Internationale Presseschau vom 12.3.2009
Schluss mit den galaktischen Gehältern

Nicht nur die Bundesregierung, sondern auch die internationale Wirtschaftspresse diskutiert über die Gehälter von Führungskräften. Forbes dokumentiert die Rückschläge der Reichsten der Welt. Das Wall Street Journal meint, Buffett sei zu bearish. Kommersant beobachtet den Höhenflug deutscher Autobauer in Russland. Fundstück: Kreatives Putzen.

Die deutsche Regierung hat gestern schärfere Regeln für Vorstandsgehälter beschlossen. Demnach müssen Vorstände von Unternehmen Aktienoptionen künftig länger als bisher halten; eine Obergrenze für Gehälter gibt es vorerst nicht. Auch die internationale Wirtschaftspresse diskutiert über die Gehälter von Führungskräften. „Die Zeit der Exzesse ist bei der UBS endgültig vorbei“, begrüßt die Neue Zürcher Zeitung die Tatsache, dass die Großbank die Gehälter ihrer Manager für 2008 auf insgesamt 21 Millionen Franken gestutzt hat – weniger als allein Marcel Ospel im Spitzenjahr 2006 bezogen habe. „Statt sich in den guten Jahren zu mäßigen und der weitherum aufflammenden Kritik an den galaktischen Salären Rechnung zu tragen, haben sie den Bogen überspannt. Nun, nach der Hilfestellung des Staates, bekommen sie den Unmut der Bürger und Politiker umso stärker zu spüren“, rekapituliert das Blatt. Vor diesem Hintergrund blickt die NZZ skeptisch auf Forderungen nach gesetzlichen Lohnbegrenzungen. „Denn in der UBS ist offensichtlich Einsicht eingekehrt, und wenn die Zeiten wieder besser werden, muss die Bank in der Lage sein, Spitzenkräfte anzuziehen und zu halten.“

Die Financial News greift das Thema Banker-Boni mit einem Ranking der „sieben Todessünden“ von Firmen aus dem Finanzsektor bei der Vergütung ihrer Führungskräfte auf. Nummer eins: die Annahme, der Gewinn je Aktie sei der Hauptantrieb des Shareholder Value – in Wirklichkeit korreliere der Gewinn je Aktie nicht mit dem langfristigen Aufbau von Shareholder Value und könne beispielsweise durch eine veränderte Bilanzierungsmethode beeinflusst werden. Ebenso irrig sei die These, dass die Aktienrendite als einziges Performance-Maß genüge – obwohl die Aktienrendite von Faktoren jenseits der Kontrolle des Managements abhänge, darunter makroökonomischen Faktoren, Marktrends und spezifischen Wettbewerbsfaktoren im eigenen Marktsektor. Top-3: Balanced Scorecards seien der beste Rahmen zur Bewertung von Leistung – der holistische Ansatz zur Dokumentation der Ergebnisse lege das Gewicht normalerweise gleichermaßen auf finanzielle sowie andere operative und strategische Ziele, obwohl Scorecards gerade dann auch effektiv sein könnten, falls sie nicht ausgeglichen seien, also flexibel Schwerpunkte auf einzelne Ziele legten und sich auf weniger Kennzahlen konzentrierten.

Die britische Financial Times blickt auf den G-20-Gipfel im April in London und meint, dass Diskussionen über Banker-Boni derzeit sekundär seien – die hätten den „Schein einer Übersprungshandlung“. Angesichts der täglichen Meldungen über die Auswirkungen des weltweiten Abschwungs – gestern: die Aufträge der deutschen Industrie seien im Januar um acht Prozent gegenüber dem Vormonat gesunken – müssten die Politiker dringend eine globale Kooperation zur Bekämpfung der Wirtschaftskrise knüpfen, statt sich durch schlagzeilenträchtige Initiativen bei Boni und Steueroasen entzweien zu lassen. „Der entscheidende Punkt beim Gipfel besteht darin, Wege zu finden, um Kredite in der Weltwirtschaft wieder fließen zu lassen. Sonst können die Fabriken, die zeitweise den Betrieb eingestellt haben, nicht wieder öffnen, weil es keine neuen Aufträge gibt, wegen der es sich lohnte.“

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