Internationale Presseschau vom 1.7.2009
BP und das riskante Glücksspiel in Irak

Die internationale Wirtschaftspresse kommentiert die Rückkehr des Ölförderers BP nach Irak und fragt, warum andere Ölmultis zurückschreckten. Die Financial Times Deutschland sieht keine Hoffnung für Quelle. Das Wirtschaftsblatt fürchtet, Ripplewood könnte Magna bei der Opel-Übernahme austricksen. Fundstück: Die peinlichsten Wirtschaftsmomente 2009.

Der irakische Versuch, Lizenzen für seine Ölfelder zu vergeben, war ein Fehlschlag, analysiert das Wall Street Journal. Die Regierung habe nur für eines der acht angebotenen Ölfelder ausländische Partner gewinnen können. „Ein herber Rückschlag für die Machthaber im Irak, die dringend Einnahmen brauchen“, kommentiert das Blatt. British Petroleum sei nun eine Erklärung schuldig, warum das Unternehmen einen Deal eingegangen sei, den Konkurrenten wie Exxon Mobile abgelehnt hätten. „Der Profit für das englische Unternehmen ist bei dieser Vereinbarung sehr knapp bemessen“, kritisiert die Zeitung. BP bekomme zwei Dollar für jedes, über die Mindestmenge hinausgehende Barrel Öl. Ursprünglich habe das Unternehmen 3,99 Dollar verlangt und Exxon sogar 4,80. „BP hat sich so möglicherweise eine Vorzugsbehandlung bei künftigen Ausschreibungen gesichert“, glaubt das Blatt.

British Petroleum, die seine Existenz als Anglo-Persian Oil-Company begonnen hat, kehrt nach rund vier Jahrzehnten in den Irak zurück, rekapituliert die Financial Times. „Es ist ein Glücksspiel“, gibt das Blatt zu bedenken. Die irakische Ölindustrie sei bestimmt von rostigen Rohren, veralteter Ausrüstung und schlecht gewarteten Feldern. Allerdings verfüge das Land – nach Saudi Arabien und dem Iran – über die drittgrößten nachgewiesenen Ölvorkommen weltweit. Darüber hinaus sei nur ein Drittel der Felder angezapft worden und ein Großteil noch unerforscht. „Es ist der Traum eines jeden Ölförderers und jeden Einsatz wert“, meint das Blatt. BP soll zusammen mit der chinesischen CNPC dem Irak dabei helfen, das Rumalia-Feld auszubauen. „Der Deal könnte zu einem Win-Win-Modell werden“, lobt die Zeitung. Während die internationalen Ölmultis über Kapital und Technologie verfügten, hätten die nationalen Ölförderer zwar reiche Vorkommen, aber wenig Mittel und Expertise.

Abgesehen von BP und CNPC haben sich alle Ölmultis von den harten Bedingungen der irakischen Regierung abschrecken lassen, schreibt BusinessWeek. Auch die unsichere politische Lage im Land sei ausschlaggebend dafür gewesen, dass sieben Ölfelder ohne Partner bleiben. „Das ist sehr enttäuschend für den Irak“, zitiert das Blatt einen Analysten. Die Iraker hätten Angst davor, von ihren potenziellen Partnern hereingelegt zu werden. „Ihr hartes Feilschen hat die Ölmultis in die Rolle eines Dienstleisters gedrängt und nicht in die eines Investors, die ihnen näher liegt“, kritisiert die Zeitung. Die Ergebnisse der Ausschreibung könnten den Frust in Bagdad über die stagnierende Ölbranche, das „Kronjuwel der irakischen Wirtschaft“, wachsen lassen - politische Machtkämpfe, Mangel an Sicherheit und Uneinigkeit über den Nutzen ausländischer Hilfe raubten dem Land Dutzende Milliarden Dollar.

Keine falsche Hoffnung für Quelle

Der 50 Millionen Euro umfassende Kredit des Bundes und der Länder Bayern und Sachsen an den insolventen Versandhändler Quelle lässt sich nur rechtfertigen, wenn er zur geordneten Abwicklung des Unternehmens genutzt werde, kommentiert die Financial Times Deutschland. Es bleibe dabei, dass Quelle mit seinem überholten Geschäftsmodell keine Überlebenschance habe. Es sei gefährlich anzunehmen, durch den Staatskredit werde es bei Quelle schon weitergehen. Diese Ansicht werde auch in der Bundesregierung vertreten – und das nicht nur vom Wirtschaftsminister. „Es ist daher unredlich, wenn bayerische Landespolitiker so tun, als lasse sich das Unternehmen mithilfe des Staatskredits fit für die Zukunft machen“, meint die Zeitung. Daher sei es auch unseriös, wenn Horst Seehofer ausgerechnet auf die Berliner Minister einschlage, die den Quelle-Mitarbeitern keine falschen Hoffnungen machten.

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