Internationale Presseschau vom 11.11.2008 Chronik eines angekündigten Scheiterns

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Kanadas Regierung nicht besser als Wall Street-Banker

Ein eklatantes Missverhältnis zwischen der Wirtschaft Ontarios und der übrigen kanadischen Provinzen beklagt der Toronto Star: „Die Regierung eilt schnell herbei, wenn es darum geht, die Provinzen finanziell zu unterstützen. Doch in Ontario wird kaum investiert.“ Dadurch habe sich das Land eine eigene große Finanzblase herangezüchtet: Insbesondere die atlantischen Provinzen und Manitoba seien inzwischen so stark von Transferleistungen und Fördergeldern abhängig, dass sie ohne diese nicht mehr alltägliche Leistungen für ihre Bevölkerung erbringen könnten. „Doch im Zuge der Finanzkrise sind die Steuerzahler in unproblematischen Provinzen wie Ontario oder Alberta immer weniger in der Lage, für ihre Nachbarprovinzen zu zahlen. Sie leiden zunehmend unter der Last, für diese gerade zu stehen zu müssen, ihre Lage könnte sich dramatisch verschlechtern.“ Die Regierung spiele dabei eine ähnliche Rolle wie die Banker an der Wall Street: „Sie haben Fördergelder bewilligt, ohne auf das Gleichgewicht im Land zu achten.“ Das Blatt empfiehlt nun eine Kommission zur Überprüfung der Finanzen Ontarios einzusetzen, künftig stärker auf die gleichmäßige Verteilung von Finanzhilfen zu achten und darauf zu bestehen, dass die Provinzen Gewinne nutzen, um die Fördergelder teilweise wieder zurückzuzahlen. „Nur so kann die wirtschaftliche Zukunft Kanadas gesichert werden.“

EZB-Chef steht besser denn je da

„Die Revanche von Super-Trichet“, übertitelt die französische Le Monde ein Porträt des Chefs der Europäischen Zentralbank, Jean-Claude Trichet. Er sei ein Gewinner der globalen Krise, denn längst seien seine Kritiker verstummt: „Alan Greenspan, damals Chef der US-Notenbank? Wird heute Schuld an der Misere gegeben, Trichet, der anders argumentierte, steht dagegen gut da.“ Viele rechneten ihm hoch an, die Banken stabilisiert und zum Beispiel die Fortis Bank aus Belgien durch sein Eingreifen gerettet zu haben. Und selbst Frankreichs Präsident Nicolas Sarkozy habe in Trichet plötzlich einen kompetenten Partner gefunden, um die Regeln und Grundsätze des Finanzkapitalismus zu hinterfragen. „Doch Trichet steht noch lange nicht auf dem Siegertreppchen. Heute glauben mehr Europäer denn je, dass die Umstellung auf den Euro ihre Kaufkraft gemindert hat.“ Aber vielleicht könne Trichet selbst das für sich nutzen: „Die Krise könnte auch in diesem Punkt sein bester Verbündeter sein.“

Briten entdecken größtes russisches Ölfeld

Das russische Wirtschaftsmagazin Expert verkündet, dass die britische Firma Timan Oil das größte neue Ölfeld in Russland seit dem Zerfall der Sowjetunion entdeckt habe. „Das komische ist, dass niemand dieses Filetstück der britischen Firma wegnehmen will“, wundert sich das Blatt. Nach der neuen Gesetzeslage dürften nur mehrheitlich russische Firmen Vorkommen von solcher Größe besitzen. Das Ölfeld in der nordwestlichen Republik Komi sei aber schon vor der Verabschiedung der Gesetze Eigentum von Timan Oil gewesen. Damals sei dort aber viel weniger Erdöl vermutet worden. „Am 22. Oktober beendete ein Moskauer Gericht schließlich einen Rechtsstreit zwischen Timan Oil und dem Amt für Bodenschätze zugunsten der Briten. Sogar Gazprom halte sich von dem Projekt fern. „Es ist schwer zu glauben, dass alle einfach so beschlossen haben, die kleine britische Firma mit dem riesigen Vorkommen in Ruhe zu lassen“, zweifelt das Blatt.

Türkische Tourismusbranche profitiert von der Krise

Die türkische Tourismusbranche kann von der globalen Finanzkrise profitieren, glaubt die Türkiye Gazetesi. Öger-Tours Vorsitzender Vural Öger sehe zumindest keinen Grund zu Besorgnis. Er erwarte keine ernst zu nehmende Krise in diesem Sektor, für 2009 seien die Buchungen so hoch wie erwartet. Die Europäer würden offenbar die Türkei als Reiseziel Ländern wie Spanien oder Griechenland vorziehen. Im nächsten Jahr sei in Europa ein Wachstumsstillstand zu erwarten und das werde die Kaufkraft schwächen. Jeder würde ganz genau auf die Preise achten. Doch selbst dann sei ein Türkeiurlaub immer noch bezahlbar. In den letzten zehn Jahren habe sich die Zahl der Türkei-Touristen verdoppelt. Die weltweite Finanzkrise werde an diesem Trend deshalb auch im nächsten Jahr nichts ändern können. Und die Hotelbranche rechne sogar mit einem zusätzlichen Plus.

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