Internationale Presseschau vom 11.9.2009
Beruhigungspille aus Detroit

Die internationale Wirtschaftspresse kommentiert das Votum von General Motors, Opel an Magna zu verkaufen. Laut Portfolio wird die Bank of America von der Vergangenheit eingeholt. Les Echos zieht Lehren aus der Boni-Klage von Commerzbank-Mitarbeitern. RBCdaily freut sich über den Erfolg der russischen IT-Branche. Fundstück: Schuldenabbau als Musical.

Der GM-Verwaltungsrat hat sich geeinigt: Der US-Autobauer General Motors verkauft seine Tochter Opel mehrheitlich an Magna. Nach Einschätzung der Financial Times Deutschland ist mit der politischen Lösung noch keine wirtschaftliche erzielt worden. Besonders hinter Magna setzt das Blatt ein Fragezeichen. Als Eigentümer eines Automobilkonzerns betrete der Zulieferer unternehmerisches Neuland. "Doch die meisten Automobilexperten rätseln über den wirtschaftlichen Sinn seiner Pläne. Fest dürfte nur stehen: Magna verspricht sich Nutzen von dem Geschäft. Wir wissen nur noch nicht, welchen. Wir dürfen gespannt sein - und weiter warten."

Das Wirtschaftsblatt aus Österreich sieht in der Entscheidung von GM-Chef Fritz Henderson eine "Wette, über deren Gewinnverteilung wir erst in der Zukunft Klarheit gewinnen". Die Bewertung der Wette erfolge durch den US-Staat, die Arbeitnehmer, die Geschäftspartner, aber auch die neuen Eigentümer. "Fragen wir also ihre Vertreter in einem Jahr, ob der Zuschlag an Magna die richtige Wahl war. Das entscheidet über den Wettausgang. Der Gewinner bekommt den Einsatz. Es fehlen nur noch diejenigen, die dagegen halten. Neben Stakeholdern könnten das alle Investoren sein, die riskante Optionsgeschäfte suchen."

"Den Liebesdienst, den die amerikanische Regierung als GM-Mehrheitseigentümerin den Regierungsparteien erweist, wird sie sich bezahlen lassen", blickt das mit dem Grimme-Preis ausgezeichnete Blog Carta nach Berlin. Da sich Bundesregierung, Landesregierungen und der Opel-Betriebsrat zu schnell und zu eindeutig auf den österreichisch-kanadischen Zulieferer Magna und die russische Sber-Bank festgelegt hätten, sei es GM und der US-Regierung gelungen, kühl und berechnend die Zwangslage zu nutzen und mit der Drohkulisse, Opel einfach zu behalten und die deutschen Standorte dicht zu machen, die Betriebsratsführung von Opel, CDU und SPD an die Wand zu spielen. Für Opel beginne der schwerste Teil der Sanierung nach der Wahl. "Dann geht es um die Zukunft. Und um die Arbeitsplätze in Bochum, Rüsselsheim und Eisenach."

Die Süddeutsche Zeitung geht davon aus, dass mit der Entscheidung von GM das "Rumgeeiere" der vergangenen Monate eine unrühmliche Fortsetzung finden werde, nur auf einem höheren Niveau. Denn klar sei einzig und allein, dass General Motors für die in Aussicht gestellte Transaktion mit Magna die Bedingungen stelle. "Gnadenlos interessengeleitet wird GM die für den US-Konzern wichtigen Eckpunkte definieren, und die werden vermutlich so ausgestaltet sein, dass der österreichisch-kanadische Autozulieferer Magna und seine Partner aus Russland daran wenig Freude haben werden." Am Ende könnte sogar der ganze Deal "grandios platzen". Fazit: "Die Entscheidung des GM-Verwaltungsrats, Opel an Magna verkaufen zu wollen, ist jedoch nicht mehr als eine Beruhigungspille aus Detroit. Und die könnte für die Bundesregierung am Ende sehr, sehr bitter schmecken."

Besorgt äußert sich die spanische Wirtschaftszeitung Expansión über den bekanntgewordenen Beschluss von General Motors, Opel an den Autoteilzulieferer Magna abzugeben. Damit sei das Schicksal der Mitarbeiter am Opel-Werk in Saragossa - immerhin das größte in Europa - völlig ungewiss. Schon im Vorfeld habe Magna angekündigt, gerade in Saragossa bis zu 1600 Arbeitsplätze abbauen zu wollen. Bessere Chancen auf den Erhalt des Werkes habe man sich im Fall der Übernahme von Opel durch den belgischen Investor RHJ ausgemalt. Aber auch General Motors selbst hätte hauptsächlich in Deutschland Arbeitsplätze abgebaut, vermutet die Zeitung.

Als Telenovela bezeichnet ilsole24ore den Opel-Magna-Deal, und als Protagonisten seien Opel, die Russen, die Deutschen und die Amerikaner aufgetreten. In diesem Durcheinander sei nur Eines sicher, das weder politisch noch finanziell begründet sei: Es werde weiterhin die Turbo-Diesel-Technologie eingesetzt, die von Fiat in Zeiten des Joint-Venture mit General Motor entwickelt wurde. Nun sei die Nicht-Fusion mit Opel eine verpasste Chance für Fiat, und Fiat-Chef Sergio Marchionne sei nicht nicht einen Schritt weiter mit seiner Strategie, Fiat zu einem kontinentalen und weltweiten Marktführer auszubauen. Nur dann könne ein Produktionsvolumen erreicht werden, das eine kostendegressive Herstellung mögliche.

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