Internationale Presseschau vom 11.2.2009
Bankenrettung: Das Gift steckt im Detail

Die internationale Wirtschaftspresse meldet Zweifel an den Plänen von US-Finanzminister Timothy Geithner zur Rettung der Kreditmärkte an. Die Zeit fordert, dass die Bahn einen neuen Chef von außen holt. Das Wirtschaftsblatt verteidigt die UBS-Boni. Expansión beobachtet Telefónicas Kampf gegen die Kündigungswelle. Fundstück: Krieg der Tycoons.

Der US-Senat hat gestern dem Konjunkturprogramm von Barack Obama zugestimmt. Außerdem hat die US-Regierung bekannt gegeben, dass sie bis zu zwei Billionen Dollar Unterstützung zur Rettung der Kreditmärkte mobilisieren wolle: Finanzminister Timothy Geithner plant, Banken von faulen Wertpapieren zu befreien, die private Kreditvergabe anzukurbeln und Geldinstituten weitere Kapitalspritzen zu verschaffen. Die Pläne von Geithner zur Sanierung des amerikanischen Finanzsystems gingen in Richtung eines vernünftigen Tradeoffs, eines Kompromisses von wirtschaftlichen und politischen Interessen, lobt die Berner Zeitung. Der neue Finanzminister habe sich gegen die Populisten in der Obama-Regierung durchgesetzt und eine harte Linie gegen die Bankern verhindert. Aktuell wäre es einfach gewesen, populistisch zu punkten und beispielsweise die Verhaftung der „Raubritter“ und die Verstaatlichung von Banken zu fordern. „Doch die kurzfristige Befriedigung des Volkszorns hätte langfristig schlimme Konsequenzen“, warnt die schweizerische Zeitung. Und meint mit Blick auf Geithner: „Wenn nur auch die Banker so vernünftig wären!“ Denn die endlose Diskussion über Boni und Gehälter sei so deprimierend, weil die Banker uneinsichtig seien und sich krankhaft an die Vorstellung klammerten, einer Elite anzugehören und deshalb ein Naturrecht an einem Bonus zu haben. Fazit: „Das falsche Verständnis einer Elite ist ein entscheidender Hemmschuh für einen vernünftigen Kompromiss zwischen Banken und Politik.“

Cyberpresse Inc aus Kanada ist nicht überzeugt von Geithners Rettungsplan für die Banken. Der Teufel stecke nämlich im Detail. So bleibe beispielsweise unklar, wie die Regierung im Rahmen einer öffentlich-privaten Partnerschaft mit einem Fonds die Banken von faulen Wertpapieren befreien wolle: Wie viel zahlt der Fonds für die Wertpapiere, für die es in der Regel keinen Marktpreis gibt? – dies bleibe die zentrale Frage, die es zu klären gelte. „Zu den aktuellen Preisen, die im freien Fall sind, wollen die Banken ihre Aktiva nichtverkaufen. Sie ziehen es vor zu warten, in der Hoffnung, dass sich ihr Wert erholt. Die privaten Investoren wiederum möchten nicht viel Geld für die herabgesetzten Papiere investieren“, erklärt die Internetzeitung. Hinzu komme, dass die Regierung nicht klar gemacht habe, wie sie den erneuerten Plan zur Stabilisierung der Finanzmärkte finanzieren wolle. Im „Troubled Asset Relief Program“ seien nur noch 350 Millionen Dollar zur Verfügung. „Man muss schwarzsehen, wie die Regierung es schaffen will, bis zu zwei Billionen Dollar ins Finanzsystem zu injizieren.“

Das Wall Street Journal weiß, warum die Aktienmärkte negativ auf Geithners Plan reagiert haben – der Dow habe 382 Punkte verloren. „Der Finanzminister klebt an der Vorstellung, die Banken, die wir haben, so zu lassen, wie sie sind. Aber wir brauchen keine Zombie-Banken, die überfüllt sind mit schwachen Krediten – frag die Japaner.“ Stattdessen seien gesunde Banken mit sauberen Bilanzen und klarer Risikobewertung gefragt, um die Konsumenten und Firmen mit Krediten zu versorgen, die den Aktionären Erträge brächten. Geithners Plan, mit einem Fonds die faulen Wertpapiere aufzukaufen, sei zwar lobenswert, werde aber nicht funktionieren. Die Banken könnten schon heute ihre toxischen Papiere verkaufen, wollten es aber nicht zu den gegenwärtigen Preisen. Dies sei bereits im vergangenen Jahr im Rahmen des Troubled Asset Relief Program (TARP) gescheitert – würden Marktpreise für die giftigen Papiere bezahlt, führte dies zu riesigen Abschreibungen und zur Auslöschung und Insolvenz von Banken.

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