Internationale Presseschau vom 14.7.2009
Kirin Suntory: Größe ist nicht alles

Die internationale Wirtschaftspresse hinterfragt die Fusionspläne der japanischen Brauereien Kirin und Suntory. Fortune gratuliert Microsoft zu einer genialen Idee. La Tribune zeigt sich von der Strategie des italienischen Energieriesen Enel beeindruckt. Vedomosti zweifelt am Erfolg des Nabucco-Projekts. Fundstück: Süßes Marketing mit sauren Folgen.

„Man muss wirklich Mitleid haben mit den japanischen Brauern: Der Markt schrumpft, die Gesellschaft altert und die jungen Männer gehen lieber shoppen als sich zu betrinken. Japaner konsumieren heute nur noch halb so viel Gerstensaft wie vor zehn Jahren“, versucht die Financial Times die Gespräche zwischen den Kirin und Suntory über eine Fusion zu erklären. Sicher, die Konsolidierung mache Sinn, denn wie in vielen Bereichen der japanischen Wirtschaft gebe es auch unter den Getränkeherstellern zu viele Wettbewerber. „Doch für Kirin würde der Schritt eine komplette Kehrtwende bedeuten, denn seit drei Jahren expandiert das Unternehmen im Ausland, hauptsächlich in Australien und in den Philippinen.“ Erklärtes Ziel sei, bis 2015 einen Jahresumsatz von 31 Milliarden Dollar zu schaffen. „Es ist kaum ersichtlich, wie Suntory dabei helfen könnte: Die Margen sind niedriger als bei Kirin und alkoholische Getränke tragen nur zu einem Drittel zum Umsatz bei. Die Geschäftsbereiche von Suntory reichen von Blumen bis zum Betreiben von Fitnessstudios.“ Die von Kirin viel zitierten Synergieeffekte würden da sicher keinen großen Unterschied machen.

„Ist Größe tatsächlich alles, was zählt“, hinterfragt das Wall Street Journal die Fusionsgespräche kritisch. Mit Kirin/Suntory würde ein Getränkehersteller entstehen mit einem Umsatz von 3,82 Billionen Yen – das wäre vergleichbar mit PepsiCo. Der Wert des Unternehmens würde 21,9 Milliarden Dollar betragen, das wäre etwas mehr als der Wert von Carlsberg. „Doch diese Zahlenspiele täuschen darüber hinweg, wie schrecklich unprofitabel der japanische Brauereisektor ist. Suntorys Nettogewinnspanne betrug im letzten Jahr erbärmliche 2,1 Prozent, und damit feierte das Unternehmen das erste profitable Jahr – seit 1963!“ Kirin stehe mit 3,5 Prozent Nettogewinnspanne kaum besser da – und weit abgeschlagen von Carlsberg (4,4 Prozent), Anheuser-Busch InBev (acht Prozent) oder PepsiCo (11,9 Prozent). „Welche Synergieeffekte oder Kostenersparnisse möglich sind – wenn überhaupt – ist noch vollkommen unklar. Dieser Deal mutet an wie so viele in Japan – es ist der Versuch, einen großen, nationalen Akteur zu kreieren, gemessen an Anlagen und Umsätzen, aber nicht an der Rentabilität.“ Was beiden nach einer Fusion bleibe, sei der Trost, ein wirklich großes Unternehmen zu sein, das seine Umsatzströme angesichts eines schrumpfenden Binnenmarktes diversifizieren kann.

„Durch das Geschäft würde den großen Akteuren auf dem globalen Getränkemarkt ein mächtiger Konkurrent erwachsen“, ist die Financial Times Deutschland überzeugt. Mit 31 Milliarden Euro würden Suntory und Kirin zusammen etwa doppelt so viel erlösen wie der weltweit größte Bierbrauer Anheuser-Busch Inbev; selbst Coca-Cola setze weniger um als die beiden Japaner. Vorteile hätte der neue Gigant vor allem auf dem heimischen Markt. „Eine Fusion würde ihnen den Marktanteil sichern, um die Preishoheit zu übernehmen und ihrem Softdrinkgeschäft zu helfen – ein chronischer Schwachpunkt in einem extrem umkämpften Markt“, zitiert das Blatt eine JP-Morgan-Analystin. Gemeinsam würden beide Firmen knapp die Hälfte des japanischen Getränkemarkts kontrollieren. In der Vergangenheit seien Suntory und Kirin rasant gewachsen, nun gelte es offenbar, auf eine profitablere Größe zu kommen und trotz schwieriger Zeiten weiter international expandieren zu können. Dennoch müsse mit Hürden gerechnet werden: Abgesehen von möglichen Einwänden der Kartellbehörden seien die Unternehmen doch sehr unterschiedlich. Deshalb sei es „alles andere als sicher“, dass der Deal tatsächlich zustande kommt.

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