Internationale Presseschau vom 12.5.2009
GM Fiat: „Den Schwarzen Peter hat nun Berlin“

Nach der Forderung von GM Richtung Deutschland, Opel bald zu verkaufen, diskutiert die internationale Wirtschaftspresse erneut Für und Wider der Angebote von Fiat und Magna. Fortune porträtiert den erfolgreichen Ford-Chef Alan Mulally. Les Echos sieht einen neuen Währungskrieg heraufziehen. Fundstück: Vom Tellerwäscher zum enttäuschten Bürger.

In einer Zwickmühle wähnt die Börsen-Zeitung den deutschen Wirtschaftsminister Karl-Theodor zu Guttenberg. Weil die Hektik um eine Lösung für die deutsche GM-Tochter Opel zunehme, habe der Mutterkonzern verlangt, dass bis Ende Mai für Opel ein Käufer gefunden sein müsse. „Geschickt hat der neue GM-CEO Fritz Henderson dabei den Schwarzen Peter nach Berlin geschoben“, kommentiert das Blatt, denn wie in den USA, werde damit auch in Deutschland die Rettung der Autoindustrie zum Politikum. „Dass US-Präsident Barack Obama mit Chrysler den kleinsten der früher als Big Three bezeichneten US-Hersteller in den Gläubigerschutz nach Chapter 11 schickte, geht gerade auch darauf zurück, dass Obama große Stücke auf die Turnaround-Künste von Fiat-Lenker Sergio Marchionne hält.“ Ob es die Bundesregierung wagen könne, einer Übernahme von Opel durch Fiat zu widersprechen? „Die jetzt ins Spiel gebrachte Treuhand-Brückenlösung für Opel mutet wie der verzweifelte Versuch Guttenbergs an, Zeit zu gewinnen, um noch widerstrebende Kräfte wie Opel-Belegschaft und Landeschefs auf Linie zu bringen.“ Es gebe die Zusage, auf eine Schließung von Montagewerken hierzulande zu verzichten, bei Fiat und Opel würden „nur“ 22 % der Kapazitäten heruntergefahren, GM Europe habe eingeräumt, über 30 % Überkapazität zu verfügen. Und Marchionne verfolge den sehr ehrgeizigen Plan, die wichtigen Plattformen für Fiat, Chrysler und Opel zu vereinheitlichen. „Das kann der Zulieferkonzern Magna beileibe nicht bieten.“

Deutschland müsse sich weder gegen Fiat noch gegen Magna entscheiden, meint die Financial Times. „Der Plan von Fiat-Boss Sergio Marchionne ist einfach kohärenter, er will einen neuen Europameister schaffen, der – wenn er erfolgreich ist – Konkurrenten wie Volkswagen oder Toyota Paroli bietet.“ Das von Magna schnell zusammengestoppelte Konzept beinhalte dagegen das mit Risiko zu bewertende Engagement des russischen Autoherstellers GAZ. „Die Deutschen sollten sich bewusst machen, dass GAZ-Oligarch Oleg Deripaska ein nicht berechenbarer Partner ist.“ Dass die deutsche Regierung sich nur vorsichtig mit Fiat anfreundet, könne auf Lobbyarbeit von VW zurückzuführen sein, vermutet die Zeitung: „Schließlich wünscht sich VW keinen starken Mitbewerber in seinem eigenen, deutschen Hinterhof." VW würde Opel vielleicht lieber scheitern sehen. Am Ende aber werde sich eine pragmatische Lösung durchsetzen: „Magna sollte clevere Realpolitik betreiben und sich mit Fiat zusammenschließen. Das würde Berlin in die Lage versetzen, die Opel-Krise schnell vom Tisch zu bekommen, Marchionne könnte die Führung übernehmen, Magna wäre Partner einer der größten europäischen Automobilgruppen – ohne die unangenehme Kooperation mit russischen Verbündeten suchen zu müssen. „VW-Boss Ferdinand Piëch würde das nicht gefallen, aber das wäre nicht so schlimm.”

„Wie auch immer ein Deal für die Europa-Geschäfte aussieht, GM wird nicht zwangsläufig das traditionell profitable Lateinamerika-Geschäft dabei einschließen“, bemerkt die New York Times mit Blick auf die Ambitionen von Fiat-Chef Sergio Marchionne. Lateinamerika habe den Detroitern in den letzten Jahren solide Ergebnisse geliefert. Zudem verlange GM einen Anteil von 30 Prozent, sollte Fiat den Zuschlag für die Europa- und Lateinamerikaeinheiten bekommen, Marchionne habe sich auf weniger als zehn Prozent eingestellt. „Die beiden Unternehmen sind noch immer weit von einer möglichen Einigung entfernt.“

Vedomosti hält die Pläne des österreichisch-kanadischen Zulieferers Magna, nach einer möglichen Opel-Übernahme jährlich rund eine Million Fahrzeuge der GM-Tochter in Russland zu verkaufen, für „pure Fantasie“. Dafür reichten auch die Produktionskapazitäten nicht aus. Der russische Autobauer GAZ, der zusammen mit Magna an Opel interessiert sei, könne zwar seine nicht ausgelasteten Standorte zur Verfügung stellen. Diese reichten aber nur für 200.000 zusätzliche Fahrzeuge. Bisher sei Opel in der Lage, insgesamt rund 1,5 Millionen Autos im Jahr zu fertigen. „Angesichts der Größe des russischen Marktes, ist der angepeilte Absatz von einer Million Fahrzeugen im Land zu ambitioniert“, schreibt die Zeitung. Im letzten Jahr seien fast drei Millionen Fahrzeuge verkauft worden. Der Plan könne eigentlich nur durch die Übernahme des anderen russischen Herstellers WAZ funktionieren, doch dieser befinde sich bereits in einer Allianz mit Renault.

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