Internationale Presseschau vom 12. Oktober 2009
Citigroup Phibro: „Abschied vom Bonus-Krösus Hall“

Die internationale Wirtschaftspresse analysiert die Hintergründe für den Verkauf der Citigroup-Rohstoffsparte Phibro an Occidental. La Tribune sieht die Zukunft des Autos in China. Cinco Días bestaunt höhere Dividenden bei Telefónica. Der Business Spectator befürchtet, dass sich Australien in ein Schwellenland entwickelt. Fundstück: Luxus kommt teuer zu stehen.
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Als „jüngste Episode im anhaltenden Rückzug talentierter Händler von der Wall Street“ wertet die Financial Times die Entscheidung der Citigroup, sich von ihrer Rohstoffsparte Phibro und ihrem Star-Händler Andrew Hall zu trennen. Sie sei mitten in die Debatte um Halls möglichen Jahresverdienst in Höhe von 100 Millionen Dollar geplatzt - dass die Regierung Druck auf die Citigroup ausgeübt habe, sei wahrscheinlich. Eine wachsende Zahl von Händlern, die sich auf Rohstoffe spezialisiert hätten, verließen Banken, um bei Handelshäusern, Ölkonzernen oder Hedgefonds anzuheuern, weil sie die Diskussionen über Gehälter und Boni missbilligen. „Wer will schon an der Wall Street als Händler tätig sein, wo die Behörden den eigenen Lohn festlegen?“ Dass Phibro nun an Occidental gehe, sei ein Beispiel von vielen: Firmen wie Vitol, Glencore, Trafigura, Gunvor oder Mercuria hätten in jüngster Zeit nur allzu gern Mitarbeiter von Banken eingestellt, die sich im Rohstoffhandel auskennen. Und auch BP und Shell hätten verstärkt Mitarbeiter aus Investmentbanken geworben.

Nicht ohne Risiko sei die Übernahme von Phibro für Occidental, gibt das Wall Street Journal zu Bedenken. „Die in Los Angeles angesiedelte Ölfirma war lange Zeit dafür bekannt, auf Nummer Sicher zu gehen. Während die Konkurrenz sich in Anlagen oder neuen Geschäftsfeldern verhedderte, häufte Occidental Geld an, baute Schulden ab und lehnte jegliche Festlegung hinsichtlich zukünftiger Märkte ab. Und nun diese Kehrtwende um 180 Grad.“ Occidental-Präsident Steve Chazen meine, dass die Übernahme von Phibro keine Wende und kaum riskant sei, immerhin habe der Rohstoffhändler in guten wie in schlechten Zeiten Geld verdient, sei nicht durch ungedeckte Geschäfte aufgefallen oder den Handel mit exotischen Derivaten. Dennoch: „Mit dem Erwerb von Phibro steigt Occidental in die Klasse der global agierenden Rohstoffhändler auf - und setzt sich damit zwangsläufig einem größeren, finanziellen Risiko aus.“

Die Financial Times Deutschland glaubt dagegen, dass mit Phibro eine neue Epoche für Occidental anbricht. Es sei offensichtlich, dass die Citigroup sich schnell ihres „Bonus-Krösus“ Andrew Hall habe entledigen wollen und mit dem Verkauf von Phibro hoffe, sich weitere Kritik zu ersparen. Der nun erzielte Preis sei deshalb nach Meinung von Analysten zu gering: Die Citigroup verschenke die Sparte regelrecht, und Occidental habe ein echtes Schnäppchen gemacht. Nun liege die Firma in Bezug auf Rohstoffhandel gleichauf mit BP und anderen Größen im Ölgeschäft. „Rohstoffspekulation ist für Konkurrenten wie BP und Shell schon länger eine lukrative Ertragsquelle. Zahlen veröffentlichen sie zwar nicht, Äußerungen des Topmanagements lassen aber Rückschlüsse auf die Profitabilität zu.“ Occidental-Präsident Steve Chazen frohlocke schon: „Die Rendite dieses Investments ist höher als die einer Ölquelle.“

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