vorstand von Daimler – sie habe keine Ahnung von Wirtschaft.

Bei der Telekom versuche man, „ausrangierte Politikerinnen“ – wie Marion Schick für das Personalressort – zu rekrutieren, wodurch die Interessen der Frauen missbraucht würden. Fazit der Münchner: Bald werde die ernüchternde Erkenntnis eintreten, dass viele Quereinsteigerinnen ihren Aufgaben nicht gewachsen sind.

Für die Wirtschaftswoche reiht sich die Frauenoffensive von Telekom-Chef René Obermann in die Reihe der „Überreaktionen“ des Konzerns ein, ähnlich der von Ex-Chef Ron Sommer eingeleiteten weltweiten Expansion oder der Dezentralisierung des Konzerns durch Kai-Uwe Ricke. Die Nachricht, dass die Telekom drei von acht Vorstandsposten mit Frauen besetzen will, sei mitten in der Frauen-Fußball-WM gut terminiert und werde andere Unternehmen in Zugzwang setzen.

Doch eine „schlechte Nachricht“ sei, dass mit der Berufung der ehemaligen baden-württembergischen Bildungsministerin Marion Schick der politische Einfluss auf die Deutsche Telekom steigen werde. „Aufsichtsratsmitglieder äußern Zweifel, ob die Telekom damit das richtige Signal an die Finanzmärkte sende.“

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