Internationale Presseschau vom 11.9.2008
Methadon für die ölabhängigen Länder

Die internationale Wirtschaftspresse kommentiert die Opec-Entscheidung, die Produktion um 500.000 Barrel pro Tag zurückzufahren. Das Time Magazin bezweifelt Sarah Palins Sinn für sparsame Steuerpolitik. Die Frankfurter Rundschau spekuliert über den Einstieg der Deutschen Bank bei der Postbank. Fundstück: Bleeper hat den Charme eines Sahara-süchtigen Eisbären.
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"Kein Drogendealer braucht tote Kunden", erklärt der Business Spectator aus Australien, warum die Opec gestern ihre Produktion nur um 500.000 Barrel pro Tag zurückgefahren hat - so könne man dem Saudi-Regime nicht vorwerfen, zu starken Druck auf den Beschützer und Öl-Importeur USA auszuüben, andererseits sei der Ölpreis, wie gewünscht, prompt um einen Dollar gestiegen. Den Opec-Mitgliedern sei klar, dass die Öl-Quellen außerhalb ihres Kartells limitiert seien: Die Reserven in der Nordsee schrumpften rapide, gleiches gelte für Cantarell, das größte Erdölfeld Mexikos - was die mexikanischen Staatsfinanzen in die Krise stürzen könnte.

Russland versuche die Opec-Staaten auf seine Seite zu ziehen und so den Einfluss der USA auf dem Ölmarkt zu schwächen, schreibt die Internetzeitung Gazeta.ru. Das Portal weist darauf hin, dass an der Opec-Sitzung am Dienstag der russische Vize-Premier Igor Setschin teilgenommen habe. "Noch nie hat Russland einen so hochrangigen Vertreter nach Wien, wo die Ölförderländer tagen, geschickt." Seine Mission sei eindeutig die Stärkung der Kooperation zwischen der Opec und Russland gewesen. Einige Experten seien der Ansicht, dass Russland im Austausch für politische Unterstützung Waffen in den Nahen Osten liefern könnte. Allem Anschein nach seien die Ölländer nicht abgeneigt, mit Russland zu kooperieren, reagierten jedoch aus Rücksicht auf ihre Kunden im Westen zögerlich. Es sei wahrscheinlich, dass Russland vorschlägt, die nächste Opec Sitzung auf russischem Boden zu veranstalten. "Russland braucht verbündete in der Opec, um Amerika Paroli bieten zu können, das in letzter Zeit den Ölpreis nach unten drückt", kommentiert die Internetzeitung.

Der Standard aus Wien glaubt, dass die Opec-Mitglieder hinter den Kulissen um eine Strategie für die Zukunft ringen. Das Ölkartell habe seine Hoch-Zeit Anfang der Siebzigerjahre gehabt, als die Scheichs in Reaktion auf den Einmarsch israelischer Soldaten in Ägypten eine Ölkrise herbeigeführt und weltweite Erschütterungen verursacht hätten. Damals habe die Opec an der weltweiten Ölförderung einen Anteil von 54 Prozent gehabt, heute nur noch von knapp 40 Prozent. Während Länder wie der Iran, Venezuela und Libyen möglichst hohe Preise sehen wollten, um solange es noch geht "voll abzucashen", wolle Saudi-Arabien, aus Angst vor einem weltweiten Abschwung, der von anhaltend hohen Rohölpreisen verstärkt würde, den Ölhahn auch offen lassen.

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