Internationale Presseschau vom 13.3.2009
Achtung, Abwrackprämie!

Die internationale Wirtschaftspresse verfolgt schwerpunktmäßig die weltweite Krise der Autobauer: Im Fokus der Medien stehen der Höhenflug von Audi gegenüber BMW, die Risiken von Abwrackprämien, die drohende Insolvenz des russischen Autobauers GAZ sowie die gescheiterte Förderung der Autoindustrie durch die Politik. Fundstück: Ze system werks pervectly.

Warum Audi jubelt und BMW kriselt

Die weltweite Absatzkrise trifft deutsche Autobauer unterschiedlich hart: So hat BMW gestern tiefrote Zahlen für das vierte Quartal 2008 gemeldet, während VW in den vergangenen Monaten in wichtigen Märkten einen Absatzeinbruch registrierte - auf dem deutschen Markt jedoch im Februar so viel Autos verkaufte wie seit der Wiedervereinigung nicht mehr. Das französische Wirtschaftsmagazin L'Expansion fragt, warum die VW-Tochter Audi im vergangenen Jahr den Gewinn um 30 Prozent erhöhen konnte, während der Münchner Rivale BMW ein Minus von 90 Prozent hinnehmen musste - obwohl beide Autobauer im selben Luxus-Segment unter denselben Marktbedingungen aktiv seien. Die Analyse verweist auf drei Faktoren, mit denen BMW - im Gegensatz zu Audi - zu kämpfen habe: die hohe Abhängigkeit vom US-Markt (wo BMW zuletzt pro Jahr rund 250.000 Autos, Audi aber nur 90.000 Stück verkauft habe), der Absatzrückgang beim Mini (seit Jahresanfang um 30 Prozent) sowie eine vergleichsweise alte Modellpalette (der Kunde müsse sich bis 2010 gedulden, um beispielsweise das neue 3er-Modell kaufen zu können).

Fehler der Vergangenheit rächen sich bei BMW

Die Süddeutsche Zeitung zeigt sich überrascht über den Gewinneinbruch bei BMW im vergangenen Jahr (minus 90 Prozent). Dass die Münchner besonders stark von der allgemeinen Absatzkrise betroffen seien, führt die Zeitung auf den Fokus des Autobauers auf teure und große Autos sowie auf den US-Markt zurück - in beiden Bereichen seien die Rückgänge am größten. Außerdem rächten sich bei BMW nun die Fehler der Vergangenheit. Während die BMW-Modelle lange Zeit mit Leasingverträgen oder mit günstigen Finanzierungsangeboten in den Markt gedrückt worden seien, um die Absatzschwäche zumindest teilweise zu kaschieren, stünden jetzt eine Vielzahl schwer verkäuflicher Rückläufer aus Leasingverträgen auf den Höfen; hinzu komme, dass Kunden ihre Kredite nicht mehr zurückzahlen könnten. In dieser Situation müsse sich BMW-Chef Norbert Reithofer schnell etwas einfallen lassen - dass 26.000 BMW-Beschäftigte auf Kurzarbeit seien, werde nicht reichen; von der Abwrackprämie habe BMW auch nicht profitiert, da diese vor allem Massenherstellern wie Volkswagen helfe.

Abwrackprämien sind langfristig riskant

Das US-Magazin Time hinterfragt das Konzept der Abwrackprämien, das neben Deutschland auch in Frankreich, Italien und Spanien umgesetzt worden sei und in Großbritannien gerade diskutiert werde. Zwar habe das Programm in Deutschland den Absatz angekurbelt, das Manko liege jedoch darin, dass es keine Garantie dafür gebe, dass schließlich die deutschen Autobauer dadurch profitierten. Nach Einschätzung des Branchen-Experten Ferdinand Dudenhöffer entfielen zwei Drittel der zusätzlichen Verkäufe auf importierte Autos. Darüberhinaus sei unklar, was nach dem Ende der Abwrackprämien passiere. Nach ähnlichen Programmen in Frankreich und Italien zu Beginn der 1990er Jahre sei der Markt abgesackt, weshalb Christian Streiff, Chef bei Peugeot-Citroen, vor dem langfristigen "Umkehreffekt" gewarnt habe. Vor diesem Hintergrund seien langfristig die zig Milliarden Dollar an direkter Hilfe für die Autoindustrie durch verschiedene europäische Regierungen eine viel bessere Unterstützung, meint das US-Magazin.

Autobauer müssen Allianzen schließen

Die Börsen-Zeitung geht davon aus, dass die Wolfsburger den Wirtschaftsabschwung besser durchfahren werden als die Wettbewerber aus Stuttgart und München. Dazu trügen unter anderem die staatlich geförderten Abwrackprämien in vielen westeuropäischen Ländern bei. Da die Marktmisere anhalte, werde für alle Autobauer aber 2009 operativ nicht viel zu holen sein. "Dem deutschen Trio drohen hohe Verluste im laufenden Quartal. Somit sind sie gezwungen, ihre Sparmaßnahmen auszuweiten, um die Firmenkasse zu schonen. Engere Kooperationen wie zum Beispiel im Einkauf könnten helfen, das Leid zu lindern."

Seite 1:

Achtung, Abwrackprämie!

Seite 2:

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%