Internationale Presseschau vom 10.8.2009
Ein Hauch Kalter Krieg

Die internationale Wirtschaftspresse hinterfragt den Industriespionage-Fall um Rio Tinto in China und warnt die Voksrepublik davor, einen Spionagekrieg auszurufen. Ilsole24ore sieht Deutschland in der Vorreiterrolle bei der wirtschaftlichen Erholung in Europa. Vedomosti kritisiert Russlands irrsinnige Megaprojekte. Fundstück: Denken wie ein Teutone.

Ein am Wochenende veröffentlichter Bericht der staatlichen chinesischen Spionageabwehr beschuldigt den australischen Bergbaukonzern Rio Tinto der Spionage und des Betrugs: Wirtschaftsspione hätten mithilfe von Schmiergeldern über Jahre hinweg die chinesischen Stahlfirmen gezwungen, mehr als 120 Milliarden Dollar zu viel für australisches Eisenerz zu bezahlen. Dies berichtet das Wall Street Journal. Angestellte von Rio Tinto sollen sich bei Verhandlungen mit dem chinesischen Stahlverband auf illegale Weise einen Informationsvorteil verschafft haben. Im vergangenen Monat seien bereits vier Mitarbeiter des australischen Erzförderers in China festgenommen worden. Die Anschuldigungen seien womöglich ein Hinweis darauf, dass die Mitarbeiter nun wegen "Diebstahl von Staatsgeheimnissen" angeklagt werden könnten. "Die chinesische Definition von Staatsgeheimnis ist so weit gefasst, dass eigentlich jegliche Informationen, die nicht öffentlich zugänglich sind, darunter fallen könnten", kritisiert die Zeitung. Der Fall zeige, welch hohe Risiko ausländische Konzerne bei ihren China-Geschäften eingingen.

Die Financial Times Deutschland warnt China davor, einen "regelrechten Spionagekrieg" hinaufzubeschwören. Das Land drohe, massiv Misstrauen zu schüren - immerhin hielten die Chinesen einen australischen Staatsbürger gefangen, auf Basis von Informationen, die für die Außenwelt kaum nachprüfbar seien. Es sei in Chinas Interesse, den Fall "auf kleiner Flamme zu kochen", und zu zeigen, dass es rechtsstaatlich zugehe. Die Zeitung warnt allerdings auch davor, in den Vorwürfen nur chinesische Paranoia zu sehen. "Dagegen sprechen auch die Reaktionen der australischen Regierung und von Rio Tinto, die nichts dementieren, sondern ihre Stellungnahmen verweigern", argumentiert das Blatt. Sollten die Rio-Tinto-Mitarbeiter tatsächlich Funktionäre des chinesischen Stahlverbands bestochen haben, liefe dies den Interessen der Volksrepublik massiv zuwider.

Nach den offiziellen Anschuldigungen durch die chinesischen Behörden hat die australische Business Day keine Hoffnungen mehr, dass die Rio-Tinto-Mitarbeiter, ein Australier und drei chinesische Kollegen, um lange Haftstrafen herumkommen könnten. Der Bericht sei gespickt mit Begriffen aus dem Kalten Krieg wie "Verräter" und "Spionagekrieg", was auf eine noch folgende Einschüchterungs-Kampagne gegen Ausländer schließen lasse. "Der Autor der Vorwürfe fordert eine striktere Kontrolle der Beziehungen zwischen ausländischen Unternehmen und den lokalen Beamten, da sich ?Verräter auf Kosten der Allgemeinheit? bereicherten", berichtet das Blatt. Allerdings werde nicht klar, woraus sich die riesige Schadenssumme ergebe, die sogar die gesamten Eisenerzverkäufe von Rio-Tinto an China für den genannten Zeitraum übersteige.

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