Internationale Presseschau vom 15.12.2008
Märkte des Finanzverbrechens

Die internationale Wirtschaftspresse geht nach der Affäre um den Investor und US-Regierungsberater Bernard Madoff hart mit dem Geschäft des Fondsmanagements ins Gericht. Im Spiegel wirft Nobelpreisträger Paul Krugman deutschen Politikern mangelnde intellektuelle Beweglichkeit vor. Die Korea Times lobt den jüngsten Asien-Gipfel. Fundstück: Russlands Opposition fährt Auto.

Für die Huffington Post steht fest: die Aktienmärkte sind "Märkte des Finanzverbrechens". Seit Jahren seien die Tricks bekannt, wie Fonds zu überhöhten Preisen gehandelt und Investoren zum Kauf von Fondsanteilen verführt und um ihr Geld gebracht werden könnten: "Viele Anleger sind unglaublich naiv, was den wahren Wert der Sicherheiten angeht, die sie kaufen. Und die Auffassung, dass sich die Preise an den Aktienmärkten letztlich regulieren, wurde in den vergangen Jahren mehrfach auf den Kopf gestellt. Doch den US-Kongress hat die Integrität der Finanzmärkte kaum interessiert", klagt das amerikanische Blatt. "Hier geht es nicht nur darum, dass Geld von einem ärmeren, weniger gut informierten Anleger zu einem cleveren, unehrlichen Anleger fließt. Diese weit verbreiteten Betrugs- und unehrlichen Finanzpraktiken stellen letztlich eine Verschwendung dar, weil ohnehin knappes Kapital zum Teil in nutzlose Projekte fließt." Das sei auch der Grund für die Armut in den Entwicklungsländern, wo Korruption effizientes Investment in legale Geschäfte verhindere. "Wir müssen endlich mehr über die Gründe nachdenken, warum die Märkte für Ehrlichkeit und Verbraucherschutze so schlecht funktionieren."

Freuen kann sich dagegen die Frankfurter Rundschau über den Fall Bernard Madoff. Zwar dürften auch viele Kleinanleger zu den Geschädigten zählen, doch der Verlust von sagenhaften 50 Milliarden Dollar treffe vor allem die super-smarten Anleger, Hedgefonds, die selbsternannten Könige der Investoren. Das Wunderbare an dem Skandal aber sei der Zeitpunkt, denn das könne der Debatte um die richtige Regulierung am Finanzmarkt nur gut tun: "Die Finanzkrise räumt ja schon seit geraumer Zeit mit den falschen Glaubensgrundsätzen auf. An aller erster Stelle mit dem Glauben, freie Finanzmärkte seien effizient und regulierten sich deshalb am besten von selbst." Deshalb laute bereits die Forderung der Bekehrten, die Aufsicht habe auf jeden Fall für Transparenz zu sorgen, dann würden die Finanzmärkte besser funktionieren. Der Fall Madoff zeige nun, dass diese Forderung noch viel zu lasch sei. "Was hilft Transparenz, wenn keine Aufsicht sicher stellt, dass die angegebenen Daten tatsächlich stimmen, wenn sich niemand vergewissert, ob das ausgewiesene Fondsvermögen tatsächlich irgendwo auf einem Depot liegt?" Für Hedgefonds, Finanzinvestoren und andere alternative Anlageformen müssten dieselben strengen Vorschriften gelten wie für alle anderen Fonds.

Den tiefen Fall des erfolgreichen Fondsmanagers Bill Miller rekapituliert der Focus. "Bill Miller war ein Star in den Vereinigten Staaten: furchtlos, gewitzt und erfolgreich wie kein Konkurrent. Vor zwei Jahren nannte ihn ein Reporter des US-Magazins Fortune den größten Geldmanager unserer Zeit." Seinen Ruhm habe sich dieses "Geld-Genie" mit dem Fonds "Value Trust" für ein breites Publikum erworben: Von 1991 bis 2005 habe der sich am Jahresende stets besser geschlagen als die 500 wichtigsten Aktien der USA. "Es war eine Tradition, ein Gesetz, wenn man so will das Millersche Gesetz. Die Statistik, wonach Fondsmanager auf Dauer nicht besser sein können als der Durchschnitt - sie schien passé." Doch nun sei Miller ein gebrochener Mann. Das Vermögen des Trusts sei von etwa 20 Milliarden Dollar im November 2006 auf nur mehr 4,3 Milliarden Dollar geschmolzen, binnen eines Jahres hätten die Fondsanleger 58 Prozent verloren. Grund sei Millers Erfolgsmasche: Er habe stets nach Aktien gesucht, die unter Wert dahin dümpelten. Fündig geworden, habe er in großem Stil gekauft und auf die Kursexplosion gewartet, zeitgleich aber nur etwa drei Dutzend Papiere gehalten. Eine riskante Strategie, die 15 Jahre blendend aufgegangen sei. Doch dieses Mal seien die Unternehmen noch viel schlechter gewesen, als die Aktienkurse nahe legten: "Bear Stearns, die erste taumelnde Wall-Street-Bank, Washington Mutual, AIG, Countrywide Financial, Citigroup - das Portfolio ähnelte einer Geisterbahn." Die Lust am Nervenkitzel, sie sei Miller zum Verhängnis geworden.

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