Internationale Presseschau vom 13.8.2009
Schaeffler, Conti: Die Ohnmacht der Banken

Die internationale Wirtschaftspresse kommentiert den Burgfrieden bei Continental, zweifelt am Stellenwert des Aufsichtsrats und Standing der Banken. La Tribune hinterfragt die Rolle des Ölkonzerns Total im Streit um die Verurteilung der Regimekritikerin Aung San Suu Kyi in Birma. Die Economic Times wünscht Monsun-Regen herbei. Fundstück: Betteln auf Teilzeit.

Gestern gab es das erwartete Revirement bei Continental: Karl-Thomas Neumann wurde vom Aufsichtsrat als Conti-Chef abgelöst. Sein Nachfolger wird wie erwartet der Schaeffler-Manager Elmar Degenhart. Aufsichtsrats-Chef Rolf Koerfer legte im Gegenzug den Vorsitz nieder. Die Börsen-Zeitung moniert, dass das versprochene Gegengewicht durch einen neuen Aufsichtsratsvorsitzenden sowie einen Finanzvorstand, die beide explizit nicht aus der Schaeffler-Sphäre kommen und das notwendige Gegengewicht wiederherstellen sollen, fehle. Der Aufsichtsrat drohe nun zu einer „Allianz der Aussitzer“ zu werden. „Die völlig überschuldete Schaeffler-Gruppe kann offensichtlich mit den Banken umspringen, wie sie will. Völlig verkehrte Welt: Sind die Schulden nur hinreichend hoch - 11 Mrd. Euro und mehr -, kann ein Schuldner offensichtlich nicht mehr pleitegehen. Die kreditgebenden Banken stehen am Spielfeldrand und sind zur Untätigkeit verdammt.“Fazit: Die alte Conti sei mit dem gestrigen Tag unwiderruflich untergegangen.

Reuters sieht besonders die Conti-Aktionäre als Verlierer der jüngsten Schaeffler-Offensive, durch die Continental noch tiefer in die Tasche von Schaeffler geschoben werde. „Viele Conti-Aktionäre bedauern womöglich, dass sie ihre Anteile nicht verkauft haben, als 75 Euro pro Papier auf dem Tisch lag.“ Unklar bleibe, ob sich Schaeffler in Zukunft von Conti-Assets – wie Rubber – trennen werde. Zwar habe Schaeffler gestern betont, am Ziel festzuhalten, einen globalen Technologiekonzern mit den drei Sparten Automotive, Industrial und Rubber zu schaffen. Sollte die Kapitalerhöhung aber misslingen, komme diese Frage erneut aufs Tapet.

Auch die Financial Times Deutschland meldet Zweifel an, ob der Schrecken im Machtkampf mit Conti nun tatsächlich ein Ende habe. Es werde nicht leicht für den Großaktionär, Vertrauen aufzubauen und die Truppen hinter sich zu versammeln, denn immerhin habe es Schaeffler binnen kürzester Zeit geschafft, mit Neumann und seinem Vorgänger Manfred Wennemer zwei fähige deutsche Automanager zu verschleißen. Jetzt sei es an den Banken, besonders der Commerzbank als größtem Gläubiger von Schaeffler, gemeinsam mit dem Unternehmen einen Fahrplan für die Fusion und die notwendige Finanzierung auf die Beine zu stellen. Um eine Kapitalerhöhung werde man dabei kaum herumkommen. „Auch wenn Schaefflers Anteil an Conti dabei verwässert wird, sollte sich das Unternehmen einem solchen Schritt nicht verweigern.“

Ein Austausch der Köpfe reiche nicht, meint die Süddeutsche Zeitung. Conti brauche einerseits endlich Ruhe, um die noch immer nicht gelungene Integration von VDO voranzutreiben, außerdem brauche der Konzern dringend Kapital. Zwei große Fragezeichen stünden hinter dem neuen Finanzvorstand und künftigen Aufsichtsratschef: Die Schaefflers hätten während ihrer schon Monate dauernden feindlichen Übernahme alles dazu getan, dass gute Manager auf ihrer Karriereleiter um Conti künftig einen großen Bogen machen.

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