Internationale Presseschau vom 13.1.2009: Citigroup: Der Anfang vom Ende?

Internationale Presseschau vom 13.1.2009
Citigroup: Der Anfang vom Ende?

Die internationale Wirtschaftspresse sieht in einem möglichen Joint-Venture von Citigroup und Morgan Stanley den Beginn einer neuen Ära. Les Echos benennt die Probleme der deutschen Wirtschaft. Die Nesawissimaja Gazeta glaubt, dass die EU durch ihr Vorgehen Gazprom hilft. Fundstück: Kleine Körbchengrößen sind gut für Amerika.

"Die Verzweiflung der Citigroup ist der Triumph von Morgan Stanley", kommentiert das US-Finanzportal The Street.com die Pläne, die Broker-Tochter Smith Barney in ein Joint Venture mit Morgan Stanley einzubringen. Citigroup-CEO Vikram Pandit habe Smith Barney nicht verkaufen wollen, denn wenn sie deren Kontrolle aufgebe, würde der Druck, das ganze "Misch-Masch" des Finanzkonzerns zu entwirren, steigen. Der nun im Raum stehende Deal mit Morgan Stanley sei jedoch ein Quasi-Verkauf: "Und die zwei bis drei Milliarden US-Dollar, die Morgan für 51 Prozent an Smith Barney zahlen würde, klingen ziemlich billig" - verglichen mit den 45 Milliarden US-Dollar, die die Citigroup aus dem US- Rettungsfonds erhalten habe. "Es ist der erste Schritt auf einem rutschigen Abhang. Denn wie immer der Deal ausgeht: der Appetit der Investoren auf weitere Citigroup-Bestandteile wird angeregt. Das könnte der Anfang vom Ende sein."

Einen konsequenten Schritt könne das Joint Venture aus Sicht der NZZ darstellen. So sei die Auftrennung des Finanzkolosses Citigroup von Investoren und Branchenanalytikern zunehmend lauter gefordert worden, Druck habe auch die US-Regierung ausgeübt. Nun habe bei der Citigroup ein Umdenken stattgefunden, der Rücktritt von Berater Robert Rubin zeige dies deutlich. Das Unternehmen habe Verluste geschrieben, sich von weniger attraktiven Aktien und Konzerneinheiten getrennt und neue Strukturen geschaffen. "Dennoch sind im Urteil von Branchenkennern die erhofften Synergien nicht eingetreten. Dass sich die Citigroup nun von Smith Barney trennen will, läutet zweifellos eine neue Ära ein." Sollte aus dem Joint Venture eine eigenständige Gesellschaft werden, wie Experten vermuteten, würde sich die Landschaft im New Yorker Finanzdistrikt erneut verändern - "nachdem während Jahren praktisch sämtliche selbständigen Broker von größeren Unternehmen absorbiert worden und die großen Investmentbanken von der Bildfläche verschwunden sind."

Beunruhigende Fragen leitet der Economist aus Großbritannien aus den Gesprächen über ein Joint Venture ab. "Das Broker-Geschäft hat zuletzt ein Sechstel der Einnahmen der Citigroup ausgemacht. Es ist eine relativ stabile Einkommensquelle. Hinzu kommt, dass CEO Vikram Pandit immer beteuert hat, an dem Universalmodel - eine Mischung aus Brokerage und Privatkundengeschäft - festhalten zu wollen. Warum also macht er nun das Gegenteil?" Die einzige Antwort könne sein, dass die Citigroup dringend Geld brauche. Die bis zu drei Milliarden US-Dollar, die Morgan Stanley zahlen wolle, seien zwar nicht üppig, aber "niedrige Preise sind besser als gar keine." Der Deal habe für beide Firmen außerordentliche Bedeutung: Mit der Aufgabe von Smith Barney würde sich die Citigroup von ihrem "Finanz-Supermarkt-Modell" verabschieden. Heraus käme ein neues Unternehmen, das sich dem Konsumkreditgeschäft, dem Firmenkundengeschäft und den Bezahlsystemen widme. Morgan Stanley würde dagegen sein Privatkundengeschäft stärken.

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