Internationale Presseschau vom 10.3.2009
Finanzkrise: „Deutschlands Führungsstärke ist gefragt“

Die internationale Wirtschaftspresse fordert Deutschland auf, im Kampf um die Stabilisierung der Wirtschaft in Europa eine führende Rolle einzunehmen. Paul Krugman meldet in der New York Times Zweifel am Erfolg von Barack Obamas Konjunkturpaket an. J@pan Inc stellt das erfolgreiche Netzwerk-Modell der japanischen Stadt Saitama vor. Fundstück: Der wahre Wert ansprechender Gesichtszüge.

In einem Dilemma sieht das US-Wirtschaftsportal MarketWatch.com die deutsche Kanzlerin Angela Merkel: „Deutschland ist das stärkste Land der Europäischen Union. Auch wenn die Deutschen aus Gewohnheit gern klagen, sind ihre öffentlichen Finanzen noch in gutem Zustand. Logisch, dass die Kanzlerin nun von allen Seiten von fordernden Händen umringt wird.“ Doch letztlich bliebe Merkel keine Wahl, als zu helfen: „Deutschland war 1973 in einer ähnlichen Situation, während der Ölkrise. Der damalige Kanzler Helmut Schmidt löste das Problem zusammen mit dem französischen Präsidenten Valéry Giscard d'Estaing: Sie gründeten die Europäische Währungsunion.“ Merkel solle nun bei Schmidt nachschlagen, denn den Nachbarländern zu helfen, müsse Deutschland am Herzen liegen, schon aus Selbstinteresse: „Viele dieser Länder stützen die auf Export ausgerichtete deutsche Wirtschaft.“ Das müsse nicht heißen, Länder wie Ungarn oder Polen sofort in die Eurozone aufzunehmen. „Aber Solidarität in Fragen der Wirtschaft und Währungspolitik ist angebracht.“

„Es ist an der Zeit, dass Deutschland eine führende Rolle übernimmt, die seinem Status als wichtigste Wirtschaft Europas, als größter Beitragszahler an die EU und als langjähriger Befürworter eines europäischen Zusammenhalts gerecht wird“, fordert auch die Business Times aus Singapur. „Kanzlerin Angela Merkel steht zwischen den Stühlen: Zum einen will sie nicht die deutschen Steuerzahler mit Rettungspaketen für Nachbarstaaten belasten, zum anderen droht die EU darüber auseinander zu brechen. Hinzu kommt, dass ihre Partei Wähler an die FDP verliert, Osteuropa ein Rettungspaket zuzugestehen, würde das zusätzliche Abwandern von CDU-Wählern befördern.“ Dennoch müsse Merkel der Welt gerade jetzt beweisen, dass die EU mehr sei als ein Handelsverband von 27 Staaten: „Natürlich kann Deutschland die Last nicht allein tragen. Aber es sollte die anderen Mitgliedsstaaten überzeugen, gemeinsam etwas für die EU und seine in Schieflage geratenen osteuropäischen Mitglieder zu tun.“ Ein gesundes Osteuropa würde das Risiko sozialer Unruhen und der Gefahr des Aufstieges nationalistischer Führer senken und vor Protektionismus und Sorgen über den Zusammenbruch des EU-Binnenmarktes schützen.

Vor einer Zäsur sieht das französische Wirtschaftsblatt La Tribune die deutsche Wirtschaft: „Um 2,25 Prozent, so die Prognose der deutschen Regierung, werde das Bruttoinlandsprodukt sinken, mancher Insider geht gar von fünf Prozent aus.“ Damit stehe erstmals das erfolgreiche Wirtschaftsmodell – die von Ludwig Erhard eingeführte soziale Marktwirtschaft – in Frage. Politisch gesehen durchaus richtig, sei die Vereinigung der beiden deutschen Staaten in wirtschaftlicher Hinsicht zu schnell verlaufen. „Westdeutschland musste die Schulden der neuen Bundesländer mittragen, die Wettbewerbsfähigkeit litt, das Wirtschaftswachstum lag zwischen 1995 und 2005 hinter dem Frankreichs zurück.“ Doch dann schien es, als sei die Integration der neuen Bundesländer geschafft. Die globale Krise habe die Erfolge zunichte gemacht, den Export und den Konsum geschwächt. „Dennoch: Deutschland ruht auf soliden demokratischen Fundamenten und das Modell von Ludwig Erhard erfreut sich in aktuellen Meinungsumfragen großer Zustimmung. Davon könnte das Land profitieren – und die nächsten 20 Jahre gut überstehen.“

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