Internationale Presseschau vom 10.9.2008
Die neue Große Depression

Die internationale Wirtschaftspresse beschäftigt sich weiterhin mit den Folgen der Rettung von Fannie Mae und Freddie Mac durch die US-Regierung. Expansión analysiert das Interesse der spanischen Großbank Santander an der Postbank. KM.ru erklärt, wie Gazprom vom Energieabkommen zwischen Serbien und Russland profitiert. Fundstück: Die Kraken aus Ostwestfalen.
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Der Independent schreibt, man müsse der US-Regierung dankbar für die Rettung der Hypothekenbanken Fannie Mae und Freddie Mac sein. Hätte man eine Pleite der "beiden Achsennägel der US-Hypothekenmarktes" zugelassen, argumentiert das britische Blatt, wären die Folgen auch außerhalb der US-Wirtschaft spürbar gewesen: Dies hätte katastrophale Konsequenzen für das globale Finanzsystem gehabt und die Welt sehr wahrscheinlich in eine tiefe Rezession gestürzt. "China und Indien werden eines Tages vielleicht den US-Koloss überholen, aber noch ist es so, dass die restliche Welt eine Lungenentzündung davon trägt, sobald sich die USA eine Erkältung einfangen." Zwar habe die US-Regierung das Risiko einer weiteren "Großen Depression" in Kauf genommen, sollte sich der Markt für hypothekarisch besicherte Anleihen nicht erholen. Wahrscheinlicher sei jedoch, dass die USA, die die weltweite Kreditkrise ausgelöst haben, sich als erste davon erholen.

Die Asia Times erkennt in der Rettung der beiden Hypothekenbanken hauptsächlich das Motiv, chinesische und andere Banken bei Laune zu halten, so dass diese weiterhin in den USA investieren. Indem China weitestgehend wertlose hypothekarisch besicherte Anleihen übernommen und im Gegenzug Produkte aus chinesischer Fertigung zur Verfügung gestellt habe, habe das Land der US-Regierung riesige Subventionen beschert. Ein Kollaps von Fannie Mae und Freddie Mac, so die Zeitung, hätte das Signal ausgesendet, dass es keinen Grund mehr gebe, in staatlich besicherte Anleihen zu investieren. Dass Russland und China weiterhin Geld in die fragwürdigen, vom Dollar dominierten Finanzprodukte pumpten, liege darin begründet, dass die Länder mit ihrem neuen Reichtum wenig anderes anfangen könnten. Gleichwohl werde die Welt voraussichtlich eines Tages die hohen Risiken der Abhängigkeit von US-Finanzprodukten erkennen. "Der Tag der Abrechnung wird durch die Rettung von Fannie und Freddie nur verzögert."

Für Les Echos aus Frankreich ist die "Verstaatlichung" von Freddie Mac und Fannie Mae eine neue Variante des berühmten Axioms, dass solche Unternehmen zu groß seien, um zu scheitern ("too big to fail"). Gleichwohl dürfe man die Folgen nicht unterschätzen - der Zusammenbruch einer der Säulen des US-Finanzsystems sei ähnlich verblüffend wie der Einsturz der beiden Türme des World Trade Centers gewesen. Offenbar sei das Risiko der Verstaatlichung nun geringer als der Kollaps der Banken und der resultierende Vertrauensverlust in die US-Wirtschaft. Sollte die Rettung von Fannie und Freddie den amerikanischen Steuerzahler am Ende rund 300 Milliarden Dollar kosten, wie von William Poole (Ex-Vorsitzender der Federal Reserve Bank von St. Louis) geschätzt, wäre sie vergleichbar mit der "Savings-and-Loans"-Krise von 1986, in der mehr als 1000 Sparkassen in den USA hinweggerafft wurden.

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