Internationale Presseschau vom 1.8.2008
Bauchlandung der Heuschrecken

Die internationale Wirtschaftspresse gibt den Investoren Dawnay Day die Schuld an der Hertie-Pleite. Marianne sieht Nicolas Sarkozy im politischen Abseits. Das Wall Street Journal berichtet über einen möglichen Kompromiss im Kampf um TNK-BP. Fast Company enthüllt, wie sich die US-Regierung für den Cyber-Krieg rüstet. Fundstück: Büroameisen auf Trab.
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Die Frankfurter Allgemeine Zeitung kommentiert den gestrigen Gang von Hertie zum Insolvenzgericht. Das Unternehmen, das vor drei Jahren aus rund "70 mehr oder weniger schäbigen und kleinen ehemaligen Karstadt-Filialen" hervorgegangen sei, habe von vornherein keine guten Chancen gehabt. "Wenn schon die beiden großen Warenhausketten Kaufhof und Karstadt im schwierigen deutschen Einzelhandelsmarkt kaum auf einen grünen Zweig kommen, wie soll dies einem kapitalschwachen Unternehmen mit noch schwächeren Standorten gelingen?" Die britischen Investoren Dawnay Day, die als Immobilienspezialisten auf hohe Mieteinnahmen geschielt und kaum Expertise für den Einzelhandel mitgebracht hätten, seien ohnehin nicht die besten Eigentümer gewesen. Jetzt habe Hertie noch eine letzte Chance, sich als "kleines, aber feines Nachbarschaftskaufhaus und Ankerpunkt für innerstädtischen Handel" zu etablieren. "Alles andere wäre für viele Kleinstädte und deren Kaufleute eine Katastrophe", warnt die FAZ.

Auch die Süddeutsche Zeitung gibt den britischen Investoren Dawnay Day die Schuld an der Hertie-Pleite. "Die Briten haben sich verzockt: Sie spalteten das Unternehmen in eine Handels- und Immobiliengesellschaft und bürdeten ihm eine so hohe Mietbelastung auf, dass das Management kaum handlungsfähig war. Es war zu wenig Geld da, um die unattraktiven Verkaufsräume zu modernisieren." Außerdem habe die Geschäftsführung die Misere mitverschuldet: Die Abnabelung vom früheren Eigentümer Karstadt habe sich mehr als zwei Jahre hingezogen, zudem habe es in der Personalpolitik keine Kontinuität gegeben.

Die Financial Times Deutschland nimmt Arcandor-Chef Thomas Middelhoff gegen Vorwürfe der Gewerkschaft Verdi in Schutz, die Insolvenz von Hertie mitverursacht zu haben. "Niemand kann einen Investor zwingen, ein offenkundig marodes Unternehmen zu kaufen. Auch Dawnay Day musste nicht unter Androhung von Gewalt dazu gebracht werden, die Warenhäuser zu übernehmen." Die Briten hätten das deutsche Einzelhandelsgeschäft komplett falsch eingeschätzt. "Dawnay Day war fest davon überzeugt, als ausgebuffte ,Heuschrecke' selbst aus Karstadts Problemfilialen eine hohe Rendite herausholen zu können", rekapituliert die FTD. Doch die Zeiten, in denen Kunden alles unter einem Kaufhausdach wollten, seien vorbei - stattdessen kauften sie in Fachgeschäften oder bei Discountern.

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