Internationale Presseschau vom 13.8.2008
Aus eins mach drei

Die internationale Wirtschaftspresse zweifelt an der Abkehr der schweizerischen UBS vom Universalbanken-Modell. Der Standard aus Wien geißelt den Dilettantismus bei der Privatisierung der Austrian Airlines. Le Monde untersucht die wirtschaftlichen Kollateralschäden von Russland im Kaukasus. Fundstück: Yahoo tanzt den Frust weg.
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Die Schweizer UBS-Bank hat gestern weitere milliardenschwere Wertkorrekturen bekanntgegeben und angekündigt, dass die drei Geschäftsbereiche Private Banking, Asset Management und Investmentbanking künftig als selbständige Einheiten geführt werden. Das Wall Street Journal hinterfragt die Abkehr vom Universalbanken-Modell. "Die Kritik der UBS am Universal-Banking wäre glaubwürdiger, falls sie es tatsächlich eingeführt hätte", blickt das WSJ zurück. Aber anders als bei der Citigroup oder Banc of America seien die Sparten bei den Schweizern nie richtig integriert worden - die Fehden zwischen den Bereichen wegen der Erlöse am Jahresende seien legendär. Nach Einschätzung früherer UBS-Angestellter hätten es die Schweizer nie geschafft, eine Firma mit gemeinsamen Zielen und kombinierten Boni zu schaffen.

Die Financial Times Deutschland glaubt, dass mit diesem Schritt die Aufsplittung der Bank vorbereitet werde: "Zwar sind die drei Divisionen rechtlich noch nicht selbstständig, aber der Ton der Pressemitteilungen zeigt, welchen Stellenwert das Investmentbanking heute hat. Zudem wird bereits davon gesprochen, dass die Divisionen Joint Ventures eingehen könnten - da ist der Weg zur Abspaltung nicht mehr weit." Ob damit viel gewonnen wäre, sei jedoch unklar. Ein Verkauf des Investmentbankings noch während der Finanzkrise, meint die FTD, würde auf weiter dringenden Kapitalbedarf schließen lassen. "Denn die Früchte einer erfolgreichen Restrukturierung oder einer Verbesserung der Märkte überlässt man dann anderen."

Auch Les Echos aus Frankreich zweifelt daran, dass mit der Autonomie der drei Sparten alle Fragen zur Zukunft des "ehemaligen Schweizer Prunkstücks" beantwortet sind. Zwar verspreche die neue Organisation eine Vereinfachung der Struktur und mehr Transparenz, was Analysten und Regulatoren gefallen dürfte; außerdem gebe der UBS damit "der Zeit Zeit" (wie ein französisches Sprichwort lautet), um das eigene Image wieder aufzuwerten. Gleichwohl sei unklar, ob es mit dem neuen Modell überhaupt noch Synergien zwischen den autonomen Sparten geben und ob nicht noch härtere Einschnitte nötig sein werden.

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