Internationale Presseschau vom 13.11.2008
Der Virus der Subventionen

Die internationale Wirtschaftspresse analysiert die Krise der Autowirtschaft und Risiken staatlicher Finanzspritzen. BusinessWeek begrüßt die Kehrtwende von Henry Paulson. Das Wall Street Journal rechnet mit einem Abschied von Citi-Oberkontrolleur Sir Win Bischoff. Gazeta.ru befürchtet einen Rubel-Sturz. Fundstück: billige deutsche Frisuren.

In der New York Times analysiert Pulitzer-Preisträger Thomas L. Friedman die Krise der US-Automobilindustrie. Die Kombination aus einer wenig innovativen Geschäftskultur, visionslosen Managern und generösen Tarifverträgen habe dazu geführt, dass General Motors zweitweise nur Geld verdienen konnte, indem große, viel Sprit schluckende SUVs und Trucks verkauft werden - statt Innovationen im Bereich des effizienten Einsatzes von Benzin anzustreben, sei viel zu viel Energie in die Lobbyarbeit zur Protektion der Spritschlucker gesteckt worden, so der Vorwurf des Kommentators. Schuld an der Misere sei außerdem die "Michigan-Delegation" im Senat und Repräsentantenhaus, die Jahr für Jahr so votiert habe, wie sie vom Autobauer und den Gewerkschaften instruiert worden sei. Sollten Autobauer wie GM Steuergeld erhalten, so Friedman, müsse jeweils der komplette Vorstand und Verwaltungsrat ausgetauscht werden; außerdem müsse jede Firma einen Plan vorlegen, wie jedes Modell der eigenen Flotte in einen Hybrid mit Flex-Fuel-Antrieb umgewandelt werden könne.

"Die US-Regierung wird GM, Ford und Chrysler nicht pleitegehen lassen, das wäre so, als bräche in Deutschland VW zusammen und zöge in einem Daimler, BMW und die ganzen Zulieferer mit sich", zitiert die Zeit einen deutschen Automobilmanager. Sollte der Autobauer jedoch von der US-Regierung gerettet werden, schreiben die Hamburger, drohe ein Subventionswettlauf. Die in die roten Zahlen gerutschte europäische GM-Tochter Opel habe in einem Brief bereits Angela Merkel aufgefordert, sich in Bru¨ssel fu¨r das vom europäischen Autoherstellerverband Acea geforderte zinsverbilligte Kreditpaket (Volumen: 40 Milliarden Euro) stark zu machen und nationale Hilfen wie eine "Abwrackprämie" fu¨r eine schnelle Ankurbelung des Absatzes draufzulegen. Die US-Subventionen könnten auch die deutschen Automanager von Daimler, BMW, Volkswagen/Audi und Porsche nicht kaltlassen: Die weltweite Absatzkrise habe die Manager dazu animiert zu prüfen, ob auch ihre Autobanken auf die staatliche Bankenbu¨rgschaft zuru¨ckgreifen sollen. Bis ins ferne Australien hab sich der Subventionsvirus sogar bereits verbreitet: Die Regierung habe beschlossen, den dort produzierenden Herstellern Toyota, GM und Ford Subventionen in Höhe von umgerechnet 3,3 Milliarden Dollar zukommen zu lassen.

Das französische Aktienportal Boursier.com meint, dass das Schreckgespenst des Bankrotts bei General Motors stärker denn je sei, gleichwohl wäre nichts gewonnen, stellte sich der Autobauer unter das schützende Dach des US-Insolvenzrechts, das in Schwierigkeiten geratenen Firmen gemeinhin Vorteile bietet. In dieser Situation brauche GM in erster Linie Liquidität, weniger aber den Schutz vor Gläubigern. Doch die Chancen des angeschlagenen Autobauers auf neue Kredite seien gering, weshalb staatliche Subventionen unumgänglich seien.

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