Internationale Presseschau vom 14.4.2009
Chirurgischer Eingriff nicht ohne Risiko für GM

Die internationale Wirtschaftspresse bezieht Stellung zum Plan der US-Regierung, wertvolle Bestandteile von General Motors über ein Insolvenzverfahren zu retten. Portfolio erklärt, wie ein ehemaliger US-Elektronikhändler trotz Krise zu neuer Größe findet. Die Financial Times singt ein Loblied auf die immer noch starke, irische Wirtschaft. Fundstück: GMs Innovationskraft fährt Rollstuhl.

Eine „chirurgische Insolvenz“ zur Rettung des US-Autokonzerns General Motors – das setze einiges an Vorbereitung voraus, meint die New York Times zu der von ihr verbreiteten Meldung, die US-Regierung habe GM aufgefordert, einen Konkursantrag für den 1. Juni 2009 vorzubereiten. „Zuallererst braucht es einen Businessplan, der praktisch jeden Aspekt berücksichtigt und aufzeigt, wie viele Milliarden von Dollar gesichert werden – durch Vereinbarungen mit den Anteilseignern und den Gewerkschaften – und wie viele Niederlassungen, Büros und Fabriken bestehen bleiben könnten.“ Vor allem aber sei eine aufrichtige, ehrliche Prognose zur Entwicklung des Automarktes nötig, „ein schwieriges Unterfangen, berücksichtigt man den heftigen Einbruch der Absatzzahlen der letzten Monate“. Und letztlich müsse GM Panik unter den Autokäufern verhindern. Immerhin habe GM zuletzt eine aggressive Werbekampagne gefahren und allen Käufern versprochen, bis zu neun Monate lang ihre Ratenzahlungen zu übernehmen, falls sie arbeitslos werden. „Unsicher ist auch, was mit den Pensionsfonds geschieht, 13,5 Milliarden Dollar beträgt die Summe der ungedeckten Verbindlichkeiten.“ Ob sich GM von diesen befreien könne, sei nicht sicher. Die Zeitung erinnert an den Fall des US-Stahlerzeugers LTV Corporation, der nach dem Schutz versprechenden Bankrott vom Supreme Court seine Pensionsverbindlichkeiten „zurückbekommen“ habe.

Das Wall Street Journal rückt einen möglichen Protest der GM-Anteilseigner in den Mittelpunkt: „Nach Insiderinformationen wird derzeit ein Komitee gebildet, das Argumente gegen den Insolvenzplan vorbringen soll.“ Denn auch wenn Anteilseigner die Gelegenheit bekommen sollten, Anteile am „guten“ GM-Firmenteil zu erhalten, befürchteten viele schmerzhafte Verluste hinsichtlich ihrer Investitionen. „Die Gefahr einer legalen Opposition durch die Anteilseigner hat das GM-Management bislang daran gehindert, den Insolvenzplan umzusetzen.“ Sowohl GM als auch die US-Regierung verfügten über mehrere Pläne, wie GM nach dem Bankrott konkret aussehen könnte. „Doch das hängt auch von der Diskretion des betreffenden Richters und der Kooperation der Stakeholder ab. Letztlich ist das ein demokratischer Prozess, und es gibt eine Menge möglicher Komplikationen, die sich aus dem Insolvenzverfahren vor Gericht ergeben könnten.“ Auch fürchteten die Anteilseigner eine Lösung wie bei Lehman Brothers, wo Anteilseigener in dem Glauben, Lehman könne zu schnell kollabieren, rasch an Barclays verkauft hätten. „Weder GM noch eine seiner Marken ist tatsächlich so gefährdet wie ein schmelzender Eiswürfel, es gibt die Sorge, dass sich die Task Force bei GM tatsächlich an Lehman Brothers ein Beispiel nehmen könnte.“

Einen „Trick“ vermutet die Financial Times Deutschland hinter dem Vorschlag der US-Regierung, GM in die Insolvenz zu schicken. Ihr gehe es nicht um die Rettung des Konzerns, sondern darum, eine „Drohkulisse“ für Anleihegläubiger und Gewerkschafter aufzubauen, um diese zu Zugeständnissen zu bewegen. Zu glauben, man könne die maroden Werke im Handumdrehen abspalten, die erdrückenden Milliardenschulden einfach löschen und wenig später stehe GM wieder kerngesund da, sei vor allem eins: Theater. Das Verfahren würde Monate dauern, zudem sei GM für ein sauberen Schnitt viel zu komplex, die internen Widerstände seien zu groß. „Ein Insolvenzverfahren würde in jedem Fall schmerzhaft und teuer. Womöglich zu teuer.“ Tatsächlich habe keiner der Beteiligten Interesse an einer Insolvenz. „Das ohnehin angeschlagene Markenimage von GM würde endgültig ruiniert, die Gewerkschaften verlören massenhaft Arbeitsplätze, Hunderte Zulieferer würden zusammenbrechen und damit auch die Produktion anderer Autobauer wie etwa von Ford gefährden. Auch die Anleihegläubiger müssten den größten Teil ihres Geldes abschreiben.“ Auf den Trick mit der Aufspaltung und dem „chirurgischen“ Eingriff würden die Betroffenen jedenfalls nicht hereinfallen, Insolvenz sei Insolvenz.

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