Internationale Presseschau vom 10.9.2009
Lippenbekenntnisse der Banker

Die internationale Wirtschaftspresse kommentiert die Reden der Handelsblatt-Konferenz „Banken im Umbruch“ – und geht mit dem Goldman-Chef hart ins Gericht. Die Gaceta de los Negocios zeigt, wie sich spanische Firmen vor der Schweinegrippe wappnen. Dagens Industri warnt vor einer chinesischen Vormachtstellung bei Saab und Volvo. Fundstück: Krise am Kopierer.

Lloyd Blankfein, Chef von Goldman Sachs, hat bei der Handelsblatt-Konferenz „Banken im Umbruch“ gleich mehrfach mit knalligen Statements gepunktet: Das Ende der Finanzkrise sei in greifbarer Nähe; der öffentliche Boni-Furor sei berechtigt – man müsse die Anreizstrukturen kriselnder Banken überprüfen. Das Wall Street Journal liefert zu Blankfeins Zitaten den Subtext. Dass der Banker Verständnis für die Empörung über überzogene Gehälter bei Banken, die Verluste ausweisen, aufbringe, müsse vor dem Hintergrund gesehen werden, dass sein Institut im zweiten Quartal einen Rekord-Gewinn in Höhe von 3,4 Milliarden Dollar erwirtschaftet habe. „Das heißt, 2009 könnte zur höchsten Gewinnausschüttung pro Person in der Firmengeschichte führen, bei der jeder Mitarbeiter 770.000 Dollar einsammelt“, erklärt das Blatt. Und spricht weiter für den Goldman-Chef: „Das ist die Lektion für unsere Wall-Street-Wettbewerber: Ihr müsst erst einmal herausfinden, wie ihr wieder Geld verdient, und dann verdient ihr Euer Gehalt.“ Blankfeins Bemerkungen zur Regulierung – durch Revierkämpfe untereinander drohten die verschiedenen Behörden den Fokus auf den Markt zu verlieren – übersetzt das WSJ so: „Wer im Glashaus sitzt, sollte nicht mit Steinen schmeißen. Die Aufseher waren während der Finanzkrise nicht richtig am Ball. (...) Das ist aber nicht das Problem der Wall Street.“

Die Financial Times meint, dass Blankfeins Ausführungen zwar für Schlagzeilen sorgen könnten, zur eigentlichen Diskussion aber wenig beitrügen. Seine Einschätzung, dass die Gesundheit der Bankenindustrie entscheidend für eine dynamische Wirtschaft sei, falle weit hinter die Kritik von Lord Adair Turner, Chef der britischen Finanzmarktaufsicht, an der angeschwollenen britischen Finanzindustrie zurück. „Der lauter werdende Chor, dass Banken ihre soziale und ökonomische Nützlichkeit neu abwägen müssten, ist merkwürdig. Banken haben, wie alle Branchen, schon immer gewinnorientiert operiert, zu Gunsten von Aktionären und Mitarbeitern. Das wird sich nicht ändern.“ Auch Risiken blieben immer die sine qua non des Bankings, egal, wie wie die Aufseher handelten.

In einem weiteren Artikel zur Boni-Debatte berichtet die Financial Times, dass sich niederländische Banken als erste Finanzinstitute der Welt mit dem Finanzministerium auf ein Boni-Limit für Führungskräfte verständigt hätten. Demnach sollen die variablen Gehaltsbestandteile bei Bankern ab Januar auf das jährliche Fixghalt beschränkt werden.

Die Börsen-Zeitung kommentiert die auf der Handelsblatt-Tagung vorgenommene Ankündigung von Commerzbank-Vorstandschef Martin Blessing, auf die noch bereitstehende Bürgschaft über fünf Milliarden Euro zu verzichten. Dies sei „ein kraftvolles Signal der Entspannung an den Markt“, das auch angekommen sei, wie das Plus der Coba-Aktie zeige. Für Blessing komme es jetzt drauf an, die „schöne Restrukturierungsstory“, der sich der Markt derzeit hingebe, nicht unglaubwürdig werden zu lassen. „Konkret heißt das: Die Risikovorsorge, die sich im vergangenen Jahr einschließlich Dresdner Bank auf 3,6 Mrd. Euro summierte, darf 2009 der Prognose gemäß nicht steigen, böse Überraschungen bei den risikotragenden Aktiva von knapp 300 Mrd. Euro dürfen nicht mehr vorkommen.“ Sollte Blessing jedoch erneut unter die Fittiche des Staates schlüpfen müssen, „wäre wohl nicht das Ende des Instituts, ganz sicher aber das seiner Laufbahn dort.“

Seite 1:

Lippenbekenntnisse der Banker

Seite 2:

Seite 3:

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%