Internationale Presseschau vom 1.9.2008
Allianz mit gigantischen Risiken

Die internationale Wirtschaftspresse kommentiert die Übernahme der Dresdner durch die Commerzbank. Der Independent warnt vor dem Exodus britischer Firmen. Laut Techcrunch war der MySpace-Gründer ein FBI-gesuchter Hacker. Für die Gulf Times ist die Nominierung von Sarah Heath Palin als mögliche Vizepräsidentin von John McCain rätselhaft. Fundstück: Der Schlüssel zum Unglück.
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Das Manager Magazin begrüßt, dass Deutschland durch die Zehn-Milliarden-Euro-Übernahme der Dresdner durch die Commerzbank einen zweiten „nationalen Champion“ im Finanzgeschäft neben der Deutschen Bank bekomme: eine starke Mittelstandsbank, die der Exportnation Deutschland und seinen Unternehmen mit Krediten bei der Expansion und der Globalisierung helfe und sich nicht wie Josef Ackermanns Deutsche Bank primär als globale aus London geführte Investmentbank „ohne Herz für die heimische Wirtschaft“ geriere. Dass Gewerkschaften und Betriebsrat für eine Allianz mit dem zweiten Bieter, der China Development Bank (CDB), votiert hätten, zeige, wie marode das Haus sei, in dem sich deren Arbeitnehmer kritiklos in die Arme der Chinesen flüchten wollten.

Das Wall Street Journal fordert mehr Wettbewerb in der deutschen Bankenlandschaft. Zwar sei die Zahl der Banken, die an die Bundesbank berichteten, in den vergangenen fünf Jahren um 250 gefallen. Gleichwohl gehörten immer noch über 2000 Banken zum Drei-Säulen-Modell aus privaten, öffentlich-rechtlichen und genossenschaftlichen Banken. Dabei könnten nur weniger, dafür stärkere Institute für mehr Wettbewerb sorgen. Das zentrale Hindernis dabei sei jedoch das Management, das in kleineren Instituten oft schlecht arbeite – das der Dresdner sei jämmerlich, das der Commerzbank habe sich kaum von der ärmlichen Umsetzung der Übernahme der Immobilienfinanzierungsbank Eurohypo erholt. Insofern sei der Commerz-Dresdner-Deal ein entscheidender Management-Test.

Der Standard aus Wien zweifelt an den Synergieeffekten bei der Übernahme der Dresdner durch die Commerzbank. Dass die Ergebnisse solcher Zusammenschlüsse den Ansprüchen meist nicht gerecht würden, wisse die Dresdner Bank am besten. Seit der Übernahme durch die Allianz 2001 sei das Geldhaus kleiner und ertragsschwächer geworden, auch die Versicherung habe nicht von der vermeintlich verheißungsvollen Kombination von Assekuranz und Bank profitieren können. Grundsätzlich sei massives Wachstum über Fusionen ein riskantes Spiel. „Interne Widerstände und Konflikte bei der Zusammenführung unterschiedlicher Unternehmenskulturen lassen die Einsparungsträume bald platzen. Außer Spesen in Form gigantischer Kaufpreise ist dann nichts gewesen.“

Die Welt analysiert das „gigantische Risiko“, das der Chef der neuen Bank, Martin Blessing, schultern müsse. „Tausendfacher Arbeitsplatzabbau, Medienschelte, die Gefahr des Scheiterns: Mit dem gestrigen Tag wird das Gesicht des schlanken Mannes mit dem lichten kurzen Haar und der langen Narbe auf dem Kopf auf allen Fernsehkanälen flackern und womöglich immer wieder auf den ersten Seiten der Boulevard-Zeitungen prangen.“ Möglichst viele der 9000 Stellen per natürlicher Fluktuation abzubauen, traut die Zeitung Blessing durchaus zu. Schon mehrfach habe er bewiesen, dass er Geschäfte „relativ lautlos und erfolgreich drehen“ könne – das Filialgeschäft der Commerzbank habe er innerhalb weniger Quartale in die schwarzen Zahlen gewendet. Zugute komme ihm in der Situation, dass die deutschen Banken seit der Krise kurz nach der Jahrtausendwende eine radikale Rosskur hinter sich hätten. Fazit: Gelinge es nun dem Management, Commerzbank und Dresdner Bank schnell zusammen zu führen, könne das neue Geldhaus zur „Andockstelle für Landesbanken und Sparkassen“ – und schließlich zur führenden europäischen Großbank werden.

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