Internationale Presseschau vom 15.1.2009: Der zweite Schock der Banken

Internationale Presseschau vom 15.1.2009
Der zweite Schock der Banken

Die internationale Wirtschaftspresse kommentiert die Milliardenverluste der Deutschen Bank. Standpoint rätselt über die Haltung der Deutschen zu Wladimir Putins Russland. Daily Mail ist erstaunt über den Expansionskurs von Aldi auf der Insel. Newsweek hinterfragt die Resistenz von China in der Wirtschaftskrise. Fundstück: Froh, Sie hängen zu sehen.

Für Les Echos aus Frankreich ist die Bekanntgabe von Milliardenverlusten bei der Deutschen Bank ein Weckruf für diejenigen, die dachten, die Banken hätten schon infolge der staatlichen Rettungspakete das Schlimmste überstanden und könnten sich jetzt auf ihr Kerngeschäft, die Finanzierung der Wirtschaft, konzentrieren. In Wirklichkeit seien viele Banken weit davon entfernt, ihre Fähigkeiten zur Kreditvergabe wiederherzustellen: zum einen, weil viele immer noch giftige Wertpapiere besäßen, die an Wert verloren hätten, außerdem, da die Aktivitäten des Marktes weiterhin voller Gefahren seien. Hinzu komme, dass sich ein "zweiter Schock" anbahne, der diesmal das "banking book" und nicht das "trading book" betreffe. Durch den Wirtschaftsabschwung verlören auch die Kreditportfolios von Unternehmen und Privatkunden in den Büchern der Banken rapide an Qualität - die Pleite des größten nordamerikanischen Telekomanbieters Nortel nennt das Wirtschaftsblatt als Beleg.

Aus Sicht der Welt war gestern einer der bittersten Tage in der Geschichte der Deutschen Bank und auch für Josef Ackermann - fast fünf Milliarden Euro Verlust in einem Quartal, beinahe vier Milliarden für das Gesamtjahr. Obwohl die Bank noch kein Sanierungsfall sei, stehe das Kreditinstitut vor einem Umbau, wie er in ähnlicher Radikalität zuletzt vor 20 Jahren eingeleitet worden sei, als Alfred Herrhausen mit dem Kauf der Londoner Morgan Grenfell den Angriff auf die angelsächsischen Investmentbanken gestartet habe. Heute habe die Kernschmelze an den Finanzmärkten das Geschäftsmodell einer Investmentbank hinfällig gemacht, weshalb Ackermann mit der Übernahme der Postbank den richtigen Schritt getan habe. "Die Deutsche Bank wird wieder ein Stück deutscher. Die große Aufgabe besteht nun darin, das Investmentbanking zu verkleinern, ohne die internationale Kultur der Bank zu zerstören. Ackermann wird diesen erneut schmerzhaften Prozess in den verbleibenden 16 Monaten seiner Amtszeit nur einleiten können. Sein Nachfolger muss dann das Haus fit für das neue Bankenzeitalter machen", blicken die Berliner voraus.

Die Neue Zürcher Zeitung sucht bei der Deutschen Bank nach Geschäftsfeldern, die künftig den Ausfall der Erträge im Kerngeschäft Investment Banking kompensieren können. Anders als die stark im Vermögensverwaltungsgeschäft engagierten Schweizer Großbanken verfügten die Deutschen über kein zweites starkes Standbein - ihre Wealth-Management-Aktivitäten seien nicht profitabel. "Ob der Versuch, über den Erwerb der Postbank stärker im Retail Banking Fuß zu fassen, unter den obwaltenden Umständen Erfolg haben wird, bleibt höchst ungewiss", melden die Schweizer Zweifel an.

Die Presse aus Österreich diagnostiziert zum Auftakt der Bilanzberichtssaison für das letzte Quartal 2008: "Die Großbanken sind weltweit in einem noch viel, viel schlimmeren Zustand als befürchtet." Auch die Post-Beteiligung an der Deutschen Bank, eine Art indirekte Staatshilfe, sei ein Beleg dafür, dass das gesamte Bankensystem ohne die staatliche Hilfe - und zwar aus reinem Eigenverschulden - bereits gescheitert wäre. Vor diesem Hintergrund sei das Selbstbewusstsein von Deutsche-Bank-Chef Ackermann, der das deutsche Großinstitut mehr oder weniger heftig an die Wand gefahren, gestern aber große Töne gespuckt habe, erstaunlich. Fazit der Wiener: "Niemand will Staatsbanken, die Staaten sollten sich nach deren Sanierung also schnell zurückziehen. Aber sie sollten in ihrer Eigentümerfunktion vorher Ordnung machen. Auch personell. Leute, die uns diese Krise eingebrockt haben, haben auf den Kommandobrücken nichts mehr verloren."

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