Internationale Presseschau vom 13.2.2009
Abkehr von der Gier

Die internationale Wirtschaftspresse begrüßt die Beschneidung von Banker-Boni, sieht jedoch eher die Aktionäre als den Staat in der Pflicht. Das Wall Street Journal glaubt an eine Wiederwahl von Angela Merkel. gazeta.ru beobachtet den Niedergang des Oligarchen Oleg Deripaska. Yenisafak sieht die Türkei auf Syrien-Kurs. Fundstück: Nigeria, bitte kommen.

Die Japan Times begrüßt die Bestrebungen u.a. in den USA, Frankreich und Großbritannien, Banker-Boni zu beschneiden. "Die Bonus-Kultur und das Vorzeigen von Reichtum der vergangenen Jahre sollten in dieser Rezession beendet werden und auch nicht zurückkehren dürfen, wenn sich die Wirtschaft wieder erholt." In der Praxis könne die "Rückkehr der Gier" nicht durch einen Erlass der Regierung verhindert werden. Solange die Banken zumindest teilweise in öffentlicher Hand seien, könnte die Regierung jedoch in ihrer Funktion als Anteilseigner Boni-Zahlungen verhindern. Nachdem die Banken reprivatisiert wurden, müssten die Aktionäre und Aufsichtsräte auf der Beschneidung bestehen. Außerordentliche Leistungen über einen längeren Zeitraum, schlägt das Blatt vor, sollten ausschließlich mit Aktien honoriert werden, die erst nach einem längeren Zeitraum verkauft werden können.

Die Frankfurter Rundschau ärgert sich über gierige Investmentbanker wie von Dresdner Kleinwort, die darauf pochten, dass ihre Boni in Höhe 400 Millionen Euro vom neuen Eigentümer Commerzbank, wie einst versprochen, ausgezahlt werden - und andernfalls klagen wollten. Statt die Boni auszuzahlen, meint die "FR", müssten die Investmentbanker leer ausgehen oder sogar zurückzahlen, was sie an Boni abgestaubt hätten, als sie "sich wie Zocker verhielten und die Krise provozierten". Außerdem müsse die Politik dafür sorgen, dass die Branche wieder der Allgemeinheit diene.

Der Economist moniert, dass der "Tumult" der Gehaltsdiskussion die Dinge zu sehr vereinfache, insbesondere, indem die Höhe der Gehälter und ihre Struktur vermischt würden. Statt mit Obergrenzen zu operieren, was zu "regulierten Nützlichkeits-Banken mit dem schlechtesten Personal" führte, müsse die Struktur der Bezahlung verändert werden. "Lasst uns Boni stärker in Aktien über einen längeren Zeitraum auszahlen. Und Boni zurückfahren, die für exzessive Risiken bezahlt werden. Und außerordentliche Leistungen belohnen und nicht das Auf des gesamten Marktes", schlägt die britische Wochenzeitschrift vor. Noch wichtiger sei eine bessere Kontrolle durch die Aktionäre. "Die Anteilseigner haben im Crash gelitten, aber warum haben sie und die Verwaltungsräte nicht eingegriffen, statt die Banker auch noch anzustacheln?"

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