Internationale Presseschau vom 12.12.2008
Dominoeffekt in Detroit

Nachdem das Hilfspaket für die US-Autoindustrie im US-Senat geplatzt ist, rechnet die internationale Wirtschaftspresse mit gravierenden Folgen für Zulieferer und ausländische Autobauer. Die Süddeutsche Zeitung verteidigt Peer Steinbrück. Vedomosti beobachtet die Einkaufstour von Daimler in Russland. Fundstück: Gazprom ist auf den Bären gekommen.

Das 14-Milliarden-Dollar-Hilfspaket für die angeschlagene US-Autoindustrie ist im US-Senat geplatzt. Die Senatoren lehnten das Hilfsprogramm am Donnerstagabend mit 52 zu 35 Stimmen ab. "Das Scheitern der Gespräche bedeutet eine große Niederlage für die drei Unternehmen und die Auto-Gewerkschaft, die einst großen politischen Einfluss besaß", schreibt das Wall Street Journal. Das Blatt berichtet, dass sich die Hoffnungen der Autobauer nun auf das Weiße Haus richteten: Das Finanzministerium solle einlenken und General Motors, Chrysler und Ford Zugang zum 700 Milliarden Dollar schweren Wall-Street-Rettungspaket ermöglichen. Währenddessen rüste sich GM für eine mögliche Insolvenz und habe den "Bankrott-Veteranen" Harvey Miller von der New Yorker Kanzlei Weil Gotshal & Manges LP ins Haus geholt; Miller habe die Insolvenzen von Lehman Brothers und Marvel Entertainment Group begleitet. Bisher habe GM-Chef Rick Wagoner eine Insolvenz ausgeschlossen, um Autokäufer nicht abzuschrecken. In dieser Woche werde sich GM mit den Händlern zusammensetzen, um über eine neue Werbekampagne zu diskutieren, die den Absatz ankurbeln solle. Außerdem würden Diskussionen über die Zukunft der GM-Marke Saturn geführt, für die möglicherweise separat vom Mutterhaus Insolvenz angemeldet werde.

Die Daily News Tribune meint nach dem Scheitern im US-Senat, dass eine Insolvenz zumindest der Autobauer GM und Chrysler schließlich der beste Weg sein könnte, um die Industrie zu restrukturieren - dies ebne den Web für neue Firmen, die bessere Autos bauen könnten, mit einem Geschäftsmodell, das nicht durch Entscheidungen gehemmt werde, die vor einem halben Jahrhundert getroffen worden seien. Gleichwohl sei kaum vorstellbar, dass eine Insolvenz kurzfristig andere Folgen haben würde, als die schon torkelnde Industrie weiter in den Kollaps zu drängen. "Keiner weiß genau, welche Konsequenzen sich daraus für das Land ergeben würden, falls man die beiden Autofirmen liquidieren würde, aber es lohnt sich, 14 Milliarden Dollar und drei Monate Wartezeit zu riskieren, um dies nicht herausfinden zu müssen."

Die New York Times erwartet eine Kettenreaktion bei den Zulieferern der drei Unternehmen aus Detroit. GM und Chrysler müssten ihren Zulieferern noch Rechnungen in Höhe von rund zehn Milliarden Dollar bezahlen, für Teile, die bereits geliefert worden seien; GM habe die Zahlungen vor Wochen ausgesetzt, Chrysler zahle in kleinen Schritten. Da viele der Zulieferer, die insgesamt doppelt so viele Arbeiter beschäftigten wie die Autobauer selbst, ebenfalls an der Schwelle der Insolvenz operierten und selbst nicht den Luxus besäßen, ihre Kreditlinien zu erweitern, sei mit einem fatalen "Dominoeffekt" in der gesamten Autobranche zu rechnen. Hintergrund: Da die Zulieferer nicht nur US-amerikanische, sondern auch ausländische Autobauer mit Fabriken in den USA belieferten, wären auch Toyota, Honda und Nissan betroffen. Die Beratungsfirma Plante & Moran aus Detroit rechne damit, dass die Zahl der Autozulieferer in den kommenden drei Jahren auf 1500 halbiert werde.

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