Internationale Presseschau vom 12.2.2009
Der Geist, den Sarko rief

Die internationale Wirtschaftspresse warnt vor dem Gespenst des Protektionismus, das Europa und die USA bedrohe. Carta hält die deutsche Schuldenbremse für illusorisch. Der Corriere della Sierra ist unzufrieden mit der bisherigen Leistung von Barack Obama. Outlook India deutet die Vorboten eines wirtschaftlichen Abschwungs in Indien. Fundstück: Mein Freund Robo.

Die Zeit warnt vor dem Gespenst des Protektionismus, das in den USA und Europa wiederkehre. Zwar sei seine Botschaft verführerisch: Es verspreche den Menschen Rettung vor wirtschaftlicher Bedrängnis und appelliere an das nationale Eigeninteresse. Doch dies sei ein gefährliches Spiel: "Wer die Büchse der Pandora auch nur ein wenig öffnet, um sich kurzfristig innenpolitische Entlastung zu verschaffen, mag erleben, dass sich der Geist - einmal entfleucht - nicht so leicht zurückbringen lässt." Als Beispiel verweist der Autor auf den Appell von Frankreichs Präsident Nicolas Sarkozy an die großen Unternehmen des Landes, unvermeidliche Entlassungen auf Zweigwerke im Ausland zu beschränken. Mit Blick in die USA schreiben die Hamburger, dass sich Europa angesichts des gewaltigen US-Konjunkturpakets nicht sicher sein könne, ob der neue Präsident sein Bekenntnis zu freiem Handel in die Tat umsetzen wolle - weshalb John Bruton, Repräsentant der EU in Washington, vor einem möglichen Handelskrieg gewarnt habe. "Man kann nur hoffen, dass es noch gelingt, aus dem Paket einige besonders giftige Elemente zu entfernen. Europa aber wäre in einer moralisch stärkeren Position, würden nicht viele seiner Regierungen im Glashaus sitzen."

Das französische Wirtschaftsmagazin Challenges berichtet, dass Nicolas Sarkozy gestern den Vorwurf des Protektionismus zurückgewiesen hat. Dass Paris anrege, neue Motoren in französischen Fabriken zu bauen, sei, so Sarkozy, "absolut normal". Der Rettungsplan für die Autoindustrie diene auch den europäischen Nachbarn, schließlich seien in den vergangenen drei Jahren rund eine Million französischer Autos im Ausland hergestellt worden. Auch Europaminister Bruno Le Maire habe die Kritik zurückgewiesen. Von Protektionismus könne nur dann die Rede sein, falls man anderen Ländern untersagte, ihre Produkte in Frankreich zu verkaufen.

"Was ist bloß mit ,Sarko' los?", wundert sich die Presse aus Österreich. Binnen Kurzem habe Frankreichs Präsident die Tschechen verärgert, die Deutschen und Schweden brüskiert und die ungewisse Ratifizierung des Lissabon-Reformvertrages noch stärker gefährdet. Seine Kritik am Bau von Autos in Tschechien, die in Frankreich verkauft werden, zeige ein merkantilistisches Verständnis von Wirtschaft, das den Franzosen im Allgemeinen und Sarkozy im Speziellen nicht fremd sei. So habe Sarkozy als Wirtschaftsminister 2004 die Fusion der Arzneimittelhersteller Sanofi und Aventis gefördert und den Energiekonzern Alstom vor der Übernahme durch Siemens geschützt. Auf der Suche nach den Ursachen von Sarkozys "erratischem Stil", mit dem er Freunde wie Deutschland zu verlieren und den Rest Europas zu verstören drohe, zitiert das Blatt den Pariser Politologen Christian Lequesne: "Für Sarkozy bedeutet Politik, Probleme zu lösen. Er hat hinsichtlich Europas keine Ideologie. Gut ist, was funktioniert."

Seite 1:

Der Geist, den Sarko rief

Seite 2:

Seite 3:

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%