Internationale Presseschau
Bei Mini-Madoff haben die Kontrollen versagt

Die internationale Wirtschaftspresse sammelt weitere Details zum mutmaßlichen Hedge-Fonds-Betrug von Helmut Kiener. Für Veckans Affärer ist es keine Überraschung, dass Geely aus China bei Volvo die Nase vorne hat. Forbes warnt davor, die Fed mit mehr Macht auszustatten. Bloomberg übt Kritik an der chinesischen Währungspolitik. Fundstück: Kunstvoller Madoff.
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Bloomberg berichtet, dass der Protagonist der K1-Affäre Helmut Kiener bis 2000 als Mitarbeiter der Trias-Werbeagentur Werbung in Telefonbüchern verkauft habe; 1995 habe er parallel dazu seinen Hedge-Fonds gestartet. Das Unternehmen brüste sich damit, von 1996 bis zum Juni dieses Jahres 825 Prozent an Performance erzielt zu haben - während der Standard & Poor?s-500-Index im gleichen Zeitraum nur 49 Prozent zugelegt habe. In den USA werde außerdem gegen zwei Finanzexperten wegen Geldwäsche ermittelt - einer der Männer habe K1 "Informationen" zur Verfügung gestellt. "Es ist total peinlich, dass dieser Fall in Deutschland passiert ist, einem Land, das immer eine harte Linie bei Hedge-Fonds fahren wollte", zitiert der Wirtschaftsdienst Jacob Schmidt, Gründer der Beratungsfirma Schmidt Research Partners.

Nach Recherchen der Financial Times Deutschland heißt es im Haftbefehl von Kiener, dass Barclays zwischen 2006 und 2009 dem Kiener-Fonds "K1 Global Sub Trust" knapp 220 Millionen Dollar überlassen habe - Geld, das nach derzeitigem Kenntnisstand größtenteils verloren sei. Das französische Institut BNP Paribas habe zwischen April 2007 und Juni 2008 insgesamt etwa 60 Millionen Dollar investiert. Für die deutsche Finanzaufsicht sei Kieners K1-Group kein unbeschriebenes Blatt. 2001 habe sie Kiener vorgeworfen, unerlaubt eine Finanzportfolio-Verwaltung geführt zu haben - und seitdem versucht, den K1-Gründer daran zu hindern, Geld bei deutschen Investoren einzutreiben. "Zeitweise fungierte er nicht als Fondsmanager, sondern nur noch als Berater. Zudem legten der K1 Group nahestehende Firmen Investmentvehikel auf, welche die Strategie abbildeten, darunter ein Indexzertifikat, einen Genussschein, ein Garantiezertifikat und Fondspolicen."

Die britische Financial Times vergleicht die Skandale von Bernard Madoff, Galleon und K1. Ihr gemeinsamer Nenner sei, dass die Betrüger über einen langen Zeitraum ihr Spiel hätten fortsetzen können. Hinzu komme, dass das systemische Risiko der Hedge-Fonds vergleichsweise gering sei. Bei einer Krise zögen die Investoren ihr Kapital ab, und die Finanzwelt mache weiter wie zuvor. Das Asset-Volumen der Hedge-Fonds sei in den vergangenen zwei Jahren von vier Billionen Dollar auf ein Viertel dessen geschrumpft - dennoch habe es bislang keine staatliche Rettung gegeben.

Die Süddeutsche Zeitung zitiert aus "internen Unterlagen", nach denen Kiener das von Großbanken wie Barclays stammende Kapital in seine Tarnfirmen gesteckt hat. Daraus habe er sich bedient u.a. im Juli 2008 ein Piaggio Avanti Kurzstreckenflugzeug für 4,5 Millionen Dollar gekauft. Während Kiener hierzulande seit der Bafin-Rüge niemand in Profikreisen mehr vertraut habe, hätten in London und Paris dagegen offenbar alle Kontrollmaßnahmen versagt, "denn schon eine simple Internetrecherche hätte ergeben, dass Kiener diese Auseinandersetzung mit der Bafin hatte. Das reicht normalerweise, um draußen zu sein aus dem Geschäft."

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