Internationale Presseschau vom 11.3.2009
Madoff stellt Ponzi in den Schatten

Die internationale Wirtschaftspresse kommentiert den Prozess um den mutmaßlichen US-Milliardenbetrüger Bernard Madoff. Im Wall Street Journal versichert Alan Greenspan, die Fed habe die Immobilienblase nicht verursacht. BusinessWeek zieht eine positive Zwischenbilanz für Ford-Chef Alan Mulally. Fundstück: Was Madoff mit Rommel und Attila verbindet.

Bevor der mutmaßliche US-Milliardenbetrüger Bernard Madoff am Donnerstag erstmals öffentlich vor Gericht aussagen und laut US-Medienberichten seine Schuld einräumen wird, hat die Staatsanwaltschaft gestern erklärt, Madoff müsse wegen insgesamt elf Anklagepunkten mit 150 Jahren Gefängnis rechnen. Der US-Wirtschaftsdienst Marketwatch applaudiert schon im Vorfeld dem Staatsanwalt Lev L. Dessin, der, indem er einen Deal mit Madoff gestern ausgeschlossen habe, den ersten Schritt zu einer öffentlichen Wiedergutmachung unternommen habe. Bislang sei Madoff den Behörden immer einen Schritt voraus gewesen: Er habe die Erlaubnis erhalten, in seinem "protzigen" Penthouse in Manhattan zu bleiben, habe die Ermittler daran hindern können, die Assets seiner Ehefrau zu beschlagnahmen, und, was "besonders unglaublich" sei, dafür gesorgt, dass kein anderer außer ihm angesichts des 50 Milliarden Dollar schweren Ponzi-Tricks beschuldigt wurde. Jetzt drohe Madoff indes ein Leben im Gefängnis, stellt der Wirtschaftsdienst mit Genugtuung fest. "Solche Strafen sind ein guter erster Gang einer sättigenden Mahlzeit für eine gerechtigkeitshungrige Öffentlichkeit. Dessin ist die Öffentlichkeit dankbar, weil er das Entrée zuerst serviert hat, jetzt erwartet sie aber noch mehr."

Nach Einschätzung der Financial Times hat Madoff mit seinem Betrug sogar die "Leistungen" von Charles Ponzi übertroffen, der Anfang des 20. Jahrhunderts als einer der größten Schwindler in die US-Geschichte einging. Madoffs gerühmte "split strike conversion"-Strategie, in die 100 größten US-Firmen zu investieren, sei mindestens ein Vierteljahrhundert lang eine Illusion gewesen - während Ponzis Betrug weniger als ein Jahr gedauert habe; mehr als 250 Millionen Dollar habe Madoff von seinen Investoren abgezapft und seinem beschädigten Geschäft und seiner Familie zugeschanzt. "Das ist ein großer Kontrast zu den meisten Finanzbetrügereien bei Investmentbanken und Asset-Managern, die als echte Bemühungen zum Verdienen von Geld begannen und erst in den Betrug mündeten, als die Dinge aus dem Ruder liefen", vergleicht das Blatt Madoff mit Nick Leeson & Co.

Die New York Times analysiert die Schäden des Madoff-Falls für die Branche der Fonds von Hedgefonds, also Fonds, die das Geld ihrer Anleger in andere Hedgefonds investieren. Diese hätten im zweiten Halbjahr 2008 rund ein Drittel ihrer Assets (umgerechnet über 300 Milliarden Dollar) verloren. Die gesamte Hedge-Fonds-Branche habe 2008 laut dem Datendienstleister Hedge Fund Research rund 21 Prozent eingebüßt. Durch die Verstrickungen der Fairfield Greenwich Group, einem der größten Investoren bei Madoff, sei das Vertrauen von Investoren weiter erodiert. Wegen der schwierigen Marktbedingungen zeichne sich eine Konzentration auf dem Markt der Fonds von Hedgefonds ab: Ende 2008 hätten die zehn größten Fonds rund 35 Prozent der Assets kontrolliert. Angeführt werde die Top-10 von UBS Global Asset Management, gefolgt vom ebenfalls schweizerischen Institut Union Bancaire Privée, das enge Beziehungen zu Fairfield Greenwich hatte und rund 700 Millionen Dollar bei Madoff investiert hatte.

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